Schuhe


Schuhfund aus der Bremer Kogge um 1380

Die Herstellung von Wendeschuhen erfolgte in Handarbeit aus dünnem Deckleder (dünnes Rinds- oder Ziegenleder) und dickem Sohlenleder (meist Rindsleder). Nachdem beide Teile mit der Innenseite nach außen zusammengenäht waren, wurde das Ergebnis durchnässt und „umgekrempelt“. Daher stammt auch das Sprichwort: „Andersherum wird ein Schuh daraus!“

 
Maciejowski Bibel um 1250
knöchelhohe Schuhe bei einfacher Bevölkerung

Schuhe dieser Art hatten den Vorteil dass die Sohle bei Abnutzung austauschbar war, ohne dass man den Schuh komplett entsorgen musste. Es gibt zahlreiche Funde von mittelalterlichen Schuhen in Europa. Besonders bekannt sind die Fundstätten in Schleswig (meist Frühmittelalter), Konstanz und London (hier wurden auch viele hochmittelalterlichen Schuhe gefunden).

In Konstanz gefundene Schuhe, die auf das 12.-13. Jhd. datiert wurden, zeigen oft knöchelhohe Stiefel mit Schnürung, teilweise sogar mit Schnallenverschluss. Aber auch Halbschuhe zum Hineinschlüpfen waren oft vertreten.

 
Bronzetür von Nowgorod – 1152 in Magdeburg entstanden
verzierte und einfache Schuhe

Die Art und Weise der Gestaltung hing sehr vom Träger ab. Bauern trugen einfache und robuste Schuhe, die auch teilweise aus Lederresten zusammengestückelt worden waren, wie Funde aus London belegen. In höheren Gesellschaftsschichten wurden die Schuhe bisweilen reich verziert. Es sind Funde erhalten, die Durchbruchsarbeiten im Deckleder und Stickereien darauf zeigen. Teilweise waren Prunkschuhe sogar mit Perlen oder anderen kleine Edelsteinen besetzt, wie auf Darstellungen zu erkennen ist.

Westportal der Kathedrale von Arles
um 1170
verzierte Halbstiefel
Hortus Deliciarum
um 1180
Halbschuhe mit Rautenmuster
Kapitelschmuck in der Marienkirche
in Gelnhausen um 1210
einfache Halbschuhe

Zum Spätmittelalter hin verlängerten sich die Schuhspitzen, aber bis auf kleinere Änderungen in der Technik blieb die Machart des Wendeschuhs die einzige Art der Herstellung von Fußbekleidung des Mittelalters.

Text: kf

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