Die Schuhe der Frau

Die Herstellung von Wendeschuhen erfolgte in Handarbeit aus dünnem Deckleder (dünnes Rinds- oder Ziegenleder) und dickem Sohlenleder (meist Rindsleder). Nachdem beide Teile mit der Innenseite nach außen zusammengenäht waren, wurde das Ergebnis durchnässt und „umgekrempelt“. Daher stammt auch das Sprichwort: „Andersherum wird ein Schuh daraus!“

Schuhfund in der Bremer Kogge aus dem 14. Jhd.

Schuhfund in der Bremer Kogge aus dem 14. Jhd.

Schuhe dieser Art hatten den Vorteil dass die Sohle bei Abnutzung austauschbar war, ohne dass man den Schuh komplett entsorgen musste. Es gibt zahlreiche Funde von mittelalterlichen Schuhen in Europa. Besonders bekannt sind die Fundstätten in Schleswig (meist Frühmittelalter), Konstanz und London (auch Funde vieler hochmittelalterlicher Schuhe).

Damen und Herrenschuhe unterschieden sich kaum voneinander. Allerdings gibt es aufgrund der bodenlangen Damenkleidung nur relativ wenige Darstellungen von mittelalterlichen Damenschuhen. Die wenigen Abbildungen die es gibt, bestätigen aber die Annahme, dass es sich um dieselbe Schuhmode handelte.

In Konstanz gefundene Schuhe, die auf das 12.-13. Jhd. datiert wurden, zeigen oft knöchelhohe Stiefel mit Schnürung, teilweise sogar mit Schnallenverschluss. Aber auch Halbschuhe zum Hineinschlüpfen waren oft vertreten.

Die Art und Weise der Gestaltung hing sehr vom Träger ab. Bauern trugen einfache und robuste Schuhe, die auch teilweise aus Lederresten zusammengestückelt worden waren, wie Funde aus London belegen. In höheren Gesellschaftsschichten wurden die Schuhe bisweilen reich verziert. Es sind Funde erhalten, die Durchbruchsarbeiten im Deckleder und Stickereien darauf aufweisen. Teilweise waren Prunkschuhe sogar mit Perlen oder anderen kleine Edelsteinen besetzt, wie auf Darstellungen zu erkennen ist.

reich verzierte Damenschuhe auf einem gesticktem Wandteppich Niedersachsen um 1167

reich verzierte Damenschuhe auf einem gesticktem Wandteppich Niedersachsen um 1167

bestickte Schuhe der Ecclesia Evangeliarbuch um 1200

bestickte Schuhe der Ecclesia Evangeliarbuch um 1200

Grabplatte der Quedlinburger Äbtissin Beatrix ca. 1129

Grabplatte der Quedlinburger Äbtissin Beatrix ca. 1129

Maria und Elisabeth auf der Bronzetür von Nowgorod einfache Streifenverzierung um 1152

Maria und Elisabeth auf der Bronzetür von Nowgorod einfache Streifenverzierung um 1152

reich (mit Edelsteinen besetzt – siehe linkes Bild) bis einfach verzierte Damenschuhe im 12. Jahrhundert

Zum Spätmittelalter hin verlängerten sich die Schuhspitzen, aber bis auf kleinere Änderungen in der Technik blieb die Machart des Wendeschuhs die einzige Art der Herstellung von Fußbekleidung im Mittelalter.

Text: kf

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