Ausstattung

Gewandung

Die Gewandung des 12. und 13. Jahrhunderts

Adelspaar des 12. Jahrhunderts Adelspaar des 13. Jahrhunderts

Die Kleidung der Menschen änderte sich im Laufe der Jahrhunderte. So wie es heute eine sich verändernde Mode gibt, hat sich die Kleidung auch früher einem gewissen Zeitgeschmack unterworfen.

Mit Beginn des 12. Jahrhunderts entfernte man sich langsam von seinen Kleidungsvorbildern aus dem frühen Mittelalter und ihres Vorbildes der Antike. Durch die Kreuzzüge gelangten viele orientalische Einflüsse in die europäische Mode. Und so kann man bei einem Vergleich von historischer Kleidung aus dem Nahen Osten mit der Kleidung im Europa des 12. und 13. Jahrhunderts verblüffende Ähnlichkeiten feststellen.


Traditionelle Kleidung im Nahen Osten - Volkskundemuseum von Amman (Jordanien)

Auch innerhalb Europas kann man, ähnlich wie in der Architektur beim Übergang von der Romanik zur Gotik, auch in der Kleidung eine Ausbreitung der neuen Mode von Frankreich nach Deutschland, mit einigen Jahren Verzug, erkennen.

Während die Mode des 12. Jahrhunderts noch sehr körperbetont war; Borten, Stickereien und Hängeärmel die Kleidung prägten, fand ab 1200 ein starker Wandel, hin zu körperverhüllender, schlichterer Kleidung statt. Borten und Stickereien kamen nur noch in geringem Maße vor. Und Herren und Damengewandungen waren kaum noch voneinander zu unterscheiden. Dafür zeigte der Adel seinen Reichtum in Form von aufwendig gearbeiteten Fibeln und Gürteln.

Die Kleidung und Ausstattung der einfachen, schwer arbeitenden Menschen blieb hingegen über viele Jahrhunderte nahezu gleich. Das Aussehen wurde vom praktischen Nutzen und der zu leistenden Arbeit bestimmt.

Wir möchten hiermit einen kleinen Einblick in die Gewandung des 12. und 13. Jahrhunderts geben und haben uns dabei an die vorhandenen Quellen dieser Zeit gehalten und versucht, sie so realistisch wie möglich umzusetzen. Viele Darstellungen kann man unterschiedlich interpretieren und sicher spielt auch die geographische Lage innerhalb Europas eine große Rolle. Diese Übersicht erhebt nicht den Anspruch, vollkommen authentisch und fehlerfrei zu sein. Sie lässt Raum für Diskussionen. Auch die Bezeichnungen der einzelnen Kleidungsstücke entsprechen im Wesentlichen dem heutigen Sprachgebrauch. Wir haben uns mit der vorhandenen Fachliteratur auseinandergesetzt und vieles inhaltlich übernommen und kritisch hinterfragt.

Textquellen:
Ulrich Lehnart „Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik“,
Gösta Ditmar-Trauth „Rüstung, Gewandung, Sachkultur des Deutschen Hochmittelalters“,
Katrin Kania „Kleidung im Hochmittelalter - Materialien-Konstruktion-Nähtechnik“
Barbara Purrucker „Hochmittelalterliche Bauernkleidung“, u.v.a.m.

HERRENGEWANDUNG
DES 12. UND 13. JAHRHUNDERTS
DAMENGEWANDUNG
DES 12. UND 13. JAHRHUNDERTS

Herrengewandung des 12. und 13. Jahrhunderts

Die Cotte des 12. Jahrhunderts Cotte und Surcot des 13. Jahrhunderts Der Rechteck- und Halbkreismantel Die Cappa - Der Reisemantel
Kopfbedeckungen Schuhe Beinlinge Bruche
Alltagskleidung Unterkleidung

Damengewandung des 12. und 13. Jahrhunderts

Der Damenbliaut
des 12. Jahrhunderts
Cotte und Surcot
des 13. Jahrhunderts
Der Mantel höfische
Kopfbedeckungen
Die Schuhe der Frau Alltagskleidung der Frau Die Cappa Kopftuch und Gugel
Die Strümpfe Unterkleidung

Die Cotte des 12. Jahrhunderts


einfacher Schnitt
Typisch für die Oberbekleidung in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts war eine knie- bis knöchellange Tunika, welche in der heutigen Fachliteratur oft als Cotte bezeichnet wird. Der Schnitt war einfach gehalten und bestand aus einer rechteckigen Vorder- und Rückseite mit eingesetzten Keilen (Geren) in Hüfthöhe, die der Cotte im unteren Bereich ihre Weite gaben. Neben der im Oberkörperbereich weiten Form, gab es auch körpernahe Varianten mit schräger Schulter und rund eingesetzten Ärmeln.

Zum Reiten war es notwendig, dass sie nur maximal bis zu
körpernahe Form
den Knien reichen durfte, oder bei längeren Varianten vorne und hinten geschlitzt war. Sehr beliebt an der Cotte scheinen Borten an den Oberarmen, den Handgelenken und am Halsausschnitt gewesen zu sein, aber auch Stickereien am gesamten Gewand kamen häufig vor.

Die Ärmel dieses Gewandes konnten eng sein, wie bei der Darstellung Heinrichs des Löwen im von ihm in Auftrag gegebenen Evangeliar von 1185, aber auch weit geschnitten, wie bei den Darstellungen von Friedrich Barbarossa ebenfalls in der Welfenchronik oder die des Fortitudo auf dem Quedlinburger Knüpfteppich. Sie wurde oft gegürtet getragen.

Friedrich Barbarossa mit seinen Söhnen in der Welfenchronik um 1180 - Cotte mit weiten Ärmeln Evangeliar Heinrichs des Löwen um 1185 - reich verzierte (bestickte?) Cotte mit Borten an Oberarm, Handgelenk und unterem Saum Fortitudo auf dem Quedlinburger Knüpfteppich um 1200 - weite Cotte mit breiter Verzierung am unteren Saum

Die Cotte war aus Wolle oder Leinen gefertigt und da es bedingt durch die Kreuzzüge und den Fernhandel auch Kontakte nach Fernost gab, wird auch Seide verwendet worden sein, war aber sicherlich wegen ihrer Seltenheit und dem hohen Preis dem Hochadel vorbehalten. Feines Leinen war schwierig und aufwändig herzustellen, deshalb auch teurer als Wolle und wurde wahrscheinlich nur vom Adel als Ober- und Unterkleidung getragen.


Cotten verschiedener Machart
Hortus Deliciarum und Halberstädter Abrahamsteppich

Leinen hat die Eigenschaft viel Wasser aufzunehmen und schnell wieder verdunsten zu lassen. Ein sehr angenehmer Kühleffekt bei der Arbeit und bei hohen Temperaturen, welcher sogar noch unter Wollkleidung funktioniert.

Wolle ist wesentlich einfacher als Leinen mit natürlichen Farben zu färben. Somit werden farbintensive Kleidungsstücke wohl meistens aus Wolle bestanden haben. Es war zumindest möglich Leinen mit Färbewaid blau zu färben, aber inwieweit Leinen im Mittelalter auch mit anderen Naturfarbstoffen färbbar war und in welchem Umfang dies durchgeführt wurde, ist unbekannt. Das Färben von Leinen war um vieles aufwändiger und die Farben nur blass und wenig licht- und waschbeständig.

Bronzetür von Nowgorod ca. 1152 - Darstellung des Nikodemus(?) Samsonleuchter - Hildesheim ca. 1230 - zum Reiten geschlitzte Cotte Priscianus aus dem Münchner Codex 2599 von 1200

Da Wollkleidung direkt auf der Haut sehr unangenehm ist, wurde darunter wohl ein Leinenunterhemd getragen. Auf einigen Abbildungen von Personen des Adels und der Kirche, ist unter der knie- bis wadenlangen Cotte ein bodenlanges Unterhemd zu erkennen, welches noch zusätzlich verziert sein konnte.

Oft wird auch der Bliaut als typische Oberkleidung für den Mann im 12. Jahrhundert genannt. Es gibt auch eine Darstellung von Oberkleidung, die des Priscianus im Münchner Codex 2599 von 1200, der einen dem Damenbliaut ähnlichen Faltenverlauf im Bauchbereich zeigt und vermutlich auf dem Rücken oder an der Seite geschnürt ist. Dies stellt meiner Meinung nach aber eher eine Ausnahme dar und nicht die typische Herrenkleidung des 12. Jahrhunderts.

Text: tf

Die Oberkleidung im 13. Jahrhundert

Die wichtigsten Quellen für die Oberkleidung im 13. Jahrhundert in der Mark Meißen sind die Stifterfiguren der Naumburger Dombauwerkstatt im Meißner Dom von 1260 und im Naumburger Dom von 1240/50. Auch die Manessische Liederhandschrift, obwohl erst um 1300 entstanden, lässt Rückschlüsse über die Gewandung in der Mitte des 13. Jahrhunderts zu, da der „Grundstockmaler“ die Mode der letzten Jahrzehnte dargestellt hat und diese mit den Gewandungen der Naumburger Dombauwerkstatt übereinstimmen.

Mitte des 13. Jahrhunderts ähneln sich Damen- und Herrengewandung so stark, dass nur noch die Saumlänge und die Weite der Gewänder eine Unterscheidung zuließ. Auch zusätzliche Reitschlitze hinten und vorne, ließ eindeutig Männerkleidung erkennen. Zusätzlich ermöglichten diese Reitschlitze noch einen weiten, ausgreifenden Schritt, was bei den Damen natürlich nicht erwünscht war.

Cotten im Codex Manesse - 13. Jhd.
(l) deutlich sichtbarer Reitschlitz
(m) Stehkragen und Bortenzier an Hals und Handgelenken
(r) Stehkragen und Knöpfe an Unterarm und Halsausschnitt
Maciejowski Bibel ca. 1250
(l) lange schmucklose Cotte
(r) deutlich erkennbarer Schlitz zwischen den überschlagenen Beinen

Naumburger Stifterfiguren - ca. 1240
Ekkehard und Timo in Cotte
Gips-Nachbildungen der Original-Figuren
aus dem Naumburger Dom

Dieses Gewand wird heute als Cotte bezeichnet. Der Schnitt war einfach gehalten und bestand aus einer weiten rechteckigen Vorder- und Rückseite mit eingesetzten Keilen (Geren) in Hüfthöhe, die der Cotte im unteren Bereich ihre Weite gaben.
Codex Manesse
13. Jhd. -
Der Burggraf
von Lienz
Sie hatte lange Ärmel und oft einen relativ weiten Halsausschnitt, da sie meistens keinen Schlitz besaß und Knöpfe zum Verschließen des Halsausschnittes noch selten waren, wie beim Burggrafen von Lienz und Meister Rumslant (siehe oben mittleres Bild) in der Manessischen Liederhandschrift. Einige wenige Darstellungen in der Manessischen Liederhandschrift und das berühmte Standbild Ekkehards im Naumburger Dom haben eine Art Stehkragen, der mit einem Band verschlossen wurde. Die Ärmelenden und der Halsausschnitt konnten mit Borten oder Stickereien verziert sein und in der Mannessischen Liederhandschrift sind einige Ärmelenden zu erkennen, die mit Knöpfen verschlossen waren. Funde von Knöpfen in London aus dem 13.Jahrhundert bestätigen die Existenz von Zinnknöpfen.

Die Cotte war aus Wolle oder Leinen gefertigt und da es bedingt durch die Kreuzzüge und den Fernhandel auch Kontakte nach Fernost gab, wird auch Seide verwendet worden sein, war aber sicherlich wegen ihrer Seltenheit und dem hohen Preis dem Hochadel vorbehalten. Feines Leinen war schwierig und aufwändig herzustellen, deshalb auch teurer als Wolle und wurde wahrscheinlich nur vom Adel als Ober-und Unterkleidung getragen.

Wolle ist wesentlich einfacher als Leinen mit natürlichen Farben zu färben. Somit werden farbintensive Kleidungsstücke wohl meistens aus Wolle bestanden haben. Es war zumindest möglich Leinen mit Färbewaid blau zu färben, aber inwieweit Leinen im Mittelalter auch mit anderen Naturfarbstoffen färbbar war und in welchem Umfang dies durchgeführt wurde, ist unbekannt. Das Färben von Leinen war um vieles aufwändiger und die Farben nur blass und wenig licht-und waschbeständig. Da Wollkleidung direkt auf der Haut sehr unangenehm ist, wurde darunter wohl ein Leinenunterhemd getragen.


Naumburger Stifterfiguren Hermann, Dietrich und Sizzo in Cotte und Surcot

Über der Cotte wurde oft der Surcot getragen. Das Wort Surcot kommt aus dem Französischen und bedeutet „über der Cotte getragen“. Es gab ihn in sehr vielen verschiedenen Varianten und in unterschiedlicher Länge. Die Ärmel konnten gar nicht; ganz, halb- oder dreiviertel lang, eng, weit oder trichterförmig vorhanden sein und er hatten meistens einen runden oder V-förmigen Halsausschnitt, der oft mit einer Borte verziert war. Eine Form des Surcot hatte einen langen, zum Handgelenk hin enger werdenden Ärmel, der nur am oberen Schulterrand festgenäht war, so dass man die Arme unterhalb durch das halboffene Armloch heraus- strecken konnte.

Surcots in verschiedener Machart
(l) Otto im Meißner Dom/Naumburger Meister/ca. 1260
(m) Heinrich Raspe (?) auf der Grabplatte Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein - Mainzer Dom nach 1249
(r) Von Obernburg Tf.114 Codex Manesse - 13. Jhd.
Maciejowski-Bibel - ca. 1250
Surcots mit langen nur an den Schultern angenähten Ärmeln
mittleres Bild - deutlich zu erkennen der Schlitz unter dem Arm
Codex Manesse - 13. Jhd.- fehpelzgefütterte Surcots mit Reitschlitz in verschiedensten Variationen
langärmlig, ohne Ärmel, mit oder ohne Borte, teils mit Knopfverschlüssen, gegürtet und ohne Gürtel

Wie auf vielen Abbildungen in der Manessischen Handschrift zu erkennen ist, wurde die Cotte und der Surcot oft mit Fehpelz, dem teuren weiß-grauen Fell eines nur in Russland vorkommenden Eichhörnchens gefüttert, um sich so gegen Kälte zu schützen und seinen Reichtum zu zeigen.

Ohne den Surcot wurde die Cotte meist mit einem oft reich verzierten Gürtel getragen, aber auch mit Surcot ist auf den Abbildungen oft ein Gürtel zu sehen.

Text: tf

Übergang vom Rechteck- zum Halbkreismantel

Rechteckmantel Halbkreismantel

Der Mantel war im 12. und 13.Jahrhundert ein Prestigeobjekt und diente hauptsächlich repräsentativen Zwecken. Er war knie- bis bodenlang, bestand aus naturfarbenen oder gefärbten Wollstoff oder Loden und wurde von Männern und Frauen getragen.


einfache Rechteck- oder kurze Halbkreismäntel die vor der Brust verschlossen sind
Bamberger Psalmenkommentar des Petrus Lombardus um 1180

Im 12.Jahrhundert konnte er noch teilweise sehr aufwendige Verzierungen in Form von Stickereien und Borten aufweisen, während die Mäntel des 13. Jahrhunderts von außen relativ schlicht gehalten waren. Gefüttert waren sie oft mit Leinen oder in einer sehr kostbaren Variante mit Seide, Hermelin oder Fehpelz (das grau-weiße Winterfell des russischen Eichhörnchens).

Hortus Deliciarum ca. 1180 - stark stilisierte Darstellung einer Fehpelzfütterung Hortus Deliciarum ca. 1180 - Darstellung der heiligen 3 Könige im knielangen Rechteckmantel Gewölbemalerei in der Krypta der Quedlinburger Marienkirche um 1200 - einfacher Rechteckmantel Bronzetür von Nowgorod ca. 1152 - mit Borte reich verzierte Mäntel

Im 12. Jahrhundert wurde neben dem im ½ und ¾-Kreis zugeschnittenen Radmantel, auch noch der Rechteckmantel des Frühmittelalters getragen, der dann im 13.Jahrhundert verschwand.


