Von den Tücken der Planung – Was hält eigentlich die Jugend von unsereren Plänen?

Eine Herausforderung bei Rollenspielen/Living History aller Art ist es, die Kinder und Teenager einzubinden. Das ist bei „freien“ Wochenenden im Museum/Lager natürlich auch nochmal einfacher, als wenn wir, wie in Düppel, noch Programmpunkte abzudecken haben.

Die Kleineren (bei uns aktuell so 3-4 Jahre) sind mit ihrer Spielecke mit Bausteinen, Holz- und Stofftieren und Bällen noch ganz zufrieden. Bei den Älteren ist es schon schwieriger. Hier versuchen wir, diese in die Küchen- und Haushaltsarbeiten mit einzubeziehen. Alternativ gibt es Handarbeits- und Schwertkampfstunden. Aber wie sind unsere Ideen angekommen? Wir wollen hier ganz bewusst mal die Kinder, Teenager und jungen