Das Schwert 1150 bis 1250

Das Schwert war die Waffe mit dem höchsten Prestige und Symbolgehalt. Seine gesellschaftliche Bedeutung spiegelt sich bei vielen Zeremonien, wie Krönung und Schwertleite wieder und es war Symbol der weltlichen Macht.

Schwerter 12. und 13. Jhd.
Der Preis für ein gutes Schwert war enorm hoch und nur Leute von Stand konnten es sich leisten. Die Qualität der Klinge hing von der Schmiedekunst des Schwertschmiedes ab. Sie musste hart und scharf genug sein, um Kettenzeug zu durchdringen, aber noch so elastisch, um beim Zusammenprall mit einer anderen Klinge nicht zu zerbrechen. 
Das erreichte man durch die richtige Mischung von Stahl und Eisen um einen weichen Kern und eine harte Schneide zu erhalten.

Schwerter 12. und 13. Jhd.
Schwerter 12. und 13. Jhd.
 

Ein gutes Schwert muss auch zu seinem Träger passen, gut ausbalanciert sein und so etwas wie eine Verlängerung des Armes darstellen. Die richtige und effektive Handhabung erfordert ein ständiges Training, Erfahrung und sicher auch Talent. Leider gibt es für das 12. und 13.Jahrhundert keine Aufzeichnungen über Schwertkampftechniken. Das älteste überlieferte Fechtbuch, das ,,Manuskript I.33´´ stammt vom Ende des 13. Jahrhunderts und bezieht sich auf den Schwertkampf mit Schwert und Faustschild. Bis zur Mitte des 13.Jahrhunderts wurde mit dem einhändig geführten Schwert und mit dem Schild gekämpft. Schläge wurden mit dem Schild pariert und nur selten kam es zum direkten Kontakt der Klingen.

Schwertkampftechniken dieser Zeit lassen sich daher nur durch Versuche rekonstruieren.
Einhandschwert und Schild

Dabei zeigt es sich wie schwer es ist, die Deckung des Gegners zu umgehen und einen effektiven Schlag zu führen. Die einzige Möglichkeit bestand darin, den Gegner zu provozieren, ihn zum Reagieren zu zwingen und so, während er sein Schild zur Abwehr bewegte, eine Lücke in seiner Deckung zu schaffen. Gekämpft wurde dabei mit allen Mitteln und Schläge mit dem Schild und Tritte gehörten dazu.

Die Schwerter des 12. und 13. Jahrhunderts waren Hiebschwerter. Da sie sich zu ihrer Spitze hin verjüngten, waren natürlich auch Stiche möglich, effektiv bei leichten oder ungerüsteten Gegnern. Bei gerüsteten Gegnern waren kräftige Hiebe notwendig, um Kettenzeug und Helm zu durchdringen und schwere Wunden oder Knochenbrüche zuzufügen. Geht man nach der sich durchgesetzten und gängigen Einteilung nach E.Oakeshott, so sind es Schwerter der Kategorie Xa bis XIII. Mit Klingenlängen von 750 bis 960mm, Gesamtlängen von 900 bis 1100mm, Klingenbreiten von 40 bis 55mm und Gewichten von 950 bis 1200g. Die Klinge war zweischneidig, verjüngte sich zur Spitze hin, hatte einen konvexen Schliff für einen spaltenden Hieb und eine beidseitige Hohlkehle, die meistens über 4/5 der Klingenlänge verlief. Die Parierstange war gerade oder leicht zur Klinge hin gebogen. Die Knaufformen waren sehr vielfältig, es gab Pilz-, Pagoden-, Radnaben und kronenförmige Knäufe, wobei nach 1200 der Paranussknauf wohl sehr in Mode war. Verzierungen aus Gold und Silber oder mit Edelsteinen gab es, wenn überhaupt, nur beim Hochadel. Oft waren die Klingen mit den Initialen des Herstellers oder mit religiösen Inschriften versehen. Bei der Wahl seines Schwertes spielten sicherlich die Körpergröße und Vorlieben eine große Rolle. Wenn ein Schwert hauptsächlich vom Pferd aus benutzt wurde, war es sicherlich länger, als das Schwert eines am Boden kämpfenden.

Pilzknauf (1) Pagodenknauf (1) Radnabenknauf (1) Kronenförmiger Knauf (1) Paranussknauf (1)
Klingenquerschnitt (1) Einteilung nach Oakshott (1)

Die Schwerter wurden in Scheiden aus Holz, welche mit Leder überzogen waren, aufbewahrt. Sie besaßen meist ein hufeisenförmiges Ortband und waren innen zum Schutz gegen Feuchtigkeit mit eingefettetem Wollstoff oder mit Ziegenfell gefüttert. Dieses Ziegenfell verhinderte auch, durch die in Richtung Schwertspitze gerichteten Haare, ein unbeabsichtigtes Herausrutschen des Schwertes. Die Scheidenöffnung bestand aus weichem Leder, das dreieckig zugeschnitten war und den Übergang von der Klinge zum Griff abdeckte, so dass weder Schmutz noch Feuchtigkeit eindringen konnte. Die Befestigung am Schwertgurt erfolgte durch die geteilten, z-oder kreuzförmig um die Scheide gewundenen Enden des Schwertgurtes. Im 12. Jahrhundert wurden die Enden des Gurtes verknotet, ab Mitte des 13. Jahrhunderts auch mit Schnallen versehen. Wer noch mehr und genaueres über Schwerter erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch von Thomas Laible ,,Das Schwert – Mythos und Wirklichkeit´´.

Hortus Deliciarum Eneas Handschrift Gewölbemalerei in der Krypta der Stiftskirche Quedlinburg um 1170 (2)


In Silber eingelegte Inschrift in einer Hohlkehle + NRADNRAD…(Bedeutung unklar), Schwert um 1200, DHM Berlin

Hortus Deliciarum Schwertgurt Schwertgurt 12. Jhd. Ortband Kreuzfahrerheer
Friedrichs I. 1195-97 (Codex 120 I)
Schwertgurt mit Ortband und Schnalle
Maciejowski Bibel um 1250
Schwertgurt 13. Jhd. Naumburger Stifterfigur Ekkehard um 1250
Schwertgurt geknotet
Maciejowski Bibel um 1250
Schwertscheide mit eingefettetem Wollstoff

(1) Bilder aus dem Buch von Thomas Laible ,, Das Schwert Mythos und Wirklichkeit´´ ISBN:978-3-938711-05-7
(2) Bild aus dem Buch von Friedemann Goßlau/Rosemarie Radecke ,,Die Stiftskirche zu Quedlinburg´´
ISBN:3-9806120-7-4

Text: tf