Halberstädter Karlsteppich ca. 1200
sowohl auf der Schulter als auch vorn ge-
schlossene Mäntel zeitgleich nebeneinander

Naumburger Stifterfiguren ca. 1240 - Ekkehard und Sizzo

Er wurde an der rechten Schulter oder im mittleren Halsbereich durch eine Fibel und ab 1200 durch ein Band verschlossen. Die Enden dieses sogenannten Tasselbandes konnten einfach am Mantelrevers befestigt sein, oder als Quasten wie bei den Figuren der Naumburger Meisterwerkstatt, z.B. Ekkehard und Sizzo, oder in zwei prunkvolle Tasselscheiben auslaufen.


Mantelverschluss mittels Tasselband bei der Figur des Mercu-
rius auf dem Quedlinburger Knüpfteppich (um 1200) und bei der
Miniatur des Kürenbergers im Codex Manesse (13. Jhd.)

Für den Alltag oder für die Reise, waren diese Mäntel nur bedingt geeignet. Bei der Befestigung vor der Brust waren zwar beide Arme frei, aber die herunterhängenden vorderen Ecken des knöchel- oder bodenlangen Mantels, stellen beim Laufen eine ständige Stolpergefahr da.

Zu einem unangenehmen Würgeeffekt an der Kehle durch die Tasselschnur kommt es, wenn der Mantel während der Bewegung nach hinten rutscht. Dies konnte man nur durch einen Griff in die Mitte der Tasselschnur mit dem Daumen oder zwei Fingern verhindern, der so wohl zu einer typischen höfischen Geste im Hochmittelalter wurde.

Ohne ständige Bemühung des Trägers würde der Mantel auch nicht geschlossen bleiben und für die Reise fand daher eher die Cappa oder der Gardecorps Verwendung (siehe Artikel).

Text: tf

Cappa - Reisemantel und Schlechtwetterschutz

Da auch der Niedere Adel das ganze Jahr zu Pferde unterwegs war, Verwaltungs- und Beaufsichtigungstätigkeiten wahrnahm und wohl auch in der Landwirtschaft mitarbeitete, wurde auch von ihm eine praktischere Überkleidung als der Rad- und Rechteckmantel getragen.

Beispiele dieses Übergewandes aus dem 12. Jahrhundert stammen z.B. von der „Darstellung der Gefangennahme Richard Löwenherz“ im Liber at Honorem Augusti von Petrus de Ebulo von 1195-97, einer Abbildung in einer Miniatur zu Psalm 36 Canterbury School um 1180-90 und aus dem Hortus Deliciarum 1175-1195.

Gefangennahme von Richard Löwenherz
Liber ad honorem augusti
des Petrus von Ebulo um 1196
lange Cappa im Hortus Deliciarum um 1180

In der heutigen Literatur als Cappa bezeichnet soll sich diese Bezeichnung bis heute im englischen Cape erhalten haben. Nach den Abbildungen gab es mehrere Formen dieser Überkleidung.

Eine Variante war wie eine Cotte geschnitten, reichte etwa bis zu den Knien und hatte lange Ärmel. Auf der Darstellung der Gefangennahme von Richard Löwenherz wiesen die Ärmel im Bereich der Ellenbeuge einen Schlitz auf, durch den man Hände und Unterarme durchstecken konnte. An dieser Darstellung orientiert sich meine Cappa.

Eine andere ärmellose Variante war vorn kürzer geschnitten als hinten, was sich vor allem bei Hirten und der Feldarbeit als praktischer erwies, da Rücken und Gesäß immer bedeckt waren und beim Bücken vorn kein Stoff im Weg hing.

Maciejowski-Bibel um 1250 Mainzer Evangeliar um 1250

Eine weitere Form der Cappa war dann im 13.Jahrhundert der Gardecorps. Geschnitten wie eine Cappa, hatte sie aber einen Schlitz von der Schulter bis zum Ellenbogen für die Arme. Ein schönes Beispiel dafür ist aus der Manessischen Liederhandschrift „Herr Ulrich von Gutenberg“ Tafel 32.

franz. Handschrift aus dem 13. Jahrhundert Herr Ulrich von Gutenberg
Codex Manesse - 13. Jhd.

Alle drei Varianten hatten eine Kapuze als Schutz vor Regen und Wind und waren aus grobem gewalktem Wollstoff gefertigt und oft mit Leinen oder Fell gefüttert.

Text: tf

Kopfbedeckungen

Oft wird heute die Meinung vertreten, dass im Mittelalter grundsätzlich Kopfbedeckungen getragen wurden. Für das 12. Jahrhundert gibt es aber nur ganz wenige Darstellungen von Männern mit Kopfbedeckung. Meistens tragen sie nichts auf dem Kopf. Lediglich Juden sind immer mit ihrem typischen spitzen Hüten dargestellt.

Im Hortus Deliciarum gibt es eine einzige Darstellung einer Mütze und auch Bundhauben sind für das 12. Jahrhundert kaum belegt. Dies bedeutet aber sicherlich nicht, dass es in dieser Zeit keine Kopfbedeckungen gab. Vor allem Bauern werden bei der Feldarbeit sicherlich als Schutz gegen Sonne und Wind Kopfbedeckungen getragen haben und auch in adligen Kreisen kamen sie vor.

Hortus Deliciarum
ca. 1180
Halberstädter Karlsteppich ca. 1200 Baptisterium in Parma
ca. 1200

Für das 13. Jahrhundert gibt es schon mehrere Abbildungen, aber auch hier wurden nicht von allen Männern Kopfbedeckungen getragen. Von den Figuren der Naumburger Dombauwerkstatt, tragen von den sieben Herren lediglich drei einen Hut.
Naumburger Stifterfiguren ca. 1240 - Dietmar, Ekkehard, Wilhelm
In der Manessischen Liederhandschrift sind auch die meisten Männer ohne Kopfbedeckung dargestellt. Aber man sieht auch einige modische ritterliche Kopfbedeckungen,
Codex Manesse 13. Jhd.
Walther von der Vogelweide
wie die von Walther von der Vogelweide, einen Stoffhut mit fehverbrämter, senkrecht oder leicht nach außen gestellter Krempe. Die Bundhaube scheint im 13.Jahrhundert schon weit verbreitet gewesen zu sein. Vor allem Bauern bei der Feldarbeit tragen sie oft, aber auch einige Ritter in der Mannesischen Liederhandschrift sind mit Bundhauben dargestellt.

Maciejowski-Bibel ca. 1250 - Bundhauben und Strohhüte Codex Manesse - 13. Jhd.
Schenk Ulrich von Winterstetten

Ein weiteres Kleidungsstück das man zu den Kopfbedeckungen zählen kann, ist die Gugel. Sie ist ein separater, kapuzenartiger Wetterschutz mit mehr oder weniger überstehendem Schulterteil und bestand bei der einfachen Bevölkerung
Gugeln in der Maciejowski-Bibel
und im Codex Manesse (Der Kol von Nüssen)
aus einfachem Wollstoff und bei der Oberschicht aus feinem Wollstoff, der mit Seide oder Pelz gefüttert sein konnte. Der Gugelzipfel war im 12. und 13. Jahrhundert noch relativ kurz und wurde erst im 14. Jahrhundert immer länger.

Seit Mitte des 13. Jahrhunderts trat eine neue modische Tragevariante der Gugel auf. Der Gesichtsausschnitt der Gugel wurde hierfür wulstartig zusammengerollt und so über den Kopf gezogen. Das Schulterteil fiel dabei seitlich oder nach hinten ab und der Zipfel wurde seitlich oder vorne unter den Wulst des Gesichtsausschnittes gesteckt.

Codex Manesse
Der Schulmeister von Esslingen
Codex Manesse
Der tugendhafte Schreiber

Text: tf

Schuhe


Schuhfund aus der Bremer Kogge um 1380

Die Herstellung von Wendeschuhen erfolgte in Handarbeit aus dünnem Deckleder (dünnes Rinds- oder Ziegenleder) und dickem Sohlenleder (meist Rindsleder). Nachdem beide Teile mit der Innenseite nach außen zusammengenäht waren, wurde das Ergebnis durchnässt und „umgekrempelt“. Daher stammt auch das Sprichwort: „Andersherum wird ein Schuh daraus!“


Maciejowski Bibel um 1250
knöchelhohe Schuhe bei einfacher Bevölkerung

Schuhe dieser Art hatten den Vorteil dass die Sohle bei Abnutzung austauschbar war, ohne dass man den Schuh komplett entsorgen musste. Es gibt zahlreiche Funde von mittelalterlichen Schuhen in Europa. Besonders bekannt sind die Fundstätten in Schleswig (meist Frühmittelalter), Konstanz und London (hier wurden auch viele hochmittelalterlichen Schuhe gefunden).

In Konstanz gefundene Schuhe, die auf das 12.-13. Jhd. datiert wurden, zeigen oft knöchelhohe Stiefel mit Schnürung, teilweise sogar mit Schnallenverschluss. Aber auch Halbschuhe zum Hineinschlüpfen waren oft vertreten.


Bronzetür von Nowgorod - 1152 in Magdeburg entstanden
verzierte und einfache Schuhe

Die Art und Weise der Gestaltung hing sehr vom Träger ab. Bauern trugen einfache und robuste Schuhe, die auch teilweise aus Lederresten zusammengestückelt worden waren, wie Funde aus London belegen. In höheren Gesellschaftsschichten wurden die Schuhe bisweilen reich verziert. Es sind Funde erhalten, die Durchbruchsarbeiten im Deckleder und Stickereien darauf zeigen. Teilweise waren Prunkschuhe sogar mit Perlen oder anderen kleine Edelsteinen besetzt, wie auf Darstellungen zu erkennen ist.

Westportal der Kathedrale von Arles
um 1170
verzierte Halbstiefel
Hortus Deliciarum
um 1180
Halbschuhe mit Rautenmuster
Kapitelschmuck in der Marienkirche
in Gelnhausen um 1210
einfache Halbschuhe

Zum Spätmittelalter hin verlängerten sich die Schuhspitzen, aber bis auf kleinere Änderungen in der Technik blieb die Machart des Wendeschuhs die einzige Art der Herstellung von Fußbekleidung des Mittelalters.

Text: kf

Beinlinge

Die typische Beinkleidung des Mannes im 12. und 13. Jahrhundert waren Beinlinge, die im Mittelalter aber noch als hosen bezeichnet wurden. Sie bestanden aus zwei oberschenkellangen, strumpfartigen Röhren die im oberen Bereich nicht wie unseren heutigen Hosen zusammengefügt wurden.


Beinlinge - Fund aus
Herjolfsnes - 14. Jhd.

Noch heute verwendet man oft im Englischen für die Bezeichnung einer Hose den Satz: „ a pair of trousers“ welche wohl noch aus dem Mittelalter stammt und zwei Beinlinge damit meint.


Beinlinge im Hortus Deliciarum (Nachzeichnung)
li.: einem Überfallenem werden die Beinlinge ausgezogen

Die Beinlinge wurden von Bändern gehalten, die am Bruchengürtel befestigt waren. Sie konnten ein geschlossenes Fußteil oder einen Steg in Fußmitte haben, der das Hochrutschen der Beinlinge im Knöchelbereich verhinderte.

Da sie aus Wolle oder Leinen gefertigt wurden, Stoffen die kaum dehnbar sind, hatte man sie oft diagonal zum Fadenverlauf zugeschnitten, was ihnen bei Bewegungen mehr Elastizität gab.

Bei der Arbeit oder an heißen Tagen konnte die Beinlinge entweder komplett oder bis zu den Knien herunter gerollt werden, wo sie dann mit Bändern fixiert wurden.

Beinlinge in der Maciejowski-Bibel um 1250

Beinlinge hatten aber nicht nur die Aufgabe die Beine zu bedecken. Laut der epischen Literatur des Hochmittelalters sind die Beine des Mannes sein erotischstes Hauptattribut, vergleichbar dem „Waschbrettbauch“ heute, was sich in der häufigen Nennung, optischen Bewertung und Beschreibung von engsitzenden, formenthüllenden Beinlingen als hohe Wertschätzung zeigte.

Text: tf

Die Bruche


Maciejowski Bibel
um 1250
Bruche tragender König

Die Unterhose des 12. und 13. Jahrhunderts war die sogenannte bruche oder bruech. Da es auch hier leider keine Fundstücke gibt, ist man wieder auf die Auswertung von Abbildungen angewiesen.


Schemazeichnung nach S. Thursfield

Die Bruche war knie- bis wadenlang und konnte hinten oder an den Seiten, von unten bis zu den Oberschenkeln geschlitzt sein, so dass man bei der Arbeit die Enden der Beinröhren hochbinden konnte. Im Hüftbereich wurde sie durch ein Band gehalten, das durch eine Art Tunnel verlief. Dieses Bruchenband hielt nicht nur die Bruche am Körper, sondern dient gleichzeitig zur Befestigung der Beinlinge. Dafür waren im vorderen Bereich noch zwei weitere Öffnungen vorhanden, an denen die Beinlinge festgenestelt wurden.

Wie die Bruche geschnitten war ist nicht bekannt, aber ein Rekonstruktionsversuch nach Thursfield (siehe Abbildung und Fotos oben) ermöglicht unter geringem Stoffeinsatz und Aufwand eine robuste und bequeme Bruche. Sie reißt im Schrittbereich nicht ein und beim Reiten gibt es keine störenden Nähte zwischen den Beinen, die scheuern könnten. Auch in ihrem Aussehen und Faltenwurf entspricht sie vielen historischen Abbildungen.


Hortus Deliciarum um 1180 und Maciejowski Bibel um 1250
Befestigung der Beinlinge am Bruchengürtel

Viele Abbildungen zeigen auch einen Wulst im Bereich des Tunnelzuges aus dem die Theorie entstand, dass die Bruche nur durch das Aufwickeln vom oberen Rand her hielt. Gegen diese Theorie sprechen persönliche Erfahrungen, sowie, dass hierfür ein sinnloser Mehraufwand an Stoff notwendig war, die Beinlinge sich nur schwer am Bruchengürtel befestigen ließen und die Bruche bei der Arbeit aus dem Gürtel rutschte. Ich glaube, dass dieser Wulst entweder eine übertriebene Darstellung des Tunnelzuges oder ein zusammengeschobener Tunnelzug ist.

Maciejowski Bibel
um 1250
Atlant vom Hildesheimer Taufbecken
um 1230
Bauhüttenbuch des Villard de Honnecourt
um 1230
zu den Knien hochgebundene Bruchenenden für mehr Beinfreiheit
Atlant vom Chor der Kathedrale von Reims einzig bekannte Darstellung der Bruche eines Adligen
Bauhüttenbuch des Villard de Honnecourt um 1230

Gefertigt war die Bruche wahrscheinlich aus Leinen, da sich Leinen bei höheren Temperaturen gut reinigen lässt.

Text: tf

Alltagskleidung

Man kann davon ausgehen, dass die Angehörigen des Niederen Adels bei der Verrichtung ihrer täglichen Aufgaben nicht die gleiche Kleidung trugen, wie bei repräsentativen Anlässen wie zum Beispiel Kirchenbesuch, Feiern oder Empfängen. Dafür war die gute Gewandung einfach zu teuer und unpraktisch. Aber leider gibt es von dieser Alltagskleidung nur wenige bildlichen Darstellungen.

Darstellung eines Adligen (li. auf dem Pferd reitend; re. in grünem Surcot) bei der Beaufsichtigung der Feldarbeit
Maciejwski-Bibel um 1250

Adliger in blauer Cotte beaufsichtigt die Arbeit der
Bauern - Bible Moralisee um 1235

Als Obergewand dienten weitgeschnittene Cotten und Beinlinge, die viele Bewegungsfreiheit zuließen und keine oder nur wenige Verzierungen aufwiesen. Der Kopf war im einfachsten Fall mit einer Bundhaube bedeckt, aber auch einfache Hüte oder Gugeln wurden verwendet. Als Übergewand bei Kälte oder schlechtem Wetter wurde die Cappa oder der Gardecorps getragen.

