Kopfbedeckung des Mannes

Kopfbedeckungen im Allgemeinen

Auch hier stehen uns Buchmalereien und Plastiken als Quellen für Kopfbedeckungen des 12. und 13. Jahrhunderts zur Verfügung. Bei der Nutzung dieser Quellen muss man jedoch berücksichtigen, dass viele Darstellungen idealisiert sind, da sie einem bestimmten Zweck dienten. Bei Buchmalereien sind es zudem häufig nur Miniaturen mit geringem Detailierungsgrad, wobei konstruktive Details gewöhnlich nicht zu erkennen sind.

Die im folgenden herangezogenen Quellen sind Codex Manesse (ca. 1300-1340), Maciejowski-Bibel (um 1250), Hortus Deliciarum (spätes 12. Jhd.) und die Eneit Handschrift (Ms. germ. fol. 282 , um 1220/1230).

Die ausgewählten Bilder zeigen nur exemplarisch die verschiedenen Ausprägungen an Kopfbedeckungen. In den genannten Quellen sind eine Vielzahl von Bilder zu finden und so legen wir jedem das Quellenstudium für weitere Informationen nahe. Wir möchten euch hier neben den Quellen aber auch Adaptionen zeigen, die wir in unserer Gruppe tragen.

Wir beschränken uns hier auf die zivilen Kopfbedeckungen. Alle Rüstungsvarianten werden in einem eigenen Kapitel behandelt.

Tatsächlich ist es in der Darstellung gar nicht so unüblich, dass ein Mann ohne Kopfbedeckung gezeigt wird. Die Abbildungen adeliger Herren zeigen deutlich häufiger keiner Kopfbedckung als die der einfachen Bevölkerung. Die gepflegte lange Haarpracht ist hier durchaus als idealisiertes Standessymbol zu verstehen.

Schapel

Das Schapel als schmaler Stirnreif aus Metall ist vielfältig in der höfischen Darstellung zu finden und wird direkt auf dem Haar getragen. In Codex Manesse ist dieser vielfach abgebildet, im der Kreuzfahrerbibel findet man dagegen einzig Kronen bei den Herrschenden.

Schapel des Grafen Otto von Beutenlauben; Codex Manesse
Schapel aus Messing, mit aufgesetzten Zierelementen

Bundhaube

In den erhaltenen Bildtafeln des Hortus Deliciarum gibt es nur eine einzige Darstellung einer Mütze. Auch Bundhauben sind in den Darstellungen des 12. Jahrhunderts kaum belegt. Daraus abzuleiten, dass solche nicht getragen wurden wäre aber zu gewagt. Die Darstellungen gerade arbeitender Bevölkerungsschichten ist einfach zu selten um eine Aussage treffen zu können. Für alle Tätigkeiten im Freien, z.B. bei der Feldarbeit, ist ein Schutz gegen Sonne und Wind einfach notwendig.

Dass die Bundhaube im 13.Jahrhundert nicht nur von arbeitenden Bevölkerungsschichten getragen wurden, zeigen die Darstellungen einiger Ritter im Codex Manesse und vielfältig in der Kreuzfahrerbibel.

Bundhaube des Kristan von Hamle; Codex Manesse
Bundhaube, MS M.638, fol.3r
einfache Bundhaube aus Leinen
Bundhaube Baptisterium in Parma ca 1200

Hüte im Adel

Für das 13. Jahrhundert gibt es schon mehrere Abbildungen, aber auch hier wurden nicht von allen Männern Kopfbedeckungen getragen. Von den Figuren der Naumburger Dombauwerkstatt tragen von den sieben Herren lediglich drei einen Hut. Detailaufnahmen der Naumburger Stifterfiguren Dietmar, Ekkehard, Wilhelm von ca. 1240 sind auf der Webseite des Naumburger Doms zu finden.

Die Bandbreite von Hutformen und Gestaltungsvarianten ist im späten 13. Jahrhundert sehr breit und wir können hier nur exemplarisch einige Versionen nennen.

Jagdhut

Jagdhüte findet man tatsächlich meist in der Darstellung von Jagden. Als Wetterschutz ist von Schurwolle als Außenmaterial auszugehen. Das Futter ist meist in kontrastierender Farbe dargestellt. Teilweise ist eine zusätzliche Schnur zur Sicherung des Hutes vor Verlust zu sehen.

