Von den Tücken der Planung – Die Verpflegung

Nach dem die Hintergrundgeschichte und der grobe Ablauf des Historienspiels feststand, ging es an die Planung der Verpflegung. 20 Erwachsene und 7 Kinder müssen für 3 Tage verpflegt werden, möglichst im Kontext des Historienspiels.

Es gilt also zum Einen, die Regionalität und Saisonalität zu beachten, zum Anderen den Umstand des Reiselagers zu bedenken. Wir planen also mit Zutaten, die im Frühling entweder aus Lagerbeständen oder bereits frisch in Mitteldeutschland zur Verfügung standen, und die wir entweder als Reiseproviant hätten mitführen können oder im Dorf des fiktiven Kloster hätten bekommen können. Für die Zubereitung würden wir uns wie im Jahr zuvor wieder einen eigenen kleinen Küchenbereich mit Kochstelle, Abwaschmöglichkeit und Arbeitsfläche einrichten.

Unsere Lagerküche

Für Samstag Mittag haben wir uns für die Option Reiseproviant entschieden. Verschiedene gebackenen Köstlichkeiten wie Käsepastete, Maronenkuchen oder Brot sowie haltbarer Schinken und Käse kamen auf den Tisch, ergänzt um Eier und Butter aus dem Dorf. Für Sonntag Mittag haben wir wie so häufig in dieser Jahreszeit Ackerbohnen eingeplant, die bereits im Frühling als erste Hülsenfrucht frisch geerntet und genossen werden kann. Dazu sollte es Speck und Buchweizen aus dem Vorrat des Dorfes geben. Montag Mittag planten wir Hirsebrei mit Apfelkompott und Pflaumen.

Für die Abendmahlzeiten am Samstag und am Sonntag wollten wir etwas Feineres auftafeln, schließlich mussten Gäste bewirtet werden und das Ansehen des Hauses Donin gewahrt bleiben. Es sollte also jeweils ein Fleischgericht werden, ergänzt durch Gemüse der Saison und Brot oder Getreide. Die Wahl fiel auf Salbei-Hühnchen mit Spargel und Getreidebrei für Samstag Abend und auf Kaninchen mit einer Kichererbsenbeilage, Radieschensalat und Brot für Sonntag Abend. Für unsere Reisegruppe hätten wir die Hühner und Kaninchen vom Dorf des fiktiven Klosters bzw. des örtlichen Jägers beziehen können, sowie die meisten anderen Zutaten auch. Getreide und Brot hätten wir vermutlich noch im Reiseproviant gehabt oder ebenfalls im Dorf bekommen.

So weit die Planung … Wir mussten dann feststellen, dass

  • wir im Dorf des fiktiven Klosters sehr beliebt gewesen sein müssen, wir bekamen die größten und fettesten Hühner überlassen – dafür war die Butter ranzig und die Sahne rar und wir mussten das Rezept abwandeln
  • die Kaninchen einen guten Winter gehabt haben müssen, so groß und schwer wie diese waren – zusätzlich schwärmte die adlige Herrschaft von einem Kaninchengericht, dass sie von Gesandten aus al-Andalus einst bei einem anderen Hoftag serviert bekommen hatten, konnten der Köchin aber nichts genaueres dazu sagen
  • unsere Gewürze leider die bisherige Reise nicht gut überstanden hatten, wir beim fiktiven Kloster um Ersatz bitten mussten und nun mit anderen Gewürzen arbeiten mussten als geplant – was uns aber sehr entgegen kam, denn so konnten wir das Ganze der adligen Herrschaft als „andalusisch“ glaubhaft machen

Nach dem Proviantmittag am Samstag wechselten sich also ab dem Nachmittag die Töpfe über dem Feuer ab, um 5 große Hühnchen, einen Topf grünen Spargel und einen Topf Getreiderisotto für das Abendmahl zu kochen. Auf Grund der fehlenden Butter konnten wir die Hühnchen nicht wie laut Rezept vorgesehen anbraten, sondern kochten diese in gewürzten Wasser gar. Das ergab dann so viel leckere Brühe, dass wir das Getreiderisotto aus Weizen und Dinkel in einem der beiden Hühnerbrühentöpfe garen ließen, während die Hühner etwas abkühlten und dann auseinander gepflückt wurden. Mit ein bisschen Sahne, viel Salbei und etwas Zitrone wurde daraus in dem zweiten Hühnerbrühetopf ein Salbei-Hühnchen, dass auch in der abgewandelten Form und zusammen mit dem Getreiderisotto und Spargel den adligen Damen und Herren sehr geschmeckt hat. Auf Grund der großen Hühner hatten wir nun aber die doppelte Menge als ursprünglich geplant.

So hätte es aussehen sollen (Karfunkel Allerley Tafeley 1)
Wir haben die Hühner gekocht statt angebraten

Für Sonntag Mittag wurde also das erste Mal umgeplant. Statt dem Speck in den Ackerbohnen reichten wir das restliche Salbeihühnchen dazu, statt dem Buchweizen gab es das jetzt gut durchgezogene Getreiderisotto und wer keine Ackerbohnen mochte, konnte sich noch vom restlichen Spargel bedienen.

Dann kamen die Kaninchen auf die Arbeitsfläche, um für das Abendmahl zerteilt zu werden. Zum Glück schickte uns der Jäger des Dorfes des fiktiven Klosters seine Frau zu Hilfe, die sich der 6 Kaninchen annahm. Aus irgendeinem Grund war währenddessen die Burggräfin komplett verschwunden, die wir sonst immer dezent daran erinnern müssen, dass es unschicklich ist, wenn sie als adlige Dame in der Küche auftaucht … Während also die Frau des Jägers die Kaninchen zerteilte, wurde Wurzelgemüse geschnitten, Kichererbsen gegart und Radieschensalat zubereitet. Statt der üblichen Gewürze (Lorbeer und so …) gaben Zimt, Kreuzkümmel, Mandeln und getrocknete Aprikosen zusammen mit Traubensaft und einem Rest Sahne unseren Kaninchen den andalusischen Geschmack, der hervorragend durch die Kichererbsen mit Ziegenkäse und Ei abgerundet wurde. Der Radieschensalat sorgte für Frische und griff mit seinen Äpfeln als zweiten Bestandteil die Fruchtigkeit des Kaninchens auf. So waren sowohl Abendmahl am Sonntag gerettet als auch die adligen Herrschaften glücklich über das Kaninchen „al-Andalus“, aber wir hatten wieder die doppelte Menge als ursprünglich geplant.

Kaninchen zerlegen
Kaninchen al-Andalus, Kichererbsen mit Ziegekäse und Ei, sowie Radieschensalat

Für Montag Mittag wurde also das zweite Mal umgeplant. Da die Hirse, das Apfelkompott und die Pflaumen sich noch eine Weile halten würden, blieben diese in den Vorratstruhen und wir wärmten das Kaninchen nochmal auf und reichten die restlichen Kichererbsen dazu sowie die Reste des Radieschensalats. Vom Kaninchen blieb dann immer noch ein kleiner Rest übrig, den wir sicher einpackten und für die nächste Station mitnahmen, denn für Montag war ja nach dem Mittagessen die Weiterreise geplant.

Nebenbei haben wir auch unseren kleinen Ofen ausprobiert, aber darüber berichten wir noch getrennt.

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