Die Farben der Bekleidung waren wahrscheinlich meistens die Naturfarben der Stoffe wie grau, braun oder beige. Auf vielen Abbildungen sind Bauern oft in farbintensiver Bekleidung dargestellt, was aber bedingt durch den hohen Aufwand und die Kosten des Färbens sehr unwahrscheinlich und deshalb nicht repräsentativ sein kann.

Text: tf

Das Unterhemd

Unter der rauen und kratzigen Überkleidung aus Wolle wurde wohl oft ein Oberschenkel- bis Wadenlanges Unterhemd aus Leinen, oder beim Hochadel auch aus Seide getragen. Leider gibt es nur sehr wenige Abbildungen und man muss annehmen, dass vor allem die einfachen Menschen oft ohne ein Unterhemd auskommen mussten.


Bronzetür von Now-
gorod um 1152
Unterhemd unter
der Oberkleidung

Maciejowski Bibel
um 1250
König in Unterhemd

Nach einer überlieferten Kleidungsvorschrift der Templer war es ihnen auch nur gestattetet, im Heiligen Land zwischen Ostern und Allerheiligen ein Unterhemd aus Leinen zu tragen.

Das Unterhemd schützte die Haut nicht nur vor den derben und rauen Oberstoffen, sondern bildet auch eine weitere wärmende Schicht. Leinen wie auch Seide haben aber auch eine temperaturausgleichende Komponente, die unter Wollkleidung selbst an wärmeren Tagen funktioniert. Der Schweiß wird aufgesaugt und es kommt zu einem angenehmen Kühleffekt, außerdem verhinderte sie so die schnelle Verschmutzung der Oberkleidung durch den Schweiß. Im Gegensatz zu Wolle kann Leinen auch bei höheren Temperaturen gereinigt werden und wird durch das Waschen sogar besser.

Für die Unterkleidung einfacher Menschen wurde wie bei Oberkleidung ein einfacher tunikaartiger Schnitt und grobes Leinen verwendet. Für die auch besonders am Oberkörper körpernah geschnittene Kleidung des Adels kann man jedoch annehmen, dass auch hier schon eine runde Armkugel Verwendung fand und feineres Leinen verwendet wurde, welches zusätzlich noch gebleicht sein konnte.

Text: tf

Der Damenbliaut des 12. Jahrhunderts

Der Bliaut ist als die typische höfische Damenmode im 12. Jahrhundert anzusehen. Woher der Begriff stammt, ist nicht gänzlich geklärt. Lt. Ulrich Lehnard stammt die Bezeichnung für dieses Gewand von der Stoffart (ein golddurchwirktes Gewebe), aus der es ursprünglich hergestellt wurde.

Kennzeichnend für das Aussehen des Bliauts ist das Bestreben das Gewand der Form des weiblichen Körpers anzupassen und diesen somit hervorzuheben. Da komplizierte Kleiderschnitte erst im 14. Jahrhundert aufkamen, wurde dies durch eine Taillenschnürung erreicht. Um diesen Effekt zu verstärken, setzte man breite Geren ein, die dem Kleid mehr Weite am unteren Saum verliehen, und stattete das Gewand zusätzlich mit den typischen weiten Ärmeln aus. Darin zeigte sich die Abhebung der Mode des Adels von den einfachen Menschen und damit auch zum ersten Mal seit dem Frühmittelalter eine separate weibliche Modeströmung.

Frauendarstellung von einem der Osttürme von St. Mauritz in Münster (Dtl.) um 1070 Kathedrale von Chartres (Frkr.) - um 1145/50 Bronzetür von Nowgorod (in Magdeburg entstanden) - ca. 1152 Kathedrale von Angers (Frkr.) - Ende 12. Jhd.
Damendarstellungen mit weiten Ärmeln in Skulptur und Relief im 11. und 12. Jahrhundert

seitliche Schnürung
Kath. von Angers
12. Jhd.

Die seitliche Öffnung des Gewandes auf Taillenhöhe diente dem Zweck, diese mit einer Schnürung zu versehen. Obwohl nicht alle Quellen eine Schnürung zeigen, verbreitete sich dieser Trend anscheinend über ganz Europa. Es gibt bildliche Beläge aus Deutschland, Frankreich, Spanien etc. und wird auch in Texten genannt. So z.B. im Poème Moral (um 1200, unbekannter Autor), in welchem die gesundheitlichen Einschränkungen durch diese Mode kritisiert wurden.

Durch die seitliche Öffnung wurde das Untergewand sichtbar, was einen durchaus gewünschten erotischen Aspekt enthielt, wie aus dem Gedicht „Ipomedon“ des Hue de Rotelande (um 1170) zu erkennen ist. Durch die Schnürung lassen sich auch die besonders an französischen Skulpturen erkennbaren stilisierten, feinen Fältelungen im Taillenbereich erklären. Allerdings konnten diese nur erreicht werden, wenn der Bliaut aus einem dünnen Gewebe hergestellt wurde. Anzunehmen ist dafür insbesondere Seide oder dünne Wolle. Aufgrund dieser Tatsache ist es wahrscheinlich, dass es sich beim Bliaut um ein ungefüttertes Kleidungsstück handelte.

Personifizierung der Sieben Freien Künste als adlige Damen im Hortus Deliciarum - um 1180 (Nachzeichnung)
hier: Die Geometrie, Die Dialektik, Die Rhetorik und Die Musik

Ein weiteres typisches Merkmal zeigt sich in der Form der Ärmel, welche über den Oberarm bis zur Mitte des Unterarmes schmal verlaufen und sich dann zum Handgelenk hin sehr aufweiten. Abbildungen aus dem Hortus Deliciarum und Skulpturen an der Fassade der Kathedrale von Chartres zeigen, dass diese Hängeärmel durchaus bis Mitte des Unterschenkels oder gar bis auf den Boden reichen konnten. Da man bestrebt war, die Körperform herauszustellen, fand beim Bliaut höchstwahrscheinlich bereits die schräg angesetzte Armkugel Verwendung, was sich jedoch anhand von Abbildungen nicht eindeutig nachweisen lässt.

Darstellung der Ecclesia (Personifizierung der Kirche) aus einem Evangeliar aus dem Ende des 12. Jhd. Philologia auf dem Quedlinburger Knüpfteppich
um 1200
Philosophia aus
dem Münchner
Codex 2599
um 1200
Darstellung der Superbia (Hochmut) im Hortus Deliciarum um 1180
verschiedenste Arten der Gewandverzierung, bei der Superbia ist außerdem die seitliche Schnürung erkennbar

Ebenso wie die Herrencotte des 12. Jahrhunderts war auch der Bliaut der Dame oft reich mit gewebten und/oder gestickten Schmuckkanten oder kontrastierenden Stoffbesätzen versehen. Dieser textile Gewandschmuck lässt sich an Handgelenken, Oberarm (in Erhaltung frühmittelalterlicher Tradionen), dem Halsausschnitt und dem unterem Saum in unterschiedlichen Ausführungen beobachten. Auffallend hierbei ist, dass die Schmuckausstattung mit der Wende zum 13. Jahrhundert deutlich minimaler ausfällt als noch in der Mitte des 12. Jahrhunderts.

Detail der Brettchenborte auf blauem Wollstoff Detail der Leinenstickerei umgeben von schmaler Borte auf beige-orangem Leinen Detail der mit Perlen und Granatsteinen verzierten Rankenstickerei in Seidengarn auf gelber Seide als Kontrastkante zur grünen Seide des Kleides

Der Bliaut wird in der Literatur teilweise als kurze Modeerscheinung des 12. Jahrhunderts beschrieben, die mit der Wende zum 13. Jahr-
hundert ihren Abschluss fand. Einige um 1230 datierte Hildesheimer Bronzegussarbeiten zeigen jedoch auch Frauenfiguren in eben solchen Bliauts mit weiten Ärmeln (siehe Bilder links). Darunter auch das berühmte Hildesheimer Taufbecken (linkes Bild) und kleinere skulpturale Objekte, wie diese weibliche Leuchterfigur (rechtes Bild). Auch einige bildliche Quellen zeigen auch nach 1200 noch teilweise sehr weite Hängeärmel, wie hier im Psalter Landgraf Herrmanns von Thüringen um 1216 (siehe Bilder rechts). Somit ist anzunehmen, dass diese Modeströmung sich im deutschen Raum bis ins erste Drittel des 13. Jahrhunderts erstreckte, bevor sie von Cotte und Surcot abgelöst wurde.

Text: kf

Cotte und Surcot der Dame im 13. Jahrhundert

Während sich im 12. Jhd. erstmals eine Frauenmode manifestierte, die den Körper betonte, glich sie sich im 13. Jhd. vermutlich unter wachsenden religiösen Einfluss, der Mode des Mannes zunehmend an. Die Kleidung zeichnete sich jetzt durch ihre große Stofffülle aus, die die weiblichen Körperformen fast vollständig verbarg.


Kaiserin Adelheid Meißner Dom, Kaiserin Kunigunde Bamberger Dom
Naumburger Stifterfigur Gerburg - alle um 1240-1260

Ebenso wie der Mann trägt die Frau nun eine Cotte und oft auch einen darüber liegenden Surcot. Besonders gut ist dies auf Abbildungen wie im Codex Manesse zu sehen. Aber auch figürliche Darstellungen, wie die Figuren Ottos und Adelheids im Meißner Dom, die berühmten Naumburger Stifterfiguren (beides vom Naumburger Meister geschaffen), oder die klugen und törichten Jungfrauen am Magdeburger Dom wie auch viele weitere skulpurale Beispiele über ganz Deutschland verteilt.

Auffallend bei den Darstellungen ist, dass sich in der Frauengewandung nicht die gleichen Variationen finden lassen wie in der Männerkleidung. Sowohl in bildlichen als auch figürlichen Darstellungen ist die Cotte immer mit einem Rundhalsausschnitt versehen. Sie hat lange enganliegende Ärmel, die teilweise wie bei den Männern bereits mit Knöpfen als Verschlussmöglichkeit besetzt ist (Codex Manesse: Tafel 26 – Der von Kürenberg). Höchstwahrscheinlich, um sie dem Unterarm noch besser anzupassen. Bortenbesätze oder Stickereien finden sich jetzt gar nicht mehr oder nur noch am Halsausschnitt und an den Handgelenken, hier jedoch eher selten. Bei Frauen hohen Standes konnten diese, wie die Farbgestaltung im Codex Manesse nahelegt, golddurchwirkt sein. Schmuckkanten am Oberarm und am unteren Kleidersaum sind vollständig verschwunden.

Tf.104 - Herr Reimar der Fiedler Tf.37 - Herr Reimar der Alte Tf.30 - Heinrich von Stretlingen Tf.26 - Der von Kürenberg
Codex Manesse (Grundstockmaler), Cotten mit und ohne Bortenbesatz, Knöpfe als Verschluss und Zierde (re.)

Die Cotte wurde meist gegürtet getragen. Wie die Figuren der klugen und törichten Jungfrauen am Paradiesportal des Magdeburger Domes zeigen, waren die Gürtel mit kunstvollen Beschlägen verziert und reichten teilweise bis zum Boden. Ebenso wie die Gürtel stehen die teilweise überdimensionierten Fibeln der Schlichtheit der Kleidung gegenüber. Deutlich zu erkennen ist, dass sie sowohl der Zierde (durch ihre Ausstattung und Größe), als auch dem Verschluss des Gewandes dienten. An allen 10 Figuren zeigen sich deutlich Schlitze in den enganliegenden Halsausschnitten. Auch im Codex Manesse sind auf einigen Abbildungen Knopfreihen am Halsausschnitt (evtl. als Gewandverschluss) zu erkennen.


Die Klugen Jungfrauen an der Paradiespforte des Magdeburger Domes - um 1250

Über der Cotte wurde der Surcot (frz.: „über der Cotte“)getragen. Der Surcot war ebenso wie bei den Herren ärmellos, wurde aber nicht gegürtet. Meist war er in einem kontrastierenden Farbton zur Cotte gestaltet. Im Codex Manesse zeigt sich oft die Kombination von Rot mit Blau oder Grün.

Diese Tatsache legt nahe, das sowohl Cotte als auch Surcot aus Wolle waren, denn sie ist wesentlich einfacher als Leinen mit natürlichen Farben zu färben.

Stoffe in intensiven Farben zu färben war ein aufwendiger Prozess und nur Wolle oder Seide als tierische Fasern konnten Färbeergebnisse aufweisen, bei denen die Brillanz der Farbe erhalten blieb. Leinen war als pflanzliche Faser Wolle gegenüber sehr teuer, denn es musste separat angebaut werden. Das bedeutete, dass man einen Teil der landwirtschaftlichen Fläche
Codex Manesse, Damen in Cotte und Surcot
nicht zum Anbau von lebensnotwendigem Getreide nutzen konnte. Auch die Färbeergebnisse waren von minderer Qualität. Es war zumindest möglich, Leinen mit Färbewaid blau zu färben, aber inwieweit Leinen im Mittelalter auch mit anderen Naturfarb- stoffen färbbar war und in welchem Umfang dies durchgeführt wurde, ist unbekannt. Das Färben von Leinen war um vieles aufwändiger und die Farben nur blass und wenig licht-und waschbeständig.

Auch der Surcot hatte einen Rundhalsausschnitt, der jedoch etwas weiter war als der der Cotte und somit die Borte oder Fibel an der Cotte sichtbar wurde. In fast jeder Darstellung im Codex Manesse in der eine Frau über der Cotte einen Surcot trägt, ist das in übermäßiger Stofffülle gestaltete Übergewand an einer Seite gerafft und über den Ärmel gelegt, sodass die Cotte darunter zum Vorschein kommt. Ebenso wie der Griff in die Tasselschnur des Mantels scheint es sich hierbei um eine überaus höfische Geste zu handeln.

Text: kf

Der Mantel

Der Mantel diente vor allem repräsentativen Zwecken.

Ebenso wie in der Männermode war im Frühmittelalter fast ausschließlich der Rechteckmantel in Gebrauch. Aufgrund des gesteigerten Prestigebedürfnisses des Adels fand bald der Radmantel Einzug in die höfische Mode des 12. und 13. Jahrhunderts. In seiner Stofffülle konnte er bis zu einem ¾-Kreis beschreiben. Er wurde gleichermaßen von Männern und Frauen getragen und unterschied sich nur in der Länge.

Evangeliar Heinrichs des Löwen - ca. 1188
li.: Mathilde im fehgefüttertem Krönungsmantel
re.: Dame im Mantel mit mittigem Fibelverschluss
Quedlinburger Knüpfteppich um 1200
links: Darstellung der Prudencia (Klugheit)
rechts: Philologia im fehpelzgefüttertem Mantel mit Pelzbesatz am Kragen

Kaiserin Adelheid in herme-
lingefüttertem Tasselmantel
Naumburger Meisterwerkst.
Meißner Dom; um 1260

Detail des roten Wollmantels mit
Reverskragen
rote Wolle mit gelbem Seidenleinen
gefüttert
brettchengewebtes Tasselband

Anfangs wurde der Mantel noch mit einer Fibel verschlossen. Bald war jedoch das Tasselband die bevorzugte Art. Bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts wurden diese so lang, dass die Oberkleidung weitgehend zum Vorschein kam. Wie die Figuren der Klugen und Törichten Jungfrauen in Magdeburg zeigen, waren diese Tasselbänder oft auf verschiedenste Art verziert. Mittels Tasselscheiben, bei Frauenmänteln oft florale Motive, wurden sie an den Mantelseiten befestigt.

Die meisten Darstellungen zeigen eine Pelzfütterung mit Hermelin oder Fehpelz. Aber auch Seide, Wolle oder Leinen wurde verwendet. Auffällig ist die Gestaltung an einigen Figuren des Naumburger Meisters. Deutlich ist hier der reversartige Kragen zu sehen.

