Die Oberkleidung im 13. Jahrhundert

Mitte des 13. Jahrhunderts ähneln sich Damen- und Herrengewandung so stark, dass nur noch die Saumlänge und die Weite der Gewänder eine Unterscheidung zuließ. Auch zusätzliche Reitschlitze hinten und vorne, ließ eindeutig Männerkleidung erkennen. Zusätzlich ermöglichten diese Reitschlitze noch einen weiten, ausgreifenden Schritt, was bei den Damen natürlich nicht erwünscht war.Die wichtigsten Quellen für die Oberkleidung im 13. Jahrhundert in der Mark Meißen sind die Stifterfiguren der Naumburger Dombauwerkstatt im Meißner Dom von 1260 und im Naumburger Dom von 1240/50. Auch die Manessische Liederhandschrift, obwohl erst um 1300 entstanden, lässt Rückschlüsse über die Gewandung in der Mitte des 13. Jahrhunderts zu, da der „Grundstockmaler“ die Mode der letzten Jahrzehnte dargestellt hat und diese mit den Gewandungen der Naumburger Dombauwerkstatt übereinstimmen.

Cotten im Codex Manesse - 13. Jhd. deutlich sichtbarer Reitschlitz

Cotte im Codex Manesse – 13. Jhd. deutlich sichtbarer Reitschlitz

Cotte im Codex Manesse - 13. Jhd. Stehkragen und Bortenzier an Hals und Handgelenken

Cotte im Codex Manesse – 13. Jhd. Stehkragen und Bortenzier an Hals und Handgelenken

Cotte im Codex Manesse - 13. Jhd. Stehkragen und Knöpfe an Unterarm und Halsausschnitt

Cotte im Codex Manesse – 13. Jhd. Stehkragen und Knöpfe an Unterarm und Halsausschnitt

Maciejowski Bibel ca. 1250  lange schmucklose Cotte

Maciejowski Bibel ca. 1250 lange schmucklose Cotte

Maciejowski Bibel ca. 1250 deutlich erkennbarer Schlitz zwischen den überschlagenen Beinen

Maciejowski Bibel ca. 1250 deutlich erkennbarer Schlitz zwischen den überschlagenen Beinen

Dieses Gewand wird heute als Cotte bezeichnet. Der Schnitt war einfach gehalten und bestand aus einer weiten rechteckigen Vorder- und Rückseite mit eingesetzten Keilen (Geren) in Hüfthöhe, die der Cotte im unteren Bereich ihre Weite gaben.

Sie hatte lange Ärmel und oft einen relativ weiten Halsausschnitt, da sie meistens keinen Schlitz besaß und Knöpfe zum Verschließen des Halsausschnittes noch selten waren, wie beim Burggrafen von Lienz und Meister Rumslant (siehe oben mittleres Bild) in der Manessischen Liederhandschrift. Einige wenige Darstellungen in der Manessischen Liederhandschrift und das berühmte Standbild Ekkehards im Naumburger Dom haben eine Art Stehkragen, der mit einem Band verschlossen wurde. Die Ärmelenden und der Halsausschnitt konnten mit Borten oder Stickereien verziert sein und in der Mannessischen Liederhandschrift sind einige Ärmelenden zu erkennen, die mit Knöpfen verschlossen waren. Funde von Knöpfen in London aus dem 13.Jahrhundert bestätigen die Existenz von Zinnknöpfen.

Die Cotte war aus Wolle oder Leinen gefertigt und da es bedingt durch die Kreuzzüge und den Fernhandel auch Kontakte nach Fernost gab, wird auch Seide verwendet worden sein, war aber sicherlich wegen ihrer Seltenheit und dem hohen Preis dem Hochadel vorbehalten. Feines Leinen war schwierig und aufwändig herzustellen, deshalb auch teurer als Wolle und wurde wahrscheinlich nur vom Adel als Ober-und Unterkleidung getragen.

