Cotte und Surcot der Dame im 13. Jahrhundert

Während sich im 12. Jhd. erstmals eine Frauenmode manifestierte, die den Körper betonte, glich sie sich im 13. Jhd. vermutlich unter wachsenden religiösen Einfluss, der Mode des Mannes zunehmend an. Die Kleidung zeichnete sich jetzt durch ihre große Stofffülle aus, die die weiblichen Körperformen fast vollständig verbarg.

  
Kaiserin Adelheid Meißner Dom, Kaiserin Kunigunde Bamberger Dom
Naumburger Stifterfigur Gerburg – alle um 1240-1260

Ebenso wie der Mann trägt die Frau nun eine Cotte und oft auch einen darüber liegenden Surcot. Besonders gut ist dies auf Abbildungen wie im Codex Manesse zu sehen. Aber auch figürliche Darstellungen, wie die Figuren Ottos und Adelheids im Meißner Dom, die berühmten Naumburger Stifterfiguren (beides vom Naumburger Meister geschaffen), oder die klugen und törichten Jungfrauen am Magdeburger Dom wie auch viele weitere skulpurale Beispiele über ganz Deutschland verteilt.

Auffallend bei den Darstellungen ist, dass sich in der Frauengewandung nicht die gleichen Variationen finden lassen wie in der Männerkleidung. Sowohl in bildlichen als auch figürlichen Darstellungen ist die Cotte immer mit einem Rundhalsausschnitt versehen. Sie hat lange enganliegende Ärmel, die teilweise wie bei den Männern bereits mit Knöpfen als Verschlussmöglichkeit besetzt ist (Codex Manesse: Tafel 26 – Der von Kürenberg). Höchstwahrscheinlich, um sie dem Unterarm noch besser anzupassen. Bortenbesätze oder Stickereien finden sich jetzt gar nicht mehr oder nur noch am Halsausschnitt und an den Handgelenken, hier jedoch eher selten. Bei Frauen hohen Standes konnten diese, wie die Farbgestaltung im Codex Manesse nahelegt, golddurchwirkt sein. Schmuckkanten am Oberarm und am unteren Kleidersaum sind vollständig verschwunden.

Tf.104 – Herr Reimar der Fiedler Tf.37 – Herr Reimar der Alte Tf.30 – Heinrich von Stretlingen Tf.26 – Der von Kürenberg
Codex Manesse (Grundstockmaler), Cotten mit und ohne Bortenbesatz, Knöpfe als Verschluss und Zierde (re.)

Die Cotte wurde meist gegürtet getragen. Wie die Figuren der klugen und törichten Jungfrauen am Paradiesportal des Magdeburger Domes zeigen, waren die Gürtel mit kunstvollen Beschlägen verziert und reichten teilweise bis zum Boden. Ebenso wie die Gürtel stehen die teilweise überdimensionierten Fibeln der Schlichtheit der Kleidung gegenüber. Deutlich zu erkennen ist, dass sie sowohl der Zierde (durch ihre Ausstattung und Größe), als auch dem Verschluss des Gewandes dienten. An allen 10 Figuren zeigen sich deutlich Schlitze in den enganliegenden Halsausschnitten. Auch im Codex Manesse sind auf einigen Abbildungen Knopfreihen am Halsausschnitt (evtl. als Gewandverschluss) zu erkennen.


Die Klugen Jungfrauen an der Paradiespforte des Magdeburger Domes – um 1250

Über der Cotte wurde der Surcot (frz.: „über der Cotte“)getragen. Der Surcot war ebenso wie bei den Herren ärmellos, wurde aber nicht gegürtet. Meist war er in einem kontrastierenden Farbton zur Cotte gestaltet. Im Codex Manesse zeigt sich oft die Kombination von Rot mit Blau oder Grün.

Diese Tatsache legt nahe, das sowohl Cotte als auch Surcot aus Wolle waren, denn sie ist wesentlich einfacher als Leinen mit natürlichen Farben zu färben.

Stoffe in intensiven Farben zu färben war ein aufwendiger Prozess und nur Wolle oder Seide als tierische Fasern konnten Färbeergebnisse aufweisen, bei denen die Brillanz der Farbe erhalten blieb. Leinen war als pflanzliche Faser Wolle gegenüber sehr teuer, denn es musste separat angebaut werden. Das bedeutete, dass man einen Teil der landwirtschaftlichen Fläche   
Codex Manesse, Damen in Cotte und Surcot
nicht zum Anbau von lebensnotwendigem Getreide nutzen konnte. Auch die Färbeergebnisse waren von minderer Qualität. Es war zumindest möglich, Leinen mit Färbewaid blau zu färben, aber inwieweit Leinen im Mittelalter auch mit anderen Naturfarb- stoffen färbbar war und in welchem Umfang dies durchgeführt wurde, ist unbekannt. Das Färben von Leinen war um vieles aufwändiger und die Farben nur blass und wenig licht-und waschbeständig.

Auch der Surcot hatte einen Rundhalsausschnitt, der jedoch etwas weiter war als der der Cotte und somit die Borte oder Fibel an der Cotte sichtbar wurde. In fast jeder Darstellung im Codex Manesse in der eine Frau über der Cotte einen Surcot trägt, ist das in übermäßiger Stofffülle gestaltete Übergewand an einer Seite gerafft und über den Ärmel gelegt, sodass die Cotte darunter zum Vorschein kommt. Ebenso wie der Griff in die Tasselschnur des Mantels scheint es sich hierbei um eine überaus höfische Geste zu handeln.

Text: kf

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