Naumburger Stifterfiguren (Gipsabgüsse) Reglindis (1.und 2. Bild v.l.), Uta und Gepa (Bertha) - um 1240
deutlich sind die reversartigen Umschläge, die langen Tasselbänder und der Griff in diese zu erkennen (Reglindis)
Tafel 26
Der von Kürenberg
Tafel 17
Gottfried von Neifen
Tafel 37
Herr Reinmar der Alte
Tafel 38
Burkard von Hohenfels
Adelsdamen in der Codex Manesse in fehpelzgefütterten Mänteln- 13. Jhd. (Grundstockmaler)

Da der von Damen getragene Radmantel immer boden-bis überbodenlang war, zog er aufgrund seines Gewichtes schnell nach hinten. Um dies zu verhindern, wurden zwei Finger in das Tasselband gelegt, um den Mantel mit dieser höfischen Geste auf den Schultern zu halten.

Sophia von Thüringen (?)
nach 1200
Mantel mit Pelzkragen (?)
Mäntel mit Hermelin- bzw. Stoff-
futter (re. mit Fibelverschluss) -
Bible Moraliseé um 1230
Damen in fehpelzgefütterten Mänteln mit Tasselband-
Maciejowski-Bibel um 1250

Text: kf

Höfische Kopfbedeckungen der Frau

Bereits im Frühmittelalter entstand die Sitte, dass sich verheiratete Frauen die Haare bedeckten. Mädchen oder unverheiratete Frauen trugen auch weiterhin keine Kopfbedeckung. Aus dieser Tradition ist uns bis heute der Ausspruch „unter die Haube kommen“ als Synonym für die Hochzeit erhalten geblieben.

Bilder und Skulpturen aus der Romanik zeigen meist ein längliches Schaltuch. Dieses wurde außer über den Kopf auch um den Hals geschlungen und verhüllte so die Haare vollständig. Durch seine Länge fungierte der Schleier somit auch gleich als Schal und musste nicht weiter auf dem Kopf fixiert werden.

Stiftskirche Quedlinburg
Grabplatte der Äbtissin
Beatrix I., um 1130
Bronzetür von Nowgorod
Maria mit Elisabeth, um 1150
Hortus Deliciarum
um 1190
Gustorfer Chorschranken
um 1140


Dame mit verziertem Schleier ohne Verhüllung des Halses
bereits von einem kronenartigem Schapel gehalten
Kreuzgang der Kathedrale von Arles (Südfrankreich) um 1200
Zum Ende des 12. Jahrhunderts kam das Schapel auf. Dieser meist aus Metall geformte Reif diente dazu, den Schleier, der jetzt eher die Form eines fast quadratischen oder halbrunden Tuches hatte, auf dem Kopf zu halten. Der Schleier bedeckte so zwar die Haare, verhüllte aber nicht mehr das Dekolleté. Diese „Entdeckung der Weiblichkeit“ zeigte sich auch in der Kleidungsmode des Bliauts (siehe Artikel).

Im 13. Jahrhundert entwickelten sich viele Variationen weiblicher Kopfbedeckungen. Aber der Schleier blieb durch die Jahrhunderte hindurch in seinen Abwandlungen immer vorhanden. Hier zu sehen am Beispiel des Codex Manesse (links).

Für unverheiratete Frauen galt weiterhin kein Gebot zum Verhüllen der Haare. Jedoch wurde das Schapel jetzt oft ohne einen Schleier auf dem Haar getragen, wie man sehr schön im Codex Manesse (rechts) und an den Jungfrauen in Magdeburg (unten) sehen kann.

Die klugen und törichten Jungfrauen an der
Paradiespforte des Magdeburger Domes, um 1250
Maciejowski-Bibel, Frankreich um 1250

Die Neuerungen in der Kleidung veränderten auch die Kopfbedeckungen der verheirateten Frau. War die Frau Ende des 12. Jahrhunderts in ihrer äußeren Erscheinung noch relativ freizügig, wurde sie nun zunehmend eingeschränkt.

Besonders im neu aufkommenden Gebende zeigt sich dies sehr deutlich. Dieser breite Stoffstreifen wurde auch Kinnband genannt. Er wurde so um den Kopf gespannt, das er vom Kinn ausgehend, über die Ohren verlief und auf dem Kopf mittels einer Nadel zusammen gehalten wurde. Das schränkte die Dame beim Essen, Reden und Lachen ein, da man den Mund, wie wir aus eigener Erfahrung sagen können, nur noch wenig öffnen kann. Aber auch beim Hören hatte die Frau zunehmend Probleme, denn der Stoffstreifen lag direkt auf den Ohren auf und dämpfte Umgebungsgeräusche teilweise erheblich ab. Damit schränkte sich auch ihr gesellschaftlicher Umgang ein.

Damen mit Schapel und Gebende
Eneit Handschrift 13. Jhd
Damen mit breitem Stoffschapel und Gebende und nur Schapel tragende Damen auf einer Tribüne nebeneinander
Tafel 22 "Herr Walther von Klingen", Codex Manesse 13. Jhd
verschiedene höfische Kopfbedeckungen in der Maciejowski-Bibel, Frankreich um 1250

Auch in der Literatur erkennt man, wie wichtig das Gebende in adligen Kreisen war. Der Dichter Wolfram von Eschenbach schreibt in seinem Parzival von einer Frau, die ihr Gebende lockert, „sie gebe sich losen Sitten hin“.

Außer den genannten Einschränkungen bot das Gebende jedoch auch die Möglichkeit einen Schleier mittels Gebendenadeln zu befestigen. Oder es wurde ein breites Stoffschapel, wie auf den meisten Bildern aus der Codex Manesse zu sehen, beziehungsweise ein neuartiger „Pillbox-Hut“ , wie bei den Naumburger Stifterfiguren darüber getragen, die reicht verziert sein konnten.

Naumburger Stifterfiguren (hier als Gipsabguss) Regelindis, Gerburg und Uta mit Gebende und Pillbox-Hut;
Gepa (Bertha) mit Stoffschapel und darüber liegendem Schleier; Naumburger Meister ca. 1240

Text: kf

Die Schuhe der Frau

Die Herstellung von Wendeschuhen erfolgte in Handarbeit aus dünnem Deckleder (dünnes Rinds- oder Ziegenleder) und dickem Sohlenleder (meist Rindsleder). Nachdem beide Teile mit der Innenseite nach außen zusammengenäht waren, wurde das Ergebnis durchnässt und „umgekrempelt“. Daher stammt auch das Sprichwort: „Andersherum wird ein Schuh daraus!“


Schuhfund in der Bremer Kogge aus dem 14. Jhd.

Schuhe dieser Art hatten den Vorteil dass die Sohle bei Abnutzung austauschbar war, ohne dass man den Schuh komplett entsorgen musste. Es gibt zahlreiche Funde von mittelalterlichen Schuhen in Europa. Besonders bekannt sind die Fundstätten in Schleswig (meist Frühmittelalter), Konstanz und London (auch Funde vieler hochmittelalterlicher Schuhe).

Damen und Herrenschuhe unterschieden sich kaum voneinander. Allerdings gibt es aufgrund der bodenlangen Damenkleidung nur relativ wenige Darstellungen von mittelalterlichen Damenschuhen. Die wenigen Abbildungen die es gibt, bestätigen aber die Annahme, dass es sich um dieselbe Schuhmode handelte.


Frau in Halbschuhen
Maciejowski-Bibel um 1250

Halb- und knöchelhohe Schuhe in der
Maciejowski-Bibel um 1250

In Konstanz gefundene Schuhe, die auf das 12.-13. Jhd. datiert wurden, zeigen oft knöchelhohe Stiefel mit Schnürung, teilweise sogar mit Schnallenverschluss. Aber auch Halbschuhe zum Hineinschlüpfen waren oft vertreten.

Die Art und Weise der Gestaltung hing sehr vom Träger ab. Bauern trugen einfache und robuste Schuhe, die auch teilweise aus Lederresten zusammengestückelt worden waren, wie Funde aus London belegen. In höheren Gesellschaftsschichten wurden die Schuhe bisweilen reich verziert. Es sind Funde erhalten, die Durchbruchsarbeiten im Deckleder und Stickereien darauf aufweisen. Teilweise waren Prunkschuhe sogar mit Perlen oder anderen kleine Edelsteinen besetzt, wie auf Darstellungen zu erkennen ist.

reich verzierte Damenschuhe auf einem gesticktem Wandteppich
Niedersachsen um 1167
bestickte Schuhe der Ecclesia
Evangeliarbuch um 1200
Grabplatte der Quedlinburger Äbtissin Beatrix
ca. 1129
Maria und Elisabeth auf der Bronzetür von Nowgorod
einfache Streifenverzierung
um 1152
reich (mit Edelsteinen besetzt - siehe linkes Bild) bis einfach verzierte Damenschuhe im 12. Jahrhundert

Zum Spätmittelalter hin verlängerten sich die Schuhspitzen, aber bis auf kleinere Änderungen in der Technik blieb die Machart des Wendeschuhs die einzige Art der Herstellung von Fußbekleidung im Mittelalter.

Text: kf

Die weibliche Alltagskleidung

Man kann davon ausgehen, dass die Angehörigen des Niederen Adels bei der Verrichtung ihrer täglichen Aufgaben nicht die gleiche Kleidung trugen, wie bei repräsentativen Anlässen wie zum Beispiel Kirchenbesuch, Feiern oder Empfängen. Bei heimischen Tätigkeiten griffen auch adlige Frauen zu einfacher Kleidung. Diese leitete sich bei ihrem Schnitt in deutlich reduzierter Weise von der adligen Repräsentationskleidung ab, welche einfach zu teuer und unpraktisch war. Aber leider gibt es von dieser Alltagskleidung kaum bildlichen Darstellungen, weshalb man teilweise auf bäuerliche Abbildungen zurückgreifen muss.

Frauen in bäuerlicher und Alltagskleidung in der Maciejowski-Bibel; Frankreich um 1250

Die Oberkleidung war am Oberkörper weniger eng geschnitten, dafür hatte der untere Rocksaum deutlich weniger Umfang. Sie besaß keine oder nur wenige Verzierungen.

Die Haare wurden wahrscheinlich mit einem Kopftuch bedeckt und auch Gugeln wurden von Frauen getragen, wie man an den Bildern in der Maciejowski-Bibel sieht. Als Übergewand bei Kälte oder schlechtem Wetter wurde eine Cappa getragen. Die Farben der Bekleidung waren wahrscheinlich meistens die Naturfarben der Stoffe wie grau, braun oder beige.

Tf. 125
Kunz von Rosenheim
Tf. 20
Herr Jakob von Warte
Dame als Schnitterin (li.) und Dienerinnen bzw. Herrin(? - mit Pokal) (Bild re.), Codex Manesse, 13. Jhd.

Text: kf

Die Cappa und der Gardecorps

Die Cappa war ein Übergewand, das bevorzugt auf Reisen, bei Arbeiten im Freien und bei schlechter Witterung getragen wurde. Angehörige des Niederen Adels waren viel unterwegs und nahmen außerdem Verwaltungs- und Beaufsichtigungstätigkeiten auf dem eigenen Grundbesitz wahr. Dafür trugen sie praktische, robuste und wetterfeste Kleidung, die der Kleidung einfacher Menschen nahekam. Für diesen Zweck wurde auf die Cappa zurückgegriffen, die eine wesentlich praktischere Überkleidung als der Rad- oder Rechteckmantel darstellte.

Als Schlechtwetterschutz und Reisemantel wurde sie wahrscheinlich aus gewalktem Wollstoff hergestellt und war mit einer Kapuze als Schutz vor Regen und Wind ausgestattet.

seidengestickter Wandbehang
Niedersachsen um 1160-1170
Kathedrale
von Reims
um 1275
Jungfrauenspiegel
um 1200
Bible Moraliseé
um 1230

Nach den Abbildungen gab es die Cappa in verschiedenen Formen. Eine Variante war wie eine weite Cotte geschnitten, reichte etwa bis zu den Knien und hatte überlange Ärmel. Teilweise hatten die Ärmel im Bereich der Ellenbeuge einen Schlitz, durch den man Hände und Unterarme durchstecken konnte.

Codex Man.(Nachtragsmaler um 1320)
Tf. 20 - Herr Jakob von Warte
Magd mit cappaartigem Umhang
Eine andere ärmellose Variante war vorn kürzer geschnitten als hinten. Der Rücken war bis hinunter zu den Knien bedeckt und vorn hing beim Arbeiten kein Stoff im Weg. Auf den wenigen Abbildungen von Frauen in Cappa ist meistens diese Form zu erkennen.

Codex Manesse 13. Jhd. - Tf. 59
Eine weitere Form der Cappa war dann im 13. Jahrhundert der Gardecorps (zu dt.: Körperschutz). Geschnitten wie die erste Form der Cappa, hatte sie aber einen Schlitz von der Schulter bis zum Ellenbogen für die Arme. Ein schönes Beispiel einer Dame in Gardecorps ist im Codex Manesse auf Tafel 59 - „Herr Wachsmuth von Mühlhausen“ zu sehen. (Bild links)

In der heutigen Literatur als Cappa benannt, hat sich diese Bezeichnung bis heute im englischen Cape erhalten.


Zeichnung des Schnittes meiner Cappa

Es wird intensiv darüber diskutiert, ob die Abbildungen von Frauen eine Cappa oder einen Rechteckmantel zeigen. Ich habe mich bewusst für die Cappa entschieden, da ein Rechteckmantel meiner Meinung und Erfahrung nach deutlich weniger Armfreiheit gewährt als eine Cappa. Er liegt über den Schultern bis zu den Oberarmen sehr eng an, schützt aber andererseits die Vorderfront nur unzureichend. Wenn man noch die Hände frei haben möchte, durfte er maximal bis zum Bauch reichen. Mit einer bis zu den Leisten reichenden Cappa tritt keine Behinderung auf. Bei schlechtem Wetter konnte man zu transportierende Dinge zusätzlich mit der Vorderseite der Cappa abdecken und diese so schützen. Aus den abgeschnittenen Rundungen für das Oval habe ich meine Kapuze und zusätzlich an der Innenseite noch eine Tasche für die richtig kalten Tage zum Händewärmen untergebracht. Man kann die Cappa an der Rückseite auch eckig lassen. Die Cappa eignet sich auch als Decke.

Text: kf

Einfache Kopfbedeckungen der Frau

Frauen der einfachen Bevölkerung, wie Bauern oder Handwerker, unterlagen kaum einem Zwang, eine Kopfbedeckung zu tragen. Sie trugen Kopfbedeckungen weniger aus gesellschaftlichen, als vielmehr aus praktischen Gründen, um die Haare beim Arbeiten aus dem Gesicht halten zu können. Da ein Schleier unpraktisch war, ist es unwahrscheinlich, dass einfache Menschen diesen nutzten. Aus diesem Grund könnte angenommen werden, dass auch Frauen des niederen Adels bei Verwaltungstätigkeiten auf dem eigenen Gut zu arbeitsangemesseneren Kopfbedeckungen griffen.

Codex Manesse
13. Jhd.
Kopftücher und andere Kopfbedeckungen in der Maciejowski-Bibel, ca.1250

Auf Abbildungen, wie z.B. in der Kreuzfahrerbibel, sieht man häufig die Verwendung von Kopftüchern. Diese werden über den Kopf gelegt und im Nacken zusammengebunden, um so das gesamte Haar zu verhüllen.

Bei schlechterem Wetter benutzten auch Frauen eine Gugel. In ihrer Machart unterschied sie sich nicht von denen, die Männer benutzten. Sie bedeckte die Schultern und hatte noch keinen oder nur einen kurzen Zipfel (wie hier in der Maciejowski-Bibel - Bild rechts - zu sehen).