Heinrich Hetzbold von Weißensee
Jagdhut; Wolle mit Leinen gefüttert
Jagdhut aus gewebter Wolle gefüttert mit Naturleinen

Kappe

Abbildungen von Kappen finden sich in verschiedensten Formen, aufgrund der Faltenbildung könnte man von eher weichem Material ausgehen. Inwieweit phrygische Mützen tatsächlich getragen wurden ist schwer zu belegen. Da diese in Zusammenhang mit historischen Persönlichkeiten vorkommen, wäre es auch möglich das die antike Hutform den historischen Bezug verstärken soll.

phrygische Mütze, Horus Delicarium ca. 1180
Cato, Halberstädter Karlsteppisch
2.V. 13. Jh.
Seneca, Halberstädter Karlsteppich 2.V.13.Jh.
Kappe aus gefilzter Wolle
Markgraf Ekkehard, Naumburger Dom
Wilhelm, Naumburger Dom
Kappe aus Leinen

Pfauenfedernhut

Eine Sonderform ist der rein zu repräsentativen Zwecken genutzte Pfauenfedernhut. Der Pfau als solches wurde bereits im Altertum in Europa gezüchtet und erfreute sich im Mittelalter auch an der höfischen Tafel besonderer Beliebtheit. Das wir den Pfau mit Eigenschaften wie eitel und putzsüchtig gleichsetzen, hat sich bereits imMittelalter herausgebildet.

Pfauenfederhut des Ulrich von Gutenberg, Codex Manesse
Heinrich der Erlauchte mit Pfauenfederhut; Codex Manesse


Zinnhut

Zinnenhüte sind im Codex Manesse mehrfach nachweisbar. Die Anzahl der Ecken und das Material varieren, gemein ist ihnen die etwas nach außen gestellte Form, die Kappe in intensiver Farbe teilweise mit einer Art Bommel auf dem Scheitel

Zinnenhut auf der Tafel des Burggraf von Linz; Codex Manesse
Graf Dietmar, Naumburger Dom
Interpretation mit Pelzbesatz
Zinnenhut aus 8 Platten; Wolle und Leinen
Zinnenhut aus Wolle, leinengefüttert

Weitere Hüte

Es gibt noch eine Vielzahl anderer Hüte die Erkennungszeichen für Religion und Stand sind. Bilder zu Pilgerhut, Judenhut und Kopfbedeckung der Geistlichkeit (Mitra etc.) folgen hier wenn wir passende Beispiele haben.

Dietmar von Ast Pilgerhut; Codex Manesse
Jüdische Kopfbedeckung Hortus Delicarium Tafel 2
geistliche Kopfbedeckung Hortus delicarium Tafel 2

Strohhut

Strohhüte sind in vor allem in Abbildungen von Feldarbeit nachweisbar, ein sicheres Zeichen, dass sie günstig herzustellen waren und dem Wetterschutz dienten. Sie wurden von allen Bevölkerungsschichten getragen, wie uns die Maciejowski-Bibel zeigt. Hier sind ein Knecht und sein Herr in Bildern gemeinsam mit Strohhüten dargestellt. Dabei sieht man bei der einfachen Bevölkerung die geflochtene Struktur des Hutes, wärend die Version der höheren Gesellchaftsschichte eine ebene Oberfläche und unterschiedliche Farbigkeit zeigt, bei gleicher Grundform.

Strohhüte unterschiedlicher Art, MS M.638, fo. 17v.
Hut in Form der Kreuzfahrerbilbel (allerdings nicht aus Stroh sondern Wasserhyazinthe….)

Gugel

Ein weiteres Kleidungsstück, das man zu den Kopfbedeckungen zählen kann, ist die Gugel. Sie ist ein separater, kapuzenartiger Wetterschutz mit mehr oder weniger überstehendem Schulterteil und wurde von allen Bevölkerungsschichten getragen. Bei der einfachen Bevölkerung bestand diese sicher aus einfachen Wollstoff, in der Oberschicht aus sehr feinem Wollstoff, wenn man dem Faltenwurf der Bilder glaubt, und sie war mit Pelz oder kontrastierendem Stoff, auch Seide gefüttert. Der Gugelzipfel ist in den Darstellungen des 12. und 13. Jahrhundert im Vergleich zur späteren Mode noch sehr kurz.

Seit Mitte des 13. Jahrhunderts trat eine neue modische Tragevariante der Gugel auf. Der Gesichtsausschnitt der Gugel wurde hierfür wulstartig zusammengerollt und auf den Kopf gesetzt. Das Schulterteil fällt dabei entweder seitlich oder nach hinten ab und der Zipfel wurde seitlich oder vorne unter den Wulst des Gesichtsausschnittes gesteckt. Aus dieser Tragevariante entwickelte sich später das Schaperon.

Gugel des Burghard von Hohenfels; Codex Manesse
Gugel des Markgraf Otto von Brandenburg; Codex Manesse
aufgerollte Gugel, leinengefüttert

Text: ks