Das Unterkleid

Wie aus mittelalterlichen Textquellen zu ersehen ist, bestand dieses meist aus Leinen, besonders in den gehobenen Gesellschaftsschichten auch aus Seide. Hierbei handelte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um angeraute Naturseiden, da diese sich auf der Haut angenehmer anfühlen. Unterkleidung wurde nicht gefärbt. Überliefert sind meist ungebleichte oder in höheren Ständen gebleichte Leinenstoffe, bzw. besonders bei Seide ein helles cremegelb, welches hier dem Naturfarbton entspricht.

 
li.: die Habe einer Witwe – Unterkleid in der Mitte
Wolfenbütteler Sachsenspiegel – 14. Jhd.
re.: Frau beim Baden im dünnen Unterkleid – 13. Jhd.

Unterkleidung schützte die Haut vor derben und rauen Oberstoffen (wie z.B. Wolle), bildet aber andererseits auch eine weitere wärmende Schicht. Sie konnte jedoch nicht nur wärmen. Leinen wie auch Seide haben eine temperaturausgleichende Komponente, die unter Wollkleidung selbst an wärmeren Tagen zum Tragen kommt. Außerdem verhinderte sie die schnelle Verschmutzung der Oberkleidung durch Schweiß.

Dieser Aspekt erklärt auch die häufige Verwendung von Leinen. Dieses kann auch bei höheren Temperaturen gereinigt werden.

Leider gibt es kaum Funde von Untergewandung. Sowohl in Text- aber auch Bildquellen lässt sich diese aber deutlich nachweisen. Da es aber besonders bei Frauen aus dem Früh- und Hochmittelalter keine Abbildungen gibt, die die jeweilige Person nur in Untergewandung darstellen, ist es schwierig einen genauen Schnitt festzulegen. Für die Unterkleidung einfacher Menschen wurde wahrscheinlich ebenso wie in der Oberkleidung ein einfacher tunikaartiger Schnitt angewandt.

 
li.:Die Königin von Saba an der Kathedrale von Chartres
Frankreich ca. 1145-1150

Für die besonders am Oberkörper körpernah geschnittene Kleidung des Adels (z.B. beim Bliaut) kann jedoch angenommen werden, dass auch bei Unterkleidern bereits eine runde Armkugel Verwendung fand, da sonst das Unterhemd zu sehr auftragen würde. Darstellungen aus dem 12. Jahrhundert zeigen außerdem, dass das Unterkleid am Halsausschnitt zu sehen war. Dadurch konnte der Ausschnitt des Bliauts auch modisch etwas weiter sein, ohne unzüchtig zu wirken. Das Unterkleid wurde dann anscheinend mit einem Knopf verschlossen.

Text: kf

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