Wolle ist wesentlich einfacher als Leinen mit natürlichen Farben zu färben. Somit werden farbintensive Kleidungsstücke wohl meistens aus Wolle bestanden haben. Es war zumindest möglich Leinen mit Färbewaid blau zu färben, aber inwieweit Leinen im Mittelalter auch mit anderen Naturfarbstoffen färbbar war und in welchem Umfang dies durchgeführt wurde, ist unbekannt. Das Färben von Leinen war um vieles aufwändiger und die Farben nur blass und wenig licht-und waschbeständig. Da Wollkleidung direkt auf der Haut sehr unangenehm ist, wurde darunter wohl ein Leinenunterhemd getragen.

Über der Cotte wurde oft der Surcot getragen. Das Wort Surcot kommt aus dem Französischen und bedeutet „über der Cotte getragen“. Es gab ihn in sehr vielen verschiedenen Varianten und in unterschiedlicher Länge. Die Ärmel konnten gar nicht; ganz, halb- oder dreiviertel lang, eng, weit oder trichterförmig vorhanden sein und er hatten meistens einen runden oder V-förmigen Halsausschnitt, der oft mit einer Borte verziert war. Eine Form des Surcot hatte einen langen, zum Handgelenk hin enger werdenden Ärmel, der nur am oberen Schulterrand festgenäht war, so dass man die Arme unterhalb durch das halboffene Armloch heraus- strecken konnte.

Surcot Otto im Meißner Dom/Naumburger Meister/ca. 1260

Surcot Otto im Meißner Dom/Naumburger Meister/ca. 1260

Surcot Heinrich Raspe (?) auf der Grabplatte Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein - Mainzer Dom nach 1249

Surcot Heinrich Raspe (?) auf der Grabplatte Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein – Mainzer Dom nach 1249

Surcot Von Obernburg Tf.114 Codex Manesse - 13. Jhd.

Surcot Von Obernburg Tf.114 Codex Manesse – 13. Jhd.

Maciejowski-Bibel - ca. 1250 Surcot mit langen nur an den Schultern angenähten Ärmeln

Maciejowski-Bibel – ca. 1250 Surcot mit langen nur an den Schultern angenähten Ärmeln

Maciejowski-Bibel - ca. 1250 Surcotmit deutlich zu erkennen der Schlitz unter dem Arm

Maciejowski-Bibel – ca. 1250 Surcotmit deutlich zu erkennen der Schlitz unter dem Arm

Maciejowski-Bibel - ca. 1250 Surcot mit langen nur an den Schultern angenähten Ärmeln

Maciejowski-Bibel – ca. 1250 Surcot mit langen nur an den Schultern angenähten Ärmeln

Codex Manesse - 13. Jhd.- fehpelzgefütterte Surcot mit Reitschlitz langärmlig,  gegürtet

Codex Manesse – 13. Jhd.- fehpelzgefütterte Surcot mit Reitschlitz langärmlig gegürtet

Codex Manesse - 13. Jhd.- fehpelzgefütterte Surcot mit Reitschlitz ohne Ärmel mit Borte

Codex Manesse – 13. Jhd.- fehpelzgefütterte Surcot mit Reitschlitz ohne Ärmel mit Borte

Codex Manesse - 13. Jhd.- fehpelzgefütterte Surcot mit Reitschlitz ohne Ärmel mit Knopfverschlüssen

Codex Manesse – 13. Jhd.- fehpelzgefütterte Surcot mit Reitschlitz ohne Ärmel mit Knopfverschlüssen

Codex Manesse - 13. Jhd.- fehpelzgefütterte Surcot mit Reitschlitz langärmlig ohne Gürtel

Codex Manesse – 13. Jhd.- fehpelzgefütterte Surcot mit Reitschlitz langärmlig ohne Gürtel

Wie auf vielen Abbildungen in der Manessischen Handschrift zu erkennen ist, wurde die Cotte und der Surcot oft mit Fehpelz, dem teuren weiß-grauen Fell eines nur in Russland vorkommenden Eichhörnchens gefüttert, um sich so gegen Kälte zu schützen und seinen Reichtum zu zeigen.

Ohne den Surcot wurde die Cotte meist mit einem oft reich verzierten Gürtel getragen, aber auch mit Surcot ist auf den Abbildungen oft ein Gürtel zu sehen.

Text: tf

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