Die Bruche


Maciejowski Bibel
um 1250
Bruche tragender König

Die Unterhose des 12. und 13. Jahrhunderts war die sogenannte bruche oder bruech. Da es auch hier leider keine Fundstücke gibt, ist man wieder auf die Auswertung von Abbildungen angewiesen.


Schemazeichnung nach S. Thursfield

Die Bruche war knie- bis wadenlang und konnte hinten oder an den Seiten, von unten bis zu den Oberschenkeln geschlitzt sein, so dass man bei der Arbeit die Enden der Beinröhren hochbinden konnte. Im Hüftbereich wurde sie durch ein Band gehalten, das durch eine Art Tunnel verlief. Dieses Bruchenband hielt nicht nur die Bruche am Körper, sondern dient gleichzeitig zur Befestigung der Beinlinge. Dafür waren im vorderen Bereich noch zwei weitere Öffnungen vorhanden, an denen die Beinlinge festgenestelt wurden.

Wie die Bruche geschnitten war ist nicht bekannt, aber ein Rekonstruktionsversuch nach Thursfield (siehe Abbildung und Fotos oben) ermöglicht unter geringem Stoffeinsatz und Aufwand eine robuste und bequeme Bruche. Sie reißt im Schrittbereich nicht ein und beim Reiten gibt es keine störenden Nähte zwischen den Beinen, die scheuern könnten. Auch in ihrem Aussehen und Faltenwurf entspricht sie vielen historischen Abbildungen.

  
Hortus Deliciarum um 1180 und Maciejowski Bibel um 1250
Befestigung der Beinlinge am Bruchengürtel

Viele Abbildungen zeigen auch einen Wulst im Bereich des Tunnelzuges aus dem die Theorie entstand, dass die Bruche nur durch das Aufwickeln vom oberen Rand her hielt. Gegen diese Theorie sprechen persönliche Erfahrungen, sowie, dass hierfür ein sinnloser Mehraufwand an Stoff notwendig war, die Beinlinge sich nur schwer am Bruchengürtel befestigen ließen und die Bruche bei der Arbeit aus dem Gürtel rutschte. Ich glaube, dass dieser Wulst entweder eine übertriebene Darstellung des Tunnelzuges oder ein zusammengeschobener Tunnelzug ist.

Maciejowski Bibel
um 1250
Atlant vom Hildesheimer Taufbecken
um 1230
Bauhüttenbuch des Villard de Honnecourt
um 1230
zu den Knien hochgebundene Bruchenenden für mehr Beinfreiheit
Atlant vom Chor der Kathedrale von Reims einzig bekannte Darstellung der Bruche eines Adligen
Bauhüttenbuch des Villard de Honnecourt um 1230

Gefertigt war die Bruche wahrscheinlich aus Leinen, da sich Leinen bei höheren Temperaturen gut reinigen lässt.

Text: tf

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