Boriwo de Tarant

…ist urkundlich von 1216 [1] Nr. 217 bis 1242 [2] Nr. 15 nachweisbar. Als Vasall des Markgrafen von Meißen, Dietrich des Bedrängten, war er Burghauptmann der Tharandter Burg, welche errichtet wurde, um die Gebietsansprüche der Wettiner gegen den Burggrafen von Dohna durchzusetzen. Jener beherrschte das Weißeritz- und Müglitzgebiet und versuchte ebenfalls weitere Gebiete zu besiedeln, indem er Waldhufendörfer auch nördlich der Weißeritz anlegen ließ.

Der genaue Entstehungszeitpunkt der Tharandter Burg ist nicht bekannt, jedoch ist zu vermuten, dass sie zwischen 1206 und 1215 errichtet wurde. Am 9. Februar 1223 wird Boriwo in einer Urkunde des Bischof Bruno II als „Borowi miles honestus“ – edler Ritter – bezeichnet, man kann also davon ausgehen, dass er ein Ministerialer, ritterbürtig war. (vgl. v. Fürth. Die Ministerialen) Aktuell ist die Ansicht verbreitet, dass Boriwo von der Burgbesatzung Döbelns nach Tharandt kam. (Frühere Behauptungen, er stamme aus dem Vinschgau, gelten inzwischen als widerlegt.)

Boriwo gründete Pohrsdorf als Boriwois Dorf und errichtete dort eine Turmhügelburg. Diese diente ihm auch zum Schutz der Alten Meißner Landstraße, die auch als Pilgerweg vom Kloster Altzella und Meißen nach Böhmen diente.

Sein Name ist auch mit Großopitz verbunden – welches er 1215 aus eine vorhandene slawische Siedlung germanisierte. Nach 1223 gründet er Braunsdorf [4] S. 14. Als Markgraf Dietrich 1221 starb, kam es zu einem Kriegszug Ludwigs des Heiligen, Landgraf von Thüringen, gegen die Mark Meißen. Es heißt, er habe das Erbe des minderjährigen Heinrich – Sohn Dietrichs, sein Neffe und Mündel – sichern wollen. Zumindest brennt in diesem Zusammenhang die Burganlage in Tharandt 1223 [5] S. 290 ab. Sie wird aber schon ab 1240 wiedererrichtet und erweitert. Die heute vorhandenen – wenn auch noch nicht vollständig ergrabenen Grundmauern entsprechen diesem Bau – auch wenn die sichtbaren Teile der Burgruine leider verfälscht wurden, als man die zum Steinbruch verkommene Anlage um 1800 im Sinne der Romantik teilweise „rekonstruierte“. So sind sowohl die gotisch ausgemauerten Fensteröffnungen wie auch der Balkon „moderne“ Zutaten, die so nicht dem Original entsprechen.

Urkunden belegen, dass Boriwo auch in der neuen Burg als Burgvogt tätig war, bis sich seine Spur nach einer letzten Urkunde aus dem Jahr 1242 verliert.

Weitere Urkunden sprechen von seinem Sohn Christian (gemeinsam als Zeugen 1242) de Tarant, auf der Urkunde 1242, da aber schon Christianus de Lewenstein (Lauenstein). Zum Landding 1220 wird sein Bruder Thimo erwähnt (1220 „Borewei et germanus eius Thimo“) [1] Nr. 279

Später tauchen noch Herrmann de Tarant (1300) [3] Nr. 300 und Friczko de Tarandia (1350) in Ortsregistern auf. Deren Verwandschaft mit Boriwo ist nicht zwingend …
1452 Heinrich Tarant wird dem Geschlecht des Boriwo de Tarant zugeordnet [4] S. 27

Text: Kephas Kuhn

Quellen:
[1] Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae, Urkunden der Markgrafen von Meißen
[2] Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae, Urkundenbuch der Stadt Freiberg
[3] Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae, Urkundenbuch der Stadt Grimma und des Klosters Nimbschen
[4] Erhard Heinze: Heimat-Geschichte Braunsdorf (Wilsdruff) 2003
[5] Ferdinand Wachter: Geschichte Sachsens, 2. Teil, Leipzig 1830

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