Der Helm 1150 bis 1250

Der Helm 1150 bis 1250

Mitte des 12. Jahrhunderts herrschte der Nasalhelm vor, der konisch oder halbrund gewölbt war und in vielen verschiedenen Varianten auftrat. Er konnte aus einem Stück getrieben sein oder aus 4 Teilen bestehen, die durch eine kreuzförmige Spange und einen Stirnreif verstärkt waren. Ein einfacher Nasal schützte seinen Träger gegen Hiebe ins Gesicht. Unter diesem Helm wurde eine gepolsterte Kappe, der sogenannte batwat getragen. Er diente als Auflage für den Helm und verhinderte zusammen mit dem Kinnriemen, das der Helm wackelte und dämpfte Schläge auf den Kopf ab.

Nasalhelm
Bronzetür von Nowgorod
1152 in Hildesheim gefertigt
Fragment einer Ritteraquamanile
Hildesheim Ende 12. Jhd.
Abbildung aus dem Hortus Deliciarum
Nasalhelm im Hortus Deliciarum Die gepolsterte Kappe (batwat) wurde unter dem Nasalhelm getragen

Die Einführung neuer Lanzenkampftechnik war von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung der ritterlichen Schutzbewaffnung. Bei dieser neuen Kampftechnik kam es für den Verteidiger darauf an, die mit großer Wucht auf sein Schild auftreffende Lanzenspitze durch eine Drehung derselben abzulenken. Diese Technik barg die Gefahr, dass die gegnerische Lanze in Richtung Gesicht abgleiten konnte. Der Schutz durch den Nasalhelm war natürlich völlig unzureichend, so dass schon Mitte des 12. Jahrhunderts die ersten Visierplatten eingeführt wurden, die man anstelle des Nasals am unteren Rand der Helmkalotte festnietete. Gegen Ende des 12.Jahrhunderts wurde das mit Atemlöchern versehene Gesichtsvisier durch einen Nackenschutz ergänzt, der aber noch nicht mit der Gesichtsplatte verbunden war.

Helme mit Gesichtsplatte und Nackenschutz
linkes Bild: Eneas des Heinrich von Veldeke um 1200
Staatsbibliothek Berlin

Um 1200 tauchen dann die ersten Topfhelme auf, dessen wesentliche Erkennungsmerkmale der flache Scheitel und der rundum geschlossene Gesichts-, Seiten-und Nackenschutz sind. Dieser neue Helmtyp bot nun genügend Schutz, hatte aber auch einige Nachteile. Er wog etwa 5 bis 7kg, die Luftzufuhr war durch die wenigen Atemlöcher ungenügend und das Gesichtsfeld stark eingeschränkt. Seinen größten Durchmesser wies der frühe Topfhelm im Bereich des oberen Randes auf, was die Einführung eines ringförmigen Polsters erforderlich machte, damit er nicht auf dem Kopf wackelte.

Topfhelm Topfhelm in der Maciejowski Bibel

Gegen Mitte des 13.Jahrhunderts entwickelte sich ein Typ mit konischem Scheitelstück, an dem ein von oben geführter Hieb leichter abglitt. Daneben gab es noch andere Helmtypen, wie den Eisenhut und die Hirnhaube, die erstmals zu Beginn des 13.Jahrhunderts auftraten. Der Eisenhut wurde hauptsächlich von der Infanterie getragen, da er gut gegen Hiebe von oben schützte und ein großes Gesichtsfeld frei ließ. Die Hirnhaube, eine enganliegende, die Stirnpartie und Schädeldecke schützende Eisenkappe, wurde unter und über der Kettenkapuze getragen.

Eisenhut in der
Maciejowski Bibel
Eisenhut Hirnhauben in der Maciejowski Bibel
Helm mit konischem Scheitelstück Originalhelm mit konischem Scheitelstück um 1300

Alle hier aufgeführten Helmtypen traten im 13.Jahrhundert gleichzeitig nebeneinander auf, wie in historischen Darstellungen gut zu erkennen ist.

verschiedene Helmtypen Maciejowski Bibel

Text: tf