Die Cotte des 12. Jahrhunderts

Typisch für die Oberbekleidung in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts war eine knie- bis knöchellange Tunika, welche in der heutigen Fachliteratur oft als Cotte bezeichnet wird. Der Schnitt war einfach gehalten und bestand aus einer rechteckigen Vorder- und Rückseite mit eingesetzten Keilen (Geren) in Hüfthöhe, die der Cotte im unteren Bereich ihre Weite gaben. Neben der im Oberkörperbereich weiten Form, gab es auch körpernahe Varianten mit schräger Schulter und rund eingesetzten Ärmeln.

Cotte einfacher Schnitt

einfacher Schnitt

Cotte körpernahe Form

körpernahe Form

Zum Reiten war es notwendig, dass sie nur maximal bis zu den Knien reichen durfte, oder bei längeren Varianten vorne und hinten geschlitzt war. Sehr beliebt an der Cotte scheinen Borten an den Oberarmen, den Handgelenken und am Halsausschnitt gewesen zu sein, aber auch Stickereien am gesamten Gewand kamen häufig vor.

Die Ärmel dieses Gewandes konnten eng sein, wie bei der Darstellung Heinrichs des Löwen im von ihm in Auftrag gegebenen Evangeliar von 1185, aber auch weit geschnitten, wie bei den Darstellungen von Friedrich Barbarossa ebenfalls in der Welfenchronik oder die des Fortitudo auf dem Quedlinburger Knüpfteppich. Sie wurde oft gegürtet getragen.

Die Cotte war aus Wolle oder Leinen gefertigt und da es bedingt durch die Kreuzzüge und den Fernhandel auch Kontakte nach Fernost gab, wird auch Seide verwendet worden sein, war aber sicherlich wegen ihrer Seltenheit und dem hohen Preis dem Hochadel vorbehalten. Feines Leinen war schwierig und aufwändig herzustellen, deshalb auch teurer als Wolle und wurde wahrscheinlich nur vom Adel als Ober- und Unterkleidung getragen.

Leinen hat die Eigenschaft viel Wasser aufzunehmen und schnell wieder verdunsten zu lassen. Ein sehr angenehmer Kühleffekt bei der Arbeit und bei hohen Temperaturen, welcher sogar noch unter Wollkleidung funktioniert.

Wolle ist wesentlich einfacher als Leinen mit natürlichen Farben zu färben. Somit werden farbintensive Kleidungsstücke wohl meistens aus Wolle bestanden haben. Es war zumindest möglich Leinen mit Färbewaid blau zu färben, aber inwieweit Leinen im Mittelalter auch mit anderen Naturfarbstoffen färbbar war und in welchem Umfang dies durchgeführt wurde, ist unbekannt. Das Färben von Leinen war um vieles aufwändiger und die Farben nur blass und wenig licht- und waschbeständig.

Da Wollkleidung direkt auf der Haut sehr unangenehm ist, wurde darunter wohl ein Leinenunterhemd getragen. Auf einigen Abbildungen von Personen des Adels und der Kirche, ist unter der knie- bis wadenlangen Cotte ein bodenlanges Unterhemd zu erkennen, welches noch zusätzlich verziert sein konnte.

Oft wird auch der Bliaut als typische Oberkleidung für den Mann im 12. Jahrhundert genannt. Es gibt auch eine Darstellung von Oberkleidung, die des Priscianus im Münchner Codex 2599 von 1200, der einen dem Damenbliaut ähnlichen Faltenverlauf im Bauchbereich zeigt und vermutlich auf dem Rücken oder an der Seite geschnürt ist. Dies stellt meiner Meinung nach aber eher eine Ausnahme dar und nicht die typische Herrenkleidung des 12. Jahrhunderts.

Text: tf

" "