Text: kf

Die Strümpfe der Frau

Aufgrund der bodenlangen Gewänder der Damen in mittelalterlichen Quellen (Abbildungen in Handschriften oder Skulpturen) ist über die weibliche Gewandung unter der Gewandung nur sehr wenig bekannt. Strümpfe gehörten aber auf alle Fälle dazu, da es in der höfischen Gesellschaft undenkbar war, Haut an den Knöcheln zu zeigen – etwa beim Treppensteigen oder Sitzen, wenn das Gewand durch die Trägerin entweder angehoben oder durch die Haltung hochgeschoben wird.

Da das Stricken als Handarbeitstechnik zwar bereits im Hochmittelalter vereinzelt auftrat (die ältesten Stücke stammen aus dem 12. Jhd.), sich aber erst ab dem Spätmittelalter durchsetzte, und das aus dem Norden Europas stammende Nadelbinding (siehe Strümpfe links) nur noch vereinzelt
eine der seltenen Abbildungen
bei der die Strümpfe oder
Beinlinge einer Frau zu sehen sind
Maciejowski-Bibel um 1250
(und dann eher für klerikale Gewänder) vorkam, waren hochmittelalterliche Strümpfe, ebenso wie die männlichen Beinlinge, meist genäht.

Um dem Kleidungsstück doch etwas Elastizität zu verleihen und sie so an die Form des Unterschenkels anzupassen, wurde der Stoff meist diagonal zur Webrichtung zugeschnitten. Sie setzen sich aus 3 Teilen zusammen – dem Schaftstück, dem Fuß und der Sohle. Auch eine Machart mit einer Naht längs über die Laufsohle war möglich. Sie waren ca. knielang und wurden unterhalb des Knies mit einem gewebtem oder genähtem Band oder einem Lederriemen fixiert.

Das verwendete Material war vom Träger abhängig. Von Wolle, über Leinen bis Seide und die entsprechenden Mischgewebe ist alles möglich gewesen.

Strümpfe stellen ein typisches Attribut adliger Kleidung dar.

Text: kf

Das Unterkleid

Wie aus mittelalterlichen Textquellen zu ersehen ist, bestand dieses meist aus Leinen, besonders in den gehobenen Gesellschaftsschichten auch aus Seide. Hierbei handelte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um angeraute Naturseiden, da diese sich auf der Haut angenehmer anfühlen. Unterkleidung wurde nicht gefärbt. Überliefert sind meist ungebleichte oder in höheren Ständen gebleichte Leinenstoffe, bzw. besonders bei Seide ein helles cremegelb, welches hier dem Naturfarbton entspricht.


li.: die Habe einer Witwe - Unterkleid in der Mitte
Wolfenbütteler Sachsenspiegel - 14. Jhd.
re.: Frau beim Baden im dünnen Unterkleid - 13. Jhd.

Unterkleidung schützte die Haut vor derben und rauen Oberstoffen (wie z.B. Wolle), bildet aber andererseits auch eine weitere wärmende Schicht. Sie konnte jedoch nicht nur wärmen. Leinen wie auch Seide haben eine temperaturausgleichende Komponente, die unter Wollkleidung selbst an wärmeren Tagen zum Tragen kommt. Außerdem verhinderte sie die schnelle Verschmutzung der Oberkleidung durch Schweiß.

Dieser Aspekt erklärt auch die häufige Verwendung von Leinen. Dieses kann auch bei höheren Temperaturen gereinigt werden.

Leider gibt es kaum Funde von Untergewandung. Sowohl in Text- aber auch Bildquellen lässt sich diese aber deutlich nachweisen. Da es aber besonders bei Frauen aus dem Früh- und Hochmittelalter keine Abbildungen gibt, die die jeweilige Person nur in Untergewandung darstellen, ist es schwierig einen genauen Schnitt festzulegen. Für die Unterkleidung einfacher Menschen wurde wahrscheinlich ebenso wie in der Oberkleidung ein einfacher tunikaartiger Schnitt angewandt.


li.:Die Königin von Saba an der Kathedrale von Chartres
Frankreich ca. 1145-1150

Für die besonders am Oberkörper körpernah geschnittene Kleidung des Adels (z.B. beim Bliaut) kann jedoch angenommen werden, dass auch bei Unterkleidern bereits eine runde Armkugel Verwendung fand, da sonst das Unterhemd zu sehr auftragen würde. Darstellungen aus dem 12. Jahrhundert zeigen außerdem, dass das Unterkleid am Halsausschnitt zu sehen war. Dadurch konnte der Ausschnitt des Bliauts auch modisch etwas weiter sein, ohne unzüchtig zu wirken. Das Unterkleid wurde dann anscheinend mit einem Knopf verschlossen.

Text: kf

Rüstung und Waffen

Die Entwicklung der Rüstungen und Waffen im Zeitraum von 1150 bis 1250


Ritter um 1190

Ritter um 1250

Diese Berichte sollen einen Einblick über die Rüstungen und Waffen in der von uns dargestellten Zeit von 1150 bis 1250 geben. Ich beziehe mich dabei hauptsächlich auf folgende Quellen:

Ulrich Lehnart ,, Kleidung und Waffen der Früh-und Hochgotik´´,
Gösta Ditmar-Trauth ,,Rüstung Gewandung Sachkultur des Deutschen Hochmittelalters ´´
Jan Kohlmorgen ,,Der Mittelalterliche Reiterschild´´
Thomas Laible ,,Das Schwert´´
Ausstellungskatalog zur Rheinland-Pfälzischen Landesausstellung ,,Die Kreuzzüge´´ 2004
David Nicolle, Terence Wise ,,Kreuzritter´´
Bildquellen wie den Hortus Deliciarum, Codex Manesse, Maciejowski-Bibel, die Bronzetür der Sophienkathedrale in Nowgorod und weitere.

Im 12. Jahrhundert wurde die Qualität und Anzahl der Buchmalereien und der Miniaturen in Handschriften sehr viel besser und die Zahl auswertbarer Darstellungen nahm zu. Daher ist es heute möglich, ein ungefähres Bild der militärischen Ausrüstung des 12. und 13. Jahrhunderts zu rekonstruieren. Natürlich sind dies nur kleine Zeitfenster und keine hundertprozentigen Belege, aber da es nur wenige Fundstücke gibt und Zeitreisen leider nicht möglich sind, werden sie wohl unsere einzigen Belege bleiben. Viele Darstellungen kann man unterschiedlich interpretieren und sicher spielt auch die geographische Lage innerhalb Europas eine große Rolle. Aber diese Übersicht erhebt nicht den Anspruch, vollkommen authentisch und fehlerfrei zu sein, sondern sie lässt Raum für Diskussionen. Auch die Bezeichnungen der Ausrüstungsteile und Waffen erhebt nicht den Anspruch auf Authenzität, sondern entsprechen im Wesentlichen dem heutigen Sprachgebrauch. Aber diese Miniaturen, Buchmalereien und Skulpturen ermöglichen uns, wie einmal der Historiker Prof. Gert Melville zu sagen pflegte: ,,Einen Hauch des Mantels der Geschichte zu spüren´´.

Wie sahen sie nun aus, die Waffen und Rüstungen in dem von uns dargestellten Zeitraum von 1150 bis 1250? Dazu muss man sagen, dass sich die Art der Ausrüstung innerhalb der Stände stark unterschied und dass man sie in vier Gruppen unterteilen kann:

Ein Ritter besaß in der Regel drei Pferde, ein Kampfross, ein Marschross und ein Tragtier und war je nach persönlicher finanzieller Lage ausgerüstet.
Ein Sergent musste sich oft nur mit einem Pferd begnügen und da er außer seinem Sold kein Einkommen hatte, erhielten er seine Ausrüstung von seinem Dienstherren. Die Ausrüstung war ähnlich denen der Ritter, nur von geringerer Qualität.
Zur Gruppe der Kriegsknechte zählen die komplette Infanterie, die Armbrust-und Bogenschützen und Bedienpersonal für das Kriegsgerät. Deren Ausrüstung war recht einfach gehalten und sie bildeten zusammen mit den Sergenten den größten Teil der Heere.
Die Ausrüstung der Hilfstruppen war natürlich noch einfacher, kaum geschützt mit primitiven Waffen wie Äxten, Messern und Sensen ausgerüstet.

Bei den nachfolgenden Bildern sind Teile unserer Ausrüstung und Waffen abgebildet, sie sollen einen kleinen Einblick in die militärische Welt des 12. und 13. Jahrhunderts geben. Wenn man diese Abbildungen anklickt öffnet sich ein jeweils dazugehöriger Bericht mit Fotos und historischen Abbildungen als Quellen.

Text: tf

Kettenhemd Schwerter
Gambeson Kettenbeinlinge
Helme Sporen
Schild Wappenrock
Fernwaffen Axt und Dolch
Lanze Fußspieß

Körperpanzerung 1150 bis 1250



Im Normalfall bestand diese Panzerung aus einem, aus vielen tausend kleinen Eisenringen zusammengesetzten Panzerhemd, heute meistens als Kettenhemd bezeichnet. Für dieses Panzerhemd kannte man eine Vielzahl von Bezeichnungen, wobei haubert, brünne und halsberc wohl die gebräuchlichsten waren. Leider ist aus dem Hochmittelalter, außer ein paar verrosteten Fragmenten, kein einziges erhalten geblieben. Für die Rekonstruktion des Zeitraumes 12.und 13.Jahrhundert, sind wir daher auf Interpretationen der zeitgenössischen Bildquellen angewiesen.
vernietetes Kettenstück
Am wahrscheinlichsten ist hier, das noch aus der Antike stammende Verfahren, bei dem 4 Ringe durch einen weiteren miteinander verbunden und vernietet wurden.

Ein Kettenhemd besteht je nach Ringgröße, aus 60000 bis 70000 Ringen und hat ein Gewicht zwischen 15 und 20kg. In unserer Darstellungszeit reichen sie bis zur Mitte der Oberschenkel, sind zum Reiten vorne und hinten geschlitzt, haben lange Ärmel und eine Kettenkapuze. Im 12. Jahrhundert hatten sie laut den bildlichen Darstellungen noch keine Handschuhe, erst seit der Jahrhundertwende waren sogenannte Fäustlinge fest an ihm angesetzt.


Ritter im Bamberger Psalmenkommentar des Petrus Lombardus um 1180 ohne Handschuhe

Jungfrauenspiegel um 1200

Eneas des Heinrich von Veldeke um 1200

Die Handinnenflächen dieser Fäustlinge waren aus Leder und hatten einen Längsschlitz der bis zum Handgelenk reichte, um bei Bedarf die Hände freimachen zu können. An der Kettenkapuze war eine Art Latz (kinnvaz) befestigt, der hochgeklappt den unteren Teil des Kinns und des Gesichtes bis zur Nase bedeckte.

Hortus Deliciarum Kinnvaz und Kettenkapuze Fäustlinge mit Längsschlitz

Separate Kettenhauben gab es erstmals in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie waren aber wohl recht selten, da die meisten Darstellungen Kettenhemden mit fest angebrachter Kapuze zeigen.

Mainzer Evangeliar um 1250 Psalter der Mechthild von Anhalt um 1250
Beide Abbildungen lassen Kettenhauben erahnen

Das Kettenhemd schützte seinen Träger zwar recht gut vor Schnitt-und Stichverletzungen, aber nicht gegen Lanzenstöße und die knochenbrechende Wirkung von Axt-, Schwert- und Keulenschlägen. Ein kräftig und direkt geführter Hieb mit einem scharfen Schwert, war ebenfalls in der Lage ein Kettenhemd zu zerstören und seinem Träger schwere Verletzungen zuzufügen. Auch der Wirkung von Armbrustbolzen und spitzen Pfeilen, hatte das Kettenhemd auf kürzerer Entfernung nichts entgegenzusetzen. Andere Arten der Panzerung, wie Lamellen-oder Schuppenpanzer kamen wohl zusätzlich oder alternativ zum Kettenhemd zur Anwendung, wie zum Beispiel auf einer Abbildung in der Codex Manesse zu erkennen ist und die Funde von einzelnen Lamellen und Schuppen noch bis ins 14. Jahrhundert belegen, waren aber wohl sehr selten.

Abbildungen von Kettenhemden in der Maciejowski-Bibel um 1250
Der Düring im Codex Manesse - Armbrustschütze mit Schuppenpanzer? Der Schenk von Limburg im Codex Manesse

Text: tf

Das Schwert 1150 bis 1250


Das Schwert war die Waffe mit dem höchsten Prestige und Symbolgehalt. Seine gesellschaftliche Bedeutung spiegelt sich bei vielen Zeremonien, wie Krönung und Schwertleite wieder und es war Symbol der weltlichen Macht.


Schwerter 12. und 13. Jhd.
Der Preis für ein gutes Schwert war enorm hoch und nur Leute von Stand konnten es sich leisten. Die Qualität der Klinge hing von der Schmiedekunst des Schwertschmiedes ab. Sie musste hart und scharf genug sein, um Kettenzeug zu durchdringen, aber noch so elastisch, um beim Zusammenprall mit einer anderen Klinge nicht zu zerbrechen.
Schwerter um 1200
DHM Berlin
Das erreichte man durch die richtige Mischung von Stahl und Eisen um einen weichen Kern und eine harte Schneide zu erhalten.

Ein gutes Schwert muss auch zu seinem Träger passen, gut ausbalanciert sein und so etwas wie eine Verlängerung des Armes darstellen. Die richtige und effektive Handhabung erfordert ein ständiges Training, Erfahrung und sicher auch Talent. Leider gibt es für das 12. und 13.Jahrhundert keine Aufzeichnungen über Schwertkampftechniken. Das älteste überlieferte Fechtbuch, das ,,Manuskript I.33´´ stammt vom Ende des 13. Jahrhunderts und bezieht sich auf den Schwertkampf mit Schwert und Faustschild. Bis zur Mitte des 13.Jahrhunderts wurde mit dem einhändig geführten Schwert und mit dem Schild gekämpft. Schläge wurden mit dem Schild pariert und nur selten kam es zum direkten Kontakt der Klingen.

Schwertkampftechniken dieser Zeit lassen sich daher nur durch Versuche rekonstruieren.
Einhandschwert und Schild
Dabei zeigt es sich wie schwer es ist, die Deckung des Gegners zu umgehen und einen effektiven Schlag zu führen. Die einzige Möglichkeit bestand darin, den Gegner zu provozieren, ihn zum Reagieren zu zwingen und so, während er sein Schild zur Abwehr bewegte, eine Lücke in seiner Deckung zu schaffen. Gekämpft wurde dabei mit allen Mitteln und Schläge mit dem Schild und Tritte gehörten dazu.

Die Schwerter des 12. und 13. Jahrhunderts waren Hiebschwerter. Da sie sich zu ihrer Spitze hin verjüngten, waren natürlich auch Stiche möglich, effektiv bei leichten oder ungerüsteten Gegnern. Bei gerüsteten Gegnern waren kräftige Hiebe notwendig, um Kettenzeug und Helm zu durchdringen und schwere Wunden oder Knochenbrüche zuzufügen. Geht man nach der sich durchgesetzten und gängigen Einteilung nach E.Oakeshott, so sind es Schwerter der Kategorie Xa bis XIII. Mit Klingenlängen von 750 bis 960mm, Gesamtlängen von 900 bis 1100mm, Klingenbreiten von 40 bis 55mm und Gewichten von 950 bis 1200g. Die Klinge war zweischneidig, verjüngte sich zur Spitze hin, hatte einen konvexen Schliff für einen spaltenden Hieb und eine beidseitige Hohlkehle, die meistens über 4/5 der Klingenlänge verlief. Die Parierstange war gerade oder leicht zur Klinge hin gebogen. Die Knaufformen waren sehr vielfältig, es gab Pilz-, Pagoden-, Radnaben und kronenförmige Knäufe, wobei nach 1200 der Paranussknauf wohl sehr in Mode war. Verzierungen aus Gold und Silber oder mit Edelsteinen gab es, wenn überhaupt, nur beim Hochadel. Oft waren die Klingen mit den Initialen des Herstellers oder mit religiösen Inschriften versehen. Bei der Wahl seines Schwertes spielten sicherlich die Körpergröße und Vorlieben eine große Rolle. Wenn ein Schwert hauptsächlich vom Pferd aus benutzt wurde, war es sicherlich länger, als das Schwert eines am Boden kämpfenden.

