Kopfbedeckungen des Mannes

Oft wird heute die Meinung vertreten, dass im Mittelalter grundsätzlich Kopfbedeckungen getragen wurden. Für das 12. Jahrhundert gibt es aber nur ganz wenige Darstellungen von Männern mit Kopfbedeckung. Meistens tragen sie nichts auf dem Kopf. Lediglich Juden sind immer mit ihrem typischen spitzen Hüten dargestellt.

Im Hortus Deliciarum gibt es eine einzige Darstellung einer Mütze und auch Bundhauben sind für das 12. Jahrhundert kaum belegt. Dies bedeutet aber sicherlich nicht, dass es in dieser Zeit keine Kopfbedeckungen gab. Vor allem Bauern werden bei der Feldarbeit sicherlich als Schutz gegen Sonne und Wind Kopfbedeckungen getragen haben und auch in adligen Kreisen kamen sie vor.

Hortus Deliciarum
ca. 1180
Halberstädter Karlsteppich ca. 1200 Baptisterium in Parma
ca. 1200

Für das 13. Jahrhundert gibt es schon mehrere Abbildungen, aber auch hier wurden nicht von allen Männern Kopfbedeckungen getragen. Von den Figuren der Naumburger Dombauwerkstatt, tragen von den sieben Herren lediglich drei einen Hut.   
Naumburger Stifterfiguren ca. 1240 – Dietmar, Ekkehard, Wilhelm
In der Manessischen Liederhandschrift sind auch die meisten Männer ohne Kopfbedeckung dargestellt. Aber man sieht auch einige modische ritterliche Kopfbedeckungen,  
Codex Manesse 13. Jhd.
Walther von der Vogelweide
wie die von Walther von der Vogelweide, einen Stoffhut mit fehverbrämter, senkrecht oder leicht nach außen gestellter Krempe. Die Bundhaube scheint im 13.Jahrhundert schon weit verbreitet gewesen zu sein. Vor allem Bauern bei der Feldarbeit tragen sie oft, aber auch einige Ritter in der Mannesischen Liederhandschrift sind mit Bundhauben dargestellt.

Maciejowski-Bibel ca. 1250 – Bundhauben und Strohhüte Codex Manesse – 13. Jhd.
Schenk Ulrich von Winterstetten

Ein weiteres Kleidungsstück das man zu den Kopfbedeckungen zählen kann, ist die Gugel. Sie ist ein separater, kapuzenartiger Wetterschutz mit mehr oder weniger überstehendem Schulterteil und bestand bei der einfachen Bevölkerung  
Gugeln in der Maciejowski-Bibel
und im Codex Manesse (Der Kol von Nüssen)
aus einfachem Wollstoff und bei der Oberschicht aus feinem Wollstoff, der mit Seide oder Pelz gefüttert sein konnte. Der Gugelzipfel war im 12. und 13. Jahrhundert noch relativ kurz und wurde erst im 14. Jahrhundert immer länger.

Seit Mitte des 13. Jahrhunderts trat eine neue modische Tragevariante der Gugel auf. Der Gesichtsausschnitt der Gugel wurde hierfür wulstartig zusammengerollt und so über den Kopf gezogen. Das Schulterteil fiel dabei seitlich oder nach hinten ab und der Zipfel wurde seitlich oder vorne unter den Wulst des Gesichtsausschnittes gesteckt.

Codex Manesse
Der Schulmeister von Esslingen
Codex Manesse
Der tugendhafte Schreiber

Text: tf

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