Höfische Kopfbedeckungen der Frau

Bereits im Frühmittelalter entstand die Sitte, dass sich verheiratete Frauen die Haare bedeckten. Mädchen oder unverheiratete Frauen trugen auch weiterhin keine Kopfbedeckung. Aus dieser Tradition ist uns bis heute der Ausspruch „unter die Haube kommen“ als Synonym für die Hochzeit erhalten geblieben.

Bilder und Skulpturen aus der Romanik zeigen meist ein längliches Schaltuch. Dieses wurde außer über den Kopf auch um den Hals geschlungen und verhüllte so die Haare vollständig. Durch seine Länge fungierte der Schleier somit auch gleich als Schal und musste nicht weiter auf dem Kopf fixiert werden.

Stiftskirche Quedlinburg Grabplatte der Äbtissin Beatrix I., um 1130

Stiftskirche Quedlinburg Grabplatte der Äbtissin Beatrix I., um 1130

Bronzetür von Nowgorod Maria mit Elisabeth, um 1150

Bronzetür von Nowgorod Maria mit Elisabeth, um 1150

Hortus Deliciarum um 1190

Hortus Deliciarum um 1190

Gustorfer Chorschranken um 1140

Gustorfer Chorschranken um 1140

Dame mit verziertem Schleier ohne Verhüllung des Halses
bereits von einem kronenartigem Schapel gehalten
Kreuzgang der Kathedrale von Arles (Südfrankreich) um 1200
Zum Ende des 12. Jahrhunderts kam das Schapel auf. Dieser meist aus Metall geformte Reif diente dazu, den Schleier, der jetzt eher die Form eines fast quadratischen oder halbrunden Tuches hatte, auf dem Kopf zu halten. Der Schleier bedeckte so zwar die Haare, verhüllte aber nicht mehr das Dekolleté. Diese „Entdeckung der Weiblichkeit“ zeigte sich auch in der Kleidungsmode des Bliauts (siehe Artikel).

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Im 13. Jahrhundert entwickelten sich viele Variationen weiblicher Kopfbedeckungen. Aber der Schleier blieb durch die Jahrhunderte hindurch in seinen Abwandlungen immer vorhanden. Hier zu sehen am Beispiel des Codex Manesse
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Für unverheiratete Frauen galt weiterhin kein Gebot zum Verhüllen der Haare. Jedoch wurde das Schapel jetzt oft ohne einen Schleier auf dem Haar getragen, wie man sehr schön im Codex Manesse  und an den Jungfrauen in Magdeburg  sehen kann.

Die klugen und törichten Jungfrauen an der Paradiespforte des Magdeburger Domes, um 1250

Die klugen und törichten Jungfrauen an der Paradiespforte des Magdeburger Domes, um 1250

Maciejowski-Bibel, Frankreich um 1250

Maciejowski-Bibel, Frankreich um 1250

Die Neuerungen in der Kleidung veränderten auch die Kopfbedeckungen der verheirateten Frau. War die Frau Ende des 12. Jahrhunderts in ihrer äußeren Erscheinung noch relativ freizügig, wurde sie nun zunehmend eingeschränkt.

Besonders im neu aufkommenden Gebende zeigt sich dies sehr deutlich. Dieser breite Stoffstreifen wurde auch Kinnband genannt. Er wurde so um den Kopf gespannt, das er vom Kinn ausgehend, über die Ohren verlief und auf dem Kopf mittels einer Nadel zusammen gehalten wurde. Das schränkte die Dame beim Essen, Reden und Lachen ein, da man den Mund, wie wir aus eigener Erfahrung sagen können, nur noch wenig öffnen kann. Aber auch beim Hören hatte die Frau zunehmend Probleme, denn der Stoffstreifen lag direkt auf den Ohren auf und dämpfte Umgebungsgeräusche teilweise erheblich ab. Damit schränkte sich auch ihr gesellschaftlicher Umgang ein.

Damen mit Schapel und Gebende
Eneit Handschrift 13. Jhd
Damen mit breitem Stoffschapel und Gebende und nur Schapel tragende Damen auf einer Tribüne nebeneinander
Tafel 22 „Herr Walther von Klingen“, Codex Manesse 13. Jhd
verschiedene höfische Kopfbedeckungen in der Maciejowski-Bibel, Frankreich um 1250


Außer den genannten Einschränkungen bot das Gebende jedoch auch die Möglichkeit einen Schleier mittels Gebendenadeln zu befestigen. Oder es wurde ein breites Stoffschapel, wie auf den meisten Bildern aus der Codex Manesse zu sehen, beziehungsweise ein neuartiger „Pillbox-Hut“ , wie bei den Naumburger Stifterfiguren darüber getragen, die reicht verziert sein konnten.
Auch in der Literatur erkennt man, wie wichtig das Gebende in adligen Kreisen war. Der Dichter Wolfram von Eschenbach schreibt in seinem Parzival von einer Frau, die ihr Gebende lockert, „sie gebe sich losen Sitten hin“.

Naumburger Stifterfiguren (hier als Gipsabguss) Regelindis, Gerburg und Uta mit Gebende und Pillbox-Hut; Gepa (Bertha) mit Stoffschapel und darüber liegendem Schleier; Naumburger Meister ca. 1240

Text: kf

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