Pilzknauf (1) Pagodenknauf (1) Radnabenknauf (1) Kronenförmiger Knauf (1) Paranussknauf (1)
Klingenquerschnitt (1) Einteilung nach Oakshott (1)

Die Schwerter wurden in Scheiden aus Holz, welche mit Leder überzogen waren, aufbewahrt. Sie besaßen meist ein hufeisenförmiges Ortband und waren innen zum Schutz gegen Feuchtigkeit mit eingefettetem Wollstoff oder mit Ziegenfell gefüttert. Dieses Ziegenfell verhinderte auch, durch die in Richtung Schwertspitze gerichteten Haare, ein unbeabsichtigtes Herausrutschen des Schwertes. Die Scheidenöffnung bestand aus weichem Leder, das dreieckig zugeschnitten war und den Übergang von der Klinge zum Griff abdeckte, so dass weder Schmutz noch Feuchtigkeit eindringen konnte. Die Befestigung am Schwertgurt erfolgte durch die geteilten, z-oder kreuzförmig um die Scheide gewundenen Enden des Schwertgurtes. Im 12. Jahrhundert wurden die Enden des Gurtes verknotet, ab Mitte des 13. Jahrhunderts auch mit Schnallen versehen. Wer noch mehr und genaueres über Schwerter erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch von Thomas Laible ,,Das Schwert - Mythos und Wirklichkeit´´.

Hortus Deliciarum Eneas Handschrift Gewölbemalerei in der Krypta der Stiftskirche Quedlinburg um 1170 (2)

In Silber eingelegte Inschrift in einer Hohlkehle + NRADNRAD...(Bedeutung unklar), Schwert um 1200, DHM Berlin
Hortus Deliciarum Schwertgurt Schwertgurt 12. Jhd. Ortband Kreuzfahrerheer
Friedrichs I. 1195-97 (Codex 120 I)
Schwertgurt mit Ortband und Schnalle
Maciejowski Bibel um 1250
Schwertgurt 13. Jhd. Naumburger Stifterfigur Ekkehard um 1250
Schwertgurt geknotet
Maciejowski Bibel um 1250
Schwertscheide mit eingefettetem Wollstoff

(1) Bilder aus dem Buch von Thomas Laible ,, Das Schwert Mythos und Wirklichkeit´´ ISBN:978-3-938711-05-7
(2) Bild aus dem Buch von Friedemann Goßlau/Rosemarie Radecke ,,Die Stiftskirche zu Quedlinburg´´
ISBN:3-9806120-7-4

Text: tf

Kettenbeinlinge


Ergänzt wurde der Körperpanzer durch eiserne Beinlinge. Ende des 12. Jahrhunderts schienen sie sich langsam durchzusetzen. Erst nur in Form eines schmalen Streifen Kettengeflecht, welches die Waden ungeschützt ließ und durch Riemen gehalten wurde. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts waren sie dann strumpfartig, rundum geschlossen und reichten bis zur Mitte des Oberschenkels. Beim Kampf zu Pferde waren so Ober- und Unterschenkel gegen Schnitte gut geschützt. Nach Abbildungen wie zum Beispiel im Hortus Deliciarum wurden Panzerbeinlinge aber auch von Rittern im Fußkampf getragen.

Hinten offene Kettenbeinlinge im Hortus Deliciarum um 1190

Geschlossene Kettenbeinlinge in der Maciejowski Bibel um 1250

Leider gibt es über die Art der Befestigung der gepanzerten Beinlinge keine mittelalterlichen Darstellungen. Die Befestigung am Bruchengürtel, funktioniert in der Praxis nicht. Durch das Gewicht der Beinlinge würde man sehr bald mit heruntergelassener Bruche dastehen. Wahrscheinlich wurden die Kettenbeinlinge von einem zweiten Haltesystem, das aus einem ledernden Gürtel bestand, mittels lederner Riemen gehalten und bei dem rundum geschlossenen System des 13. Jahrhunderts mit einem Riemen in Kniehöhe fixiert. Bei dem, wie auf dem Bild gezeigten System, mit gepolsterten Beinlingen und separat gehaltenen Kettengeflecht mittels Gürtel, bestehen keine Bewegungseinschränkungen. Auch die Befestigung der Kettenglieder der Beinlinge außen an der Sohle, haben sich in der Praxis bewährt und ermöglichen das Laufen, ohne dabei Kettenglieder oder Halteriemen durch Abnutzung zu zerstören, sind historisch aber nicht belegt.

Haltesystem für die Kettenbeinlinge
Befestigung der Kettenbeinlinge an der Sohle Plastik vom Taufbecken des Hildesheimer Domes um 1220

Text: tf

Der Gambeson


Der Gambeson ist eine Art einfacher Rüstung aus Stoff, die aus mehreren Lagen derben Leinen bestand und röhrenförmig mit Rosshaar, Wolle oder Stoffresten gestopft war. Er wurde in einer stark gepolsterten Variante, hauptsächlich von Kriegsknechten und Hilfstruppen getragen. Versuche haben ergeben, dass er in der Lage ist, leicht geführten Schwerthieben stand zu halten und auch einem Pfeil aus größerer Entfernung zu widerstehen, der im Gambeson stecken blieb, ohne ihn zu durchdringen. Es gab ihn in lang-und kurzärmliger Variante, wobei die langärmlige Variante auch Fäustlinge haben konnte. Die Ärmel waren durch ungepolsterten Leinenstoff mit dem Rumpfteil verbunden und ermöglichten so eine hohe Beweglichkeit der Arme. Im Halsbereich hatte er einen stark gepolsterten Kragen, der mit einer Art Verschluss versehen war, um ihn über den Kopf an-oder ausziehen zu können. Von seiner Länge her reichte er maximal bis zu den Knien.

langärmliger Gambeson Maciejowski Bibel langärmliger Gambeson Maciejowski Bibel Gambeson mit Fäustlingen Maciejowski Bibel kurzärmliger Gambeson Maciejowski Bibel

Der Gambeson wurde höchst wahrscheinlich auch in einer weniger stark gepolsterten Variante unter dem Kettenhemd getragen. Mir sind nur zwei Darstellungen bekannt, auf denen man das Vorhandensein eines Gambeson unter dem Kettenhemd erahnen kann, wohingegen es in der Maciejowski-Bibel Abbildungen gibt, auf denen eindeutig unter den Kettenhemden kein Gambeson getragen wurde. Auch auf den Miniaturen des 12.Jahrhunderts ist kein Gambeson zu erkennen. Daher wird es wohl nie zu klären sein, ob oder ob nicht. Auf jeden Fall ist es bedeutend angenehmer ihn unter dem Kettenhemd zu tragen, als nur eine Cotte oder eine Tunika. Das Gewicht des Kettenhemdes wird so besser auf den Oberkörper verteilt, Druck und Reibung gedämpft und auch die Wucht von Hieben und Schlägen abgemildert.

Gambeson unter dem Kettenhemd Rüstungen ohne Gambeson?
Bronzetür von Nowgorod
1152 in Hildesheim gefertigt

Gambeson? Der Düring in der Codex Manesse
Abbildungen in der Maciejowski Bibel zeigen eindeutig unter dem Kettenhemd keinen Gambeson
Ritter 12. Jahrhundert
mit Gambeson
Kapitel in der Kirche
von St.Calmin (Frankreich)

Text: tf

Der Helm 1150 bis 1250


Mitte des 12. Jahrhunderts herrschte der Nasalhelm vor, der konisch oder halbrund gewölbt war und in vielen verschiedenen Varianten auftrat. Er konnte aus einem Stück getrieben sein oder aus 4 Teilen bestehen, die durch eine kreuzförmige Spange und einen Stirnreif verstärkt waren. Ein einfacher Nasal schützte seinen Träger gegen Hiebe ins Gesicht. Unter diesem Helm wurde eine gepolsterte Kappe, der sogenannte batwat getragen. Er diente als Auflage für den Helm und verhinderte zusammen mit dem Kinnriemen, das der Helm wackelte und dämpfte Schläge auf den Kopf ab.

Nasalhelm
Bronzetür von Nowgorod
1152 in Hildesheim gefertigt
Fragment einer Ritteraquamanile
Hildesheim Ende 12. Jhd.
Abbildung aus dem Hortus Deliciarum
Nasalhelm im Hortus Deliciarum Die gepolsterte Kappe (batwat) wurde unter dem Nasalhelm getragen

Die Einführung neuer Lanzenkampftechnik war von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung der ritterlichen Schutzbewaffnung. Bei dieser neuen Kampftechnik kam es für den Verteidiger darauf an, die mit großer Wucht auf sein Schild auftreffende Lanzenspitze durch eine Drehung derselben abzulenken. Diese Technik barg die Gefahr, dass die gegnerische Lanze in Richtung Gesicht abgleiten konnte. Der Schutz durch den Nasalhelm war natürlich völlig unzureichend, so dass schon Mitte des 12. Jahrhunderts die ersten Visierplatten eingeführt wurden, die man anstelle des Nasals am unteren Rand der Helmkalotte festnietete. Gegen Ende des 12.Jahrhunderts wurde das mit Atemlöchern versehene Gesichtsvisier durch einen Nackenschutz ergänzt, der aber noch nicht mit der Gesichtsplatte verbunden war.

Helme mit Gesichtsplatte und Nackenschutz
linkes Bild: Eneas des Heinrich von Veldeke um 1200
Staatsbibliothek Berlin

Um 1200 tauchen dann die ersten Topfhelme auf, dessen wesentliche Erkennungsmerkmale der flache Scheitel und der rundum geschlossene Gesichts-, Seiten-und Nackenschutz sind. Dieser neue Helmtyp bot nun genügend Schutz, hatte aber auch einige Nachteile. Er wog etwa 5 bis 7kg, die Luftzufuhr war durch die wenigen Atemlöcher ungenügend und das Gesichtsfeld stark eingeschränkt. Seinen größten Durchmesser wies der frühe Topfhelm im Bereich des oberen Randes auf, was die Einführung eines ringförmigen Polsters erforderlich machte, damit er nicht auf dem Kopf wackelte.

Topfhelm Topfhelm in der Maciejowski Bibel

Gegen Mitte des 13.Jahrhunderts entwickelte sich ein Typ mit konischem Scheitelstück, an dem ein von oben geführter Hieb leichter abglitt. Daneben gab es noch andere Helmtypen, wie den Eisenhut und die Hirnhaube, die erstmals zu Beginn des 13.Jahrhunderts auftraten. Der Eisenhut wurde hauptsächlich von der Infanterie getragen, da er gut gegen Hiebe von oben schützte und ein großes Gesichtsfeld frei ließ. Die Hirnhaube, eine enganliegende, die Stirnpartie und Schädeldecke schützende Eisenkappe, wurde unter und über der Kettenkapuze getragen.

Eisenhut in der
Maciejowski Bibel
Eisenhut Hirnhauben in der Maciejowski Bibel
Helm mit konischem Scheitelstück Originalhelm mit konischem Scheitelstück um 1300

Alle hier aufgeführten Helmtypen traten im 13.Jahrhundert gleichzeitig nebeneinander auf, wie in historischen Darstellungen gut zu erkennen ist.

verschiedene Helmtypen Maciejowski Bibel

Text: tf

Die Sporen


Seit dem 11.Jahrhundert gehörten die paarweise getragenen Stachelsporen zum Führen und Antreiben des Pferdes zur Standartausrüstung eines Ritters. ,,Vom Sporn getrieben jagen die raschen Pferde dahin´´ Albert von Aachen ,,Chronik des ersten Kreuzzuges´´ um 1103.

Der Umgang mit ihnen verlangt viel reiterische Erfahrung und Können, denn man konnte mit ihrem Dorn ein Pferd bei zu heftigem Einsatz schwer verletzen oder bei ,,unbeabsichtigtem´´ Einsatz das Tier zu einer ungewollten Reaktion veranlassen. Man musste sie sich, wie das Sprichwort es auch sagt ,,erst verdienen´´. Reiten war ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung der Knappen und erst wenn die Ausbildung abgeschlossen und man wirklich in der Lage war, ein Pferd in jeder Lage zu beherrschen, bekam man seine eigenen Sporen mit der Erhebung in den Ritterstand überreicht. Da nicht jeder Knappe Ritter wurde, denn dazu war auch ein gewisser finanzieller Aufwand nötig und da auch Sergenten auf Pferden eingesetzt wurden, ist nicht klar, ob auch sie Sporen tragen durften. Sporen waren somit, gemeinsam mit dem Schwert, Symbole der Ritterlichkeit. Sie wurden sogar mit ins Grab gelegt, wie die Philipps von Schwaben im Dom zu Speyer, die heute im Dommuseum zu sehen sind.

Im 12. und 13. Jahrhundert hatten die Sporen einen geschweiften Bügel und einen kurzen Dorn in Form einer gestielten Pyramide, ab Ende des 13. Jahrhunderts statt der Pyramide ein Rad mit spitzen Enden. Sie wurden in Höhe der Knöchel mittels Riemen und Schnalle befestigt. Die meisten werden wohl aus Eisen gewesen sein, aber es gab auch Funde wertvoller Sporen aus Bronze, Silber oder solcher, die mit Goldblech verkleidet waren und dazu Verzierungen aufwiesen. Eine Regel der Templer von 1129 verbot das Tragen solcher wertvoller Sporen, da sie dem Armutsideal dieses Ritterordens widersprachen.

Sporen im Hortus Deliciarum Ende 12. Jhd. Sporen Jenaer Handschrift 1157
Sporen in der Maciejowski Bibel
Sporen am Bamberger Reiter um 1250
Radsporen Wolfram von Eschenbachs
Codex Manesse 2. Hälfte 13. Jhd.

Text: tf

Der ritterliche Schild


Der vorherrschende Schildtyp Mitte des 12. Jahrhunderts war der mandelförmige ,,Normannenschild´´, auch oft als Langschild bezeichnet. Mit einer Höhe von etwa 1,00m bis 1,20m konnte es so den Oberkörper einschließlich der unteren Gesichtshälfte und mit seiner langgezogenen Spitze das Knie schützen. Die obere Kante konnte abgerundet oder gerade sein. Der Schildkörper war gebogen und ermöglichte so, das bessere Abgleiten von Lanze und Schwert. Oftmals hatten diese Schilde noch einen Schildbuckel und ein Schildgespänge. Der Schildbuckel hatte aber seine eigentliche Funktion, den Schutz der schildhaltenden Hand, bereits verloren. Er hatte aber eine verstärkende Wirkung beim Schlag mit dem Schild. Das Schildgespänge waren Metallstreifen, die vom Schildbuckel ausgehend, schildverstärkende und dekorative Funktionen besaßen. Gehalten wurde der Schild an zwei parallel zur Längsrichtung, einzeln oder kreuzweise, befestigten Riemen für Unterarm und Faust, die mit angewinkeltem Arm erfasst werden mussten. Eine dritte Schlaufe diente beim Reiten, bedingt durch die veränderte Haltung auf dem Pferd und das gleichzeitige führen der Zügel, zum Halten des Schildes. Die Schildfessel, ein in seiner Länge verstellbarer zusätzlicher Lederriemen verteilte das Gewicht des Schildes, etwa 5 bis 8 kg, auf Schulter und Rücken. Bei längeren Märschen, konnte der Schild auch so auf dem Rücken getragen werden.

Langschilde Hortus Deliciarum um 1190 Langschild Siegel Ottos von Wettin um 1190 Bronzetür von Nowgorod
1152 in Hildesheim hergestellt
Tumba Graf Wiprechts von Groitzsch 1124 mit Schildgespänge?
Goliath Bibel von St.Etienne um 1110 (Halterung Schild) Templerkapelle in Cressac (Frankreich) 12. Jhd.

Anfang des 13.Jahrhunderts setzte sich langsam ein neuer Schildtyp durch und verdrängten bis Mitte des 13.Jahrhunderts, die mandelförmigen Normannenschilde fast vollständig. Diese Dreieckschilde waren wesentlich kürzer und bildeten in ihrem Gesamtumriss die Form eines gleichschenkligen Dreieckes. Die obere Kante konnte auch hier abgerundet oder gerade sein. Diese Schilde waren zwar wesentlich leichter und handlicher, boten aber im Beinbereich weniger Schutz. Durch das Tragen von geschlossenen Kettenbeinlingen, eisernen oder ledernen Kniescheibenschützern und Beinschienen wurde diese Entwicklung erst ermöglicht.

Schilde in der Maciejowski Bibel um 1250
Wilhelm und Timo im Naumburger Dom um 1250

Grundsätzlich waren alle mittelalterlichen Schilde aus Holz (meistens Linde). Reiterschilde aus Metall hat es wohl im gesamten Früh-und Hochmittelalter nicht gegeben. Sie wären viel schwerer und auch funktionell Holzschilden unterlegen. Diese Holzschilde bestanden aus im Bogen verleimten senkrechten Holzleisten, ähnlich den Dauben bei Fässern, die vorne und hinten mit Rohhaut bzw. Leder bespannt waren und so dem Schild seine Festigkeit gaben. Alternativ konnte man anstelle der Rohhaut mehrere Schichten Leinwand verwenden. Oft waren die Ränder der Schilde mit einem separaten Rohhautstreifen verstärkt. Die meisten Schilde waren zwischen 10 und 12mm stark. Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde begonnen, die Schilde mit Wappen zu bemalen. Die Schilde vergangener Generationen waren zwar auch teilweise bemalt, aber die Abbildungen hatten eher mystische Bedeutung oder dienten dem Schmuckbedürfnis des Trägers. Neben diesen beiden beschriebene Schildtypen gab es aber auch noch Sonderformen, wie zum Beispiel das gleichseitige Dreieckschild. Da dies hier aber nur ein kurzer Abriss sein soll, möchte ich auf diese Sonderformen nicht weiter eingehen. Wer mehr und genauer Informationen zu diesem Thema haben möchte, dem empfehle ich das Buch von Jan Kohlmorgen "Der Mittelalterliche Reiterschild". Ein weiterer Schildtyp, der nicht zu den Reiterschilden gehört und ab der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts erstmals in Erscheinung tritt, ist der Buckler (Faustschild). Diesen Schildtyp gab es wohl schon bei den Römern, mir ist aber keine einzige Quelle bekannt, die nachweist, dass er seit dieser Zeit jemals wieder in Gebrauch war. Das Faustschild hatte einen Durchmesser von 25 bis 40cm und konnte aus Metall oder aus Holz gefertigt sein. Getragen wurde er wohl nur zur höfischen Kleidung und diente zusammen mit dem Schwert, zu dieser Zeit, zur persönlichen Verteidigung im ungerüsteten Zustand.

Faustschilde - Johann von Ringgenberg und Rubin von Rüdeger im Codex Manesse (Nachtragsmaler)

Text: tf

Der Wappenrock


Der Waffenrock, als Vorgänger des Wappenrockes, trat erstmals in der 2. Hälfte des 12.Jahrhunderts im Gebiet der Kreuzfahrerstaaten auf. Geschnitten wie ein Surcot war er ärmellos, wadenlang, vorne und hinten geschlitzt und bestand aus weißer oder beigefarbender Wolle oder Leinen. Über dem Kettenhemd getragen, sollte er es vor der Aufheizung durch Sonnenstrahlen schützen.
Die Ritterorden wie die Templer, Johanniter und der Deutscher Orden versahen sie mit ihren entsprechenden Kreuzen als Zeichen ihrer Zugehörigkeit.

Ausschnitt Jerusalemkarte
Collektar um 1170
Eneas des Heinrich von Veldeke um 1200
Waffenrock Ritterorden der Templer

Mitte des 13. Jahrhunderts waren Waffenröcke dann auch in ganz Europa verbreitet. Farbig aber noch ohne Wappen. Erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde es üblich den Waffenrock heraldisch mit seinem Wappen und seinen Farben zu versehen, so dass man ihn auch als Wappenrock bezeichnen konnte.

Jungfrauenspiegel um 1200
Farbige Waffenröcke in der Maciejowski Bibel um 1250
Wappenröcke - Herzog von Anhalt - Codex Manesse
2. Hälfte 13. Jhd.
Wappenrock 2. Hälfte 13. Jhd.

Text: tf

Die Fernwaffen des 12. und 13. Jahrhunderts


Die Fernwaffen des 12. und 13. Jahrhunderts waren Armbrust und Bogen. Obwohl 1139 auf dem 2. Laterankonzil Papst Innozenz II. sie verdammte und ihren Einsatz gegen Christen verbot, wurden sie in Europa weiter eingesetzt. Der Einsatz gegen ,,Ungläubige´´ war aber weiterhin legitim. Beide Waffen galten als unritterlich und es war unvorstellbar, dass ein einfacher Bauer in der Lage war, einen Ritter mit seinem Bogen zu töten. Bei den Schusswaffen dominierte in Mitteleuropa die Armbrust. Die Vorteile der Armbrust lagen in ihrer Zielgenauigkeit, ihrer hohen Durchschlagskraft und der leicht zu erlernende Umgang mit ihr. Man konnte sie auch im gespannten Zustand in Bereitschaft halten und auf einen günstigen Moment zum Schuss warten. Mehr als 3 bis 4 Schuss pro Minute waren aber nicht möglich, denn das Spannen der Armbrust war sehr aufwendig. Dazu musste der Schütze die Armbrust mit dem vorderen Ende voran auf den Boden stellen, einen Fuß in den Bügel setzen und so das Hanfseil mit Hilfe eines an einem Gürtel befestigten Hakens spannen. Über die Schusskraft der Armbrust im 12. und 13. Jahrhundert ist leider nichts bekannt, aber man kann davon ausgehen, dass ein Kettenhemd auf eine Entfernung von 20m noch durchschlagen werden konnte. Der Wurfarm der Armbrust war als relativ starker Reflexbogen, in Kompositbauweise aus Horn und Tiersehnen hergestellt. Horn vom Widder und auch vom Ziegenbock kam hier zur Anwendung. Die Herstellung des Abschussmechanismus und der Nuss waren sehr aufwendig und eine Armbrust war damit eine recht teure Waffe . Wurfarme aus Metall kamen erstmals im 14. Jahrhundert vor und Hornarmbrüste wurden bis ins 17. Jahrhundert weiter verwendet. Die älteste erhaltene Armbrust aus dem 14.Jahrhundert befindet sich im Städtischen Museum Köln.

Liber ad honorem augusti 1197
Hornarmbrust im Nationalmuseum in Kopenhagen aus dem 14. Jahrhundert
Armbrust- und Bogenschützen
Maciejowski Bibel von 1250
Armbrustschützen im Codex Manesse
"Der Düring"
Spannen der Armbrust Spannvorrichtung für die Armbrust am Gürtel
Maciejowski Bibel

Inwieweit Bogenschützen im 12. und 13.Jahrhundert in Mitteleuropa eingesetzt wurden, ist leider nicht bekannt und es ist daher schwierig, eine objektive Aussage darüber zu treffen. Wahrscheinlich wurden auch einfache Stadtbewohner mit ihren Bögen zu Verteidigungszwecken herangezogen und auch in den Reihen der Belagerer gab es Bogenschützen. Es gibt aber weder schriftliche oder bildliche Belege über den Einsatz von Bogenschützen bei Feldschlachten in Mitteleuropa. Die dargestellten Bogenschützen haben eine Art Recurvebogen, ähnlich den Bögen der Türken und Mongolen und vermutlich bestanden sie aus Holz, Horn und Tiersehnen. Langbögen tauchten erstmals zum Ende des 13.Jahrhunderts auf und auch nur in England und Wales. Es gibt keine Belege darüber, ob sie je außerhalb dieser Gebiete verwendet wurden.
Der große Nachteil beider Fernwaffen war, dass sie bei Regen oder hoher Luftfeuchtigkeit, bedingt durch ihren Aufbau, nicht eingesetzt werden konnten.

Bogenschützen in der Maciejowski Bibel
Eneas Manuskript um 1200 Liber ad honorem augusti 1197
Original Pfeilspitzen Pfeilspitzen

Text: tf

Axt, Streitkolben, Dolch und Glefe 1150 bis 1250


Als Alternativwaffen zu Lanze, Spiess und Schwert wurden vor allem im 13. Jahrhundert, Axt, Streitkolben, Dolch und Glefe (Fauchard) geführt. Obwohl sie als unritterlich galten, gehörten sie doch zur Ausrüstung, wie auf vielen Abbildungen in der Maciejowski-Bibel zu erkennen ist. Ob nur Sergenten oder auch Ritter sie benutzten ist nicht bekannt, da auch einige sehr gut gerüstete Reiter sie führen. Wahrscheinlich spielten hier auch persönliche Vorlieben bei der Waffenwahl eine große Rolle, sie waren auch preiswerter und standen in ihrer Wirksamkeit den Schwertern nicht nach.

Auf den Abbildungen des 12. Jahrhunderts sind nur Äxte zu sehen, aber sehr wahrscheinlich waren auch hier schon Streitkolben und Dolch in Gebrauch. Die Äxte hatten einen etwa 60 bis 70cm langen Stiel, wogen zwischen 1,5 und 2kg und hatten eine halbmondförmige Klinge. Laut den Darstellungen waren sie in der Lage, Helm und Schädel zu spalten.

Bei den Streitkolben gab es zwei Arten. Den Deutschen Streitkolben, der die Form einer zylindrischen Keule hatte und deren Kopf mit Nägeln oder Spitzen gespickt war und die Türkische Streitkeule, deren Kopf aus mehreren spitzen, lamellenartigen Blättern bestand. Ihr Einsatz führte nicht nur zu schweren Wunden, sondern auch zu schweren Knochenbrüchen. Der Dolch wurde hauptsächlich als Zweitwaffe im Nahkampf eingesetzt. Er hatte eine etwa 20cm lange, zweischneidige, zur Spitze hin schmaler werdende flache Klinge und eine kurze Parierstange. Dolche mit viereckigem Klingenquerschnitt traten erstmals mit zunehmender Aufplattung im 14.Jahrhundert auf. Bei den Knäufen scheint es die unterschiedlichsten Formen gegeben zu haben. Obwohl er als Waffe der Meuchelmörder galt, wurde er wohl zur höfischen Gewandung und zur zivilen Kleidung getragen. Auf einigen Abbildungen in der Maciejowski-Bibel sind auch Glefen (Fauchard) zu erkennen. Hauptsächlich als Stangenwaffen in einfacher Ausführung und mit Haken, aber auch in der Form einer beidhändig zu führenden Hiebwaffe.

Einsatz der Axt im Hortus Deliciarum um 1190 Einsatz der Axt in der Maciejowski Bibel 1250
Deutscher Streitkolben, Glefe und Axt
Maciejowski Bibel
Türkischer Streitkolben
Maciejowski Bibel
Dolch als Zweitwaffe
Maciejowski Bibel
Axt und Streitkolben
Maciejowski Bibel
Glefen
Maciejowski Bibel
Glefe (Fauchard)
Herr Reinmar von Brennenberg
Codex Manesse
Dolch als Waffe des Meuchelmordes
Herr Leuthold von Seven
Codex Manesse
Dolch zur höfischen Gewandung

Text: tf

Die Lanze 1150 bis 1250


Die Hauptangriffswaffe des Ritters war neben dem Schwert, auch die Lanze. Taktisch gesehen war sie sogar die wichtigere Waffe, denn der erste Angriff erfolgte in der Regel immer mit eingelegter Lanze und konnte so von entscheidender Bedeutung für den weiteren Verlauf einer Schlacht sein. Man kann sich sicherlich vorstellen, welche Wirkung so ein Angriff einer voll gerüsteten, hoch zu Ross, mit eingelegter Lanze und mit hoher Geschwindigkeit auf einen zu preschende Reiterformation hatte. Gewöhnlich wurde die Lanze unter die rechte Achselhöhle geklemmt und so geführt, dass die Spitze nach links über den gebeugten Pferdehals wies. Dabei musste der Reiter darauf achten, dass der Winkel zwischen Lanze und Längsachse des Pferdes möglichst klein blieb und er so den von seinem Pferd ausgehenden Schub optimal ausnutzen konnte. Seine eigene linke Seite und die Flanke des Pferdes wurden durch sein Schild geschützt. Nach diesem ersten Angriff wurden die Lanzen fallen oder stecken gelassen und vom Pferd aus, mit dem Schwert weiter gekämpft.

Die Kriegslanze bestand aus einem einfachen, zylindrischen oder sich leicht zur Spitze hin verjüngenden Schaft. Sie hatte etwa eine Länge von 3 Metern und bestand aus zähem Holz wie Esche oder Eibe und war mit einem dolchartigen oder blattförmigen, stets aber zweischneidigen, etwa 15cm langen und etwa 5cm breiten, eisernen Spitze versehen.

Hortus Deliciarum um 1190
Ausschnitt aus einer Jerusalemkarte um 1190 - Tempelritter verfolgen Sarazenen
Ausschnitte aus der Maciejowski Bibel um 1250

Die richtige Handhabung der Lanze verlangt sehr viel Training. Beim Buhurt, einem spielerischen Scheingefechtes zwischen zwei Reitergruppen, wurde diese Handhabung und Taktik trainiert. Bei diesem Scheingefecht ritten zum Beispiel zwei Reitergruppen mit eingelegten Lanzen aufeinander zu und kurz vor dem Aufeinandertreffen, wurden die Lanzen gehoben und man ritt, die Reihe öffnend, aneinander vorbei. Daraus Entwickelte sich im 12. Jahrhundert das Turnierwesen und der Tjost, ein Ritterlicher Zweikampf der das Ziel hatte, den Gegner mit Hilfe einer Lanze aus dem Sattel zu werfen. Obwohl man bei diesen Turnieren mit stumpfen Waffen kämpfte, kam es oft zu schweren Verletzungen und zu Todesfällen. Dies kam der Kirche einem versuchten Selbstmord gleich, außerdem würden diese Turniere Eigenschaften wie Hochmut, Hass, Habgier und Eitelkeit fördern. Daher wurden sie im 12.und 13. Jahrhundert immer wieder durch die Kirche verboten und den Teilnehmern mit Exkommunikation und der Verweigerung eines christlichen Begräbnisses gedroht. Allerdings beteiligten sich an solchen Turnieren auch kirchliche Würdenträger. Bei Turnieren verwendete man Lanzen aus leicht splitterndem Nadelholz wie Fichte oder Kiefer, die an ihrer Spitze mit sogenannten Krönlein, stumpfen, kreisförmig angeordneten Zacken, ähnlich einer Krone, versehen waren und so die Wucht des Aufpralles und damit die Verletzungsgefahr verminderten.

Albrecht Marschall von Rapperswil
Tjost - Codex Manesse
Original Turnierlanzenspitze Krönlein von Burg Bommersheim
beide Bilder: Tjost an der Burgruine Brandenburg bei Lauchröden 2010

Text: tf

Der Fußspieß


Der Fußspieß gehörte hauptsächlich zur Ausrüstung der Kriegsknechte in den Reihen der Infanterie. Er hatte eine Länge von 2 bis 2,50m und war mit einer Dolch- oder blattförmigen, zweischneidigen, 20 bis 30cm lange Spitze aus Eisen versehen. Er konnte aber auch mit zusätzlichen Knebeln, wie bei der Flügellanze oder der Saufeder versehen sein. Diese Knebel verhinderten ein zu tiefes Eindringen der Spitze in den Körper. Einige hatten auch eine Art Haken um damit die Schilde des gegnerischen Schildwalles zur Seite oder herunter zu reißen und so Lücken im Schildwall zu öffnen.

Spieße im Hortus Deliciarum um 1190 Spieße in der Maciejowski Bibel um 1250
"Der Düring" im Codex Manesse
Spieß mit Knebeln

Der richtige und effektive Gebrauch des Fußspießes verlangte viel Ausbildung und Erfahrung und war nur in Zusammenarbeit mit anderen Spieß- und Schwertkämpfern erfolgreich.

Text: tf

Accessoires

Lager und Hausrat

Auf Reisen zu gehen konnte im Mittelalter eine äußerst beschwerliches, mühsames und auch gefährliches Unterfangen sein. Die Wege waren häufig in schlechtem Zustand, man musste teilweise große Umwege in Kauf nehmen um natürliche Hindernisse wie Flüsse oder Berge zu überwinden und auch mit Überfällen von Banditen musste man rechnen. So konnte es durchaus sein, dass man mehrere Wochen unterwegs war um von einem Ort zum anderen zu gelangen und nicht immer war ein Gasthof in der Nähe.

Befand man sich auf einem Feldzug, konnten Monate vergehen in denen man im Freien verbringen musste und der Witterung und Kälte ausgeliefert war. Ein funktionierendes, wetterfestes Lager war also unerlässlich. Wie ein Lager von Adeligen im Mittelalter ausgesehen haben könnte, wird im Folgenden vorgestellt. Dabei gibt es weitere Informationen zu Zelten, Möbeln und der Küche



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Zelte

Küche

Möbel

Möbel im Feldlager

Das Mobiliar lässt sich, wie es der Name ausdrückt, im Gegensatz zu den Immobilien, bewegen. Dies wurde am mittelalterlichen Hofe intensiv praktiziert, denn Räumlichkeiten wurden häufig, je nach Anlass, auf verschiedene Art und Weise genutzt. Zum Beispiel mussten daher Tische leicht zerlegbar sein, um sie durch die engen Treppenhäuser und Gänge transportieren zu können.

Auch wenn man sich auf Reisen befand, wollte man vermutlich nicht auf ein grundlegenes Mobiliar verzichten. Auf einige Beipiele möchten wir im Folgenden eingehen:

Truhen Tische
Betten

Lagerküche

Da wir als Historiengruppe nicht über ein eigenes Anwesen mit fester Küche verfügen, haben fähige Köpfe eine transportable Küche entworfen und fähige Hände diese geschmiedet. Sie besteht aus Eisen und verfügt neben der Feuerschale über ein Grillrost und mehrere Dreibeine zum Aufhängen von Töpfen. Unsere Küchenutensilien verstauen wir in einer Holztruhe bzw. in einem Holzregal. Ein Holztisch ist unsere Arbeitsfläche. Zur Ausrüstung gehören Metalltöpfe, Schüsseln und Teller aus Keramik oder Holz, geschmiedete Messer und viele weitere Küchenutensilien überwiegend aus Holz. Damit verfügen wir über eine Kochmöglichkeit, wie sie im Mittelalter durchaus in einem Lager oder auf Reisen existiert haben könnte.

Unsere Lagerküche.

Bei der Wahl der Gerichte und Rezepte orientieren wir uns an den schriftlichen Überlieferungen aus der Zeit des Mittelalters. Wir verwenden Zutaten, die entsprechend der Region und Jahreszeit vorhanden waren, wie z.B. Kohl, Rüben, Möhren, Äpfel, Birnen, Nüsse und verschiedene Getreidesorten. Kartoffeln gab es ja um 1200 noch nicht. Wichtige Grundnahrungsmittel waren Brot und Getreidebreie. So ist auch bei uns selbstgebackenes Brot eine regelmäßige Beigabe zum Essen. Fladenbrot kann man gut in der Pfanne „backen“.

Ein beliebtes und abwechslungsreiches (authentisches) Gericht bei unseren Lagern ist der Hirsebrei. Man kann ihn süß oder herzhaft genießen. Aber auch Fleisch und Fisch bereiten wir zu, meist gegrillt oder gebraten als Beilage zu Gemüse, Suppen oder Hirse. Der regelmäßige Verzehr von Fleisch war jedoch der Oberschicht vorbehalten. Ebenso darf auf unserer Tafel rohes Obst und Gemüse nicht fehlen.

Es wird über dem offenen Feuer gekocht.

Im Mittelalter wurden in jedem Garten Kräuter und Gewürze angebaut. Da wir nicht über einen solchen Garten verfügen, sammeln wir Kräuter und Gewürze gern vor Ort auf Wiesen und Feldern. Wir finden z.B. Löwenzahn, Meerrettich, Klee, Minze, Ampfer, Pimpinelle, Scharfgarbe. Außer Kräutern verwenden wir auch verschiedene andere Gewürze wie Pfeffer, Zimt, Ingwer – je nach Rezept.

Als Getränk im Alltag diente in erster Linie Wasser, Most oder Saft. Aber auch Bier und Wein hatten im Mittelalter durchaus den Wert eines Grundnahrungsmittels. Der Wein war zudem ein Statussymbol des Adels. Bier dagegen war ein Volksgetränk und wurde fast in jedem Haushalt gebraut.

So sieht das fertige Essen aus. Einfach lecker.

Will man eine mittelalterliche Küche authentisch nachvollziehen, erkennt man bald, welche Ausmaße dies annehmen kann und das es nicht immer einfach ist. Sind wir mit einem Lager unterwegs, beginnt die Küchenarbeit gleich nach dem Frühstück. Viele Dinge sind zu organisieren. Es ist möglichst trockenes Brennmaterial (Holz, Holzkohle) zu beschaffen und ggf. ist das Holz zu spalten. Feuer ist zu entzünden und es muss immer dafür gesorgt werden, dass die Glut möglichst bis zum Abend nicht verlischt. Wasser ist zu holen, was manchmal eine wahre Schlepperei sein kann. Fast immer muss heißes Wasser benötigt. Fleisch muss vorbereitet werden, wie z.B. Auslösen oder Einlegen, Fische sind zu putzen, Teige sind einzurühren oder zu kneten. Gemüse ist zu putzen und zu schneiden. Während des Kochens muss fast ständig gerührt oder mit Wasser nachgeschüttet werden, damit nichts anbrennt. Nach dem Essen muss alles wieder gereinigt und der Müll entsorgt werden. Wenn man so will, ist die Küche außer nachts immer in Betrieb.


Unsere Lieblingsrezepte:

Salvan - dorttem in smalz gebachen von Gräfin Philippine Welser 1557

Salbeitorte in Schmalz gebacken

Eier gut verquirlen und mit Mehl, Mandeln und Salbei zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Ist der Teig zu trocken, noch ein wenig zerlassenes Schmalz hinzu geben.

Kastenform mit erwärmten Schmalz ausstreichen, mit Teig ausfüllen.

Im vorgeheizten Backofen (heute E-Herd: 200°C, oder Gas: Stufe 3) ca. 30 – 45 Min backen. Während der Backzeit mehrmals mit Schmalz bestreichen. Nach ca. 20 Min mit Salz betreuen.

Diese Torte lässt sich gut vorbereiten und dient als lange haltbare Beigabe zum Essen.


Süßer Hirsebrei

Hirse heiß abwaschen und dann kalt abspülen. Die Milch mit der Butter, dem Honig und dem Salz aufkochen. Dann die gewaschene Hirse zugeben und etwa 30 Minuten bei schwacher Hitze quellen lassen, bis ein sämiger Brei entstanden ist. In eine Schüssel geben und mit Zimt bestreuen.

Text: um

Zelte

In Kürze findet ihr hier Informationen zu Zelten des Hochmittelalters...

Tische

Für eine Tafelei ist ein Möbelstück unverzichtbar: der Tisch. Für ein Gastmahl in einer mittelalterlichen Burg mit diversen Adeligen wurden Tische zum Beispiel in Form eines "U" angeordnet. Dabei musste genaustens auf die Sitzordnung geachtet werden, welche durch den Stand der Gäste festgelegt wurde. Tische mussten, um größtmögliche Flexibilität zu gewährleisten, leicht auf- und abzubauen sein. Häufig bestand die Tafel aus nicht mehr als zwei Böcken, auf die Bretter gelegt wurden. Darauf ist auch der Auspruch "Die Tafel aufheben" zurückzuführen, denn meist wurden die Tische direkt nach dem Mahl wieder abgebaut, damit der Raum anderweitig genutzt werden konnte.

Bau eines Lagertisches

Für das Lager wird eine Tischkonstruktion benötigt, die sich schnell und einfach aufbauen und wieder zerlegen lässt. Außerdem sollte der Platzbedarf und das Gewicht so gering wie möglich gehalten werden.

Die Bestandteile:

Bei der Fertigung der Fußteile muss streng auf die Korrektheit der Winkel geachtet werden, da sonst der Tisch nicht gut steht. Die Aussparungen in der Mitte für den Querbalken sind beispielsweise nicht parallel zu den Außenkanten der Fußteile, da ansonsten der Querbalken nicht passen würde. Für den Aufbau werden einfach die Fußteile mit dem Querbalken zusammengesteckt. Von oben werden die beiden Fixierbretter eingesetzt und anschließend die Tischplatten aufgesteckt. Zum Schluss wird die Konstruktion noch mit zwei Keilen fixiert.

Text: tg

Betten

Wie haben die Menschen im Mittelalter geschlafen? Dies unterschied sich drastisch je nach Stand und Geldbeutel des Schlafenden. Adelige konnten sich durchaus den Luxus eines Bettes leisten, wohingegen sich die einfache Bevölkerung mit Strohsäcken, Fellen und Decken begnügen musste. Auch teilte man für gewöhnlich die eigene Schlafstatt mit anderen zum einen aus Platzmangel aber zum anderen auch, um sich so besser vor der Kälte zu schützen. Die Landbevölkerung nächtigte zudem häufig zusammen mit dem Vieh unter einem Dach.

Im Gegensatz zu heute waren die Betten früher deutlich kürzer, wie Funde belegen. Das liegt nicht direkt daran, dass die Menschen damals viel kleiner waren als heute. Aus den unterschiedlichsten Gründen litten viele unter Atemwegserkrankungen und mussten (um überhaupt nachts atmen zu können) im Sitzen schlafen. Häufig starben Erkrankte während der Nacht und daraus entwickelte sich der Aberglaube, dass man sterben würden, wenn man im liegen schläft. Deshalb wurden Betten so kurz gebaut, um zu verhindern, dass man sich während des Schlafens nicht zufällig ausstrecken konnte.


© Victoria and Albert Museum, London
Ein Adeliger auf Reisen wird, wenn es sich vermeiden ließ, sicherlich nicht auf dem Boden geschlafen haben, so wie die einfache Bevölkerung. Also werden Reisende, die mit einem Tross unterwegs waren und es gerade keinen Gasthof zur Einkehr gab, ein Lagerbett dabei gehabt haben.

Seilbetten sind bereits seit dem Frühmittelalter belegt, wie diese Elfenbeinschnitzerei (rechts, von "The Andrews Diptych" Museumsnummer A.47&A-1926) verdeutlicht, die vermutlich um 800 entstanden ist. Im Folgenden werde ich beschreiben wie man ein einfaches Lagerbett baut.

Bau eines Lagerbetts

Die Vorteile eines Seilbetts auf Reisen liegen auf der Hand. Es ist schnell auf- und abgebaut, lässt sich sehr kompakt verstauen, man benötigt keinerlei zusätzliche Polsterung und kann trotzdem bequem darin schlafen.

Die Bestandteile:


Die Seiten- und Stirnbretter sind mit Zapfen versehen, die zusammen mit den Seitenpfosten eine sehr stabile Steckverbindung bilden. Im Abstand von 10 cm werden in die Bretter Löcher gebohrt, durch welche die Seile gezogen werden. Die Seile sollten auf jeden Fall netzartig verflochten werden um die Kraft gut zu verteilen.

Allerdings sollte man die Kräfte, die auf die Seitenbretter wirken, nicht unterschätzen, wenn man sich in das Bett hinein legt. Für die Konstruktion habe ich Fichtenholz verwendet und beim ersten Liegetest haben sich die Bretter bedenklich durchgebogen. Mit dickeren Bretten ließe sich dieses Problem vermeiden. Ich habe mich jedoch für eine zusätzliche Rahmenkonstruktion entschieden (unten). Dadurch werden die Seitenbretter nach außen gedrückt und es wird verhindert, dass sich die Bretter zu stark nach innen biegen und im schlimmsten Fall brechen.

Vor allem durch den Rahmen lassen sich die Seile sehr gut auf Spannung bringen, was ein Durchhängen der Seile verringert und so den Liegekomfort deutlich erhöht. Aussparungen zum Verkeilen der Konstruktionen hatte ich vorgesehen, Keile werden aber aufgrund der großen Spannung der Seile eigentlich nicht benötigt und können getrost weggelassen werden.

Text: tg

Truhen

Man muss sich vor Augen halten, dass eine Reise zum Beispiel zum Hoftagen unter den damaligen Verhältnissen sehr zeitraubend sein konnte. Nicht selten war man Tage oder Wochen unterwegs, um vom einen Ort zum anderen zu gelangen. Dementsprechend musste man gut für ein solches Unterfangen ausgerüstet sein. Geschützt vor Regen und Witterung führte man daher seinen Hausstand in Truhen mit. Um das private Eigentum vor einem all zu leichten Diebstahl zu bewahren, kamen eingebaute oder Vorhängeschlösser zum Einsatz. Darüber hinaus diente die Reisetruhe nicht nur zur Aufbewahrung, sondern konnte auch als Sitzmöbel verwendet werden.

Eine bereits im Frühmittelalter weit verbreitete Truhenform ist die Sechsbretttruhe, wie oben gezeigt. Wie der Name es sagt, werden für diese einfache Bauart sechs Bretter benötigt, die durch die Verwendung von Nägeln zusammengehalten werden.


© Victoria and Albert Museum, London
Seit dem 13. Jh. verbreitete sich zunehmend die Stollentruhe in Europa (Die Abbildung rechts zeigt ein gut erhaltenes Exemplar aus der Zeit). Im Vergleich zur einfachen Sechsbrett- oder Wikingertruhe mit zwei Füßen verfügt die Stollentruhe über vier Bretter, die bis zum Boden reichen. Die Vorder- und Rückseite bestehen aus je drei Brettern, die mit Nut, Feder und Holznägeln miteinander verbunden sind. Im Weiteren geht es um den Nachbau einer solchen Stollentruhe.

Nachbau einer Truhe aus dem 13. Jahrhundert

Die Truhe besitzt eine Breite von 80 cm, eine Tiefe von 35 cm und eine Höhe von 47 cm. Trotz der Verwendung von Eichenholz ist die Truhe mit einem Leergewicht von 17 kg immer noch gut tragbar. Die Eichenbretter, die aus einer ungefähr 5 m langen Bohle herausgesägt wurden, weisen eine Dicke von 2 cm auf. Um etwas Gewicht einzusparen, wurden für den Boden zwei Bretter aus Fichte verbaut.

Die Bestandteile:


In den Bildern unten sind die einzelnen Bretter nach der Bearbeitung zu sehen. Im ersten Schritt wurden diese mit einer groben Säge zugeschnitten und dann mit dem Hobel auf das richtige Maß gebracht. Die Nuten wurden zunächste mit einem Messer angerissen und dann mit dem Stechbeitel ausgehoben. Für die Feder der Mittelbretter kamen Stechbeitel und Simshobel zum Einsatz.

Die Bretter wurde mit Knochenleim verklebt und Stück für Stück zur Truhe zusammengesetzt und zwar zunächst die Vorder- und Rückseite die zusätzlich mit Holznägeln stabiliert sind, danach wurden die Seitenbretter auf der Front befestigt, anschließend der Boden eingesetzt und zum Schluss die Rückseite verleimt.

Für den Anbau des Deckels mussten zunächst Löcher vorgebohrt werden, um das Holz beim Festnageln der Scharniere und des Truhenschlosses vor dem Reißen zu schützen. Schlussendlich wurde die Truhe abgeschliffen und mit Leinöl behandelt.

Text: tg

Freizeit und Spiele