Die Cappa und der Gardecorps

Als Schlechtwetterschutz und Reisemantel wurde sie wahrscheinlich aus gewalktem Wollstoff hergestellt und war mit einer Kapuze als Schutz vor Regen und Wind ausgestattet. Die Cappa war ein Übergewand, das bevorzugt auf Reisen, bei Arbeiten im Freien und bei schlechter Witterung getragen wurde. Angehörige des Niederen Adels waren viel unterwegs und nahmen außerdem Verwaltungs- und Beaufsichtigungstätigkeiten auf dem eigenen Grundbesitz wahr. Dafür trugen sie praktische, robuste und wetterfeste Kleidung, die der Kleidung einfacher Menschen nahekam. Für diesen Zweck wurde auf die Cappa zurückgegriffen, die eine wesentlich praktischere Überkleidung als der Rad- oder Rechteckmantel darstellte.
seidengestickter Wandbehang Niedersachsen um 1160-1170

seidengestickter Wandbehang Niedersachsen um 1160-1170 Person sitzend

seidengestickter Wandbehang Niedersachsen um 1160-1170

seidengestickter Wandbehang Niedersachsen um 1160-1170 3 Personen

Kathedrale von Reims um 1275

Kathedrale von Reims um 1275

Jungfrauenspiegel um 1200

Jungfrauenspiegel um 1200

Bible Moraliseé um 1230

Bible Moraliseé um 1230

In der heutigen Literatur als Cappa benannt, hat sich diese Bezeichnung bis heute im englischen Cape erhalten. Nach den Abbildungen gab es die Cappa in verschiedenen Formen. Eine Variante war wie eine weite Cotte geschnitten, reichte etwa bis zu den Knien und hatte überlange Ärmel. Teilweise hatten die Ärmel im Bereich der Ellenbeuge einen Schlitz, durch den man Hände und Unterarme durchstecken konnte.
Codex Man.(Nachtragsmaler um 1320) Tf. 20 – Herr Jakob von Warte Magd mit cappaartigem Umhang

Codex Man.(Nachtragsmaler um 1320) Tf. 20 – Herr Jakob von Warte Magd mit cappaartigem Umhang

Eine andere ärmellose Variante war vorn kürzer geschnitten als hinten. Der Rücken war bis hinunter zu den Knien bedeckt und vorn hing beim Arbeiten kein Stoff im Weg. Auf den wenigen Abbildungen von Frauen in Cappa ist meistens diese Form zu erkennen.
Codex Manesse S362 Tf. 59

Codex Manesse S362 Tf. 59

Eine weitere Form der Cappa war dann im 13. Jahrhundert der Gardecorps (zu dt.: Körperschutz). Geschnitten wie die erste Form der Cappa, hatte sie aber einen Schlitz von der Schulter bis zum Ellenbogen für die Arme. Ein schönes Beispiel einer Dame in Gardecorps ist im Codex Manesse auf Tafel 59 – „Herr Wachsmuth von Mühlhausen“ zu sehen.
Zeichnung des Schnittes meiner Cappa

Zeichnung des Schnittes meiner Cappa

 

Es wird intensiv darüber diskutiert, ob die Abbildungen von Frauen eine Cappa oder einen Rechteckmantel zeigen. Ich habe mich bewusst für die Cappa entschieden, da ein Rechteckmantel meiner Meinung und Erfahrung nach deutlich weniger Armfreiheit gewährt als eine Cappa. Er liegt über den Schultern bis zu den Oberarmen sehr eng an, schützt aber andererseits die Vorderfront nur unzureichend. Wenn man noch die Hände frei haben möchte, durfte er maximal bis zum Bauch reichen. Mit einer bis zu den Leisten reichenden Cappa tritt keine Behinderung auf. Bei schlechtem Wetter konnte man zu transportierende Dinge zusätzlich mit der Vorderseite der Cappa abdecken und diese so schützen. Aus den abgeschnittenen Rundungen für das Oval habe ich meine Kapuze und zusätzlich an der Innenseite noch eine Tasche für die richtig kalten Tage zum Händewärmen untergebracht. Man kann die Cappa an der Rückseite auch eckig lassen. Die Cappa eignet sich auch als Decke.

Text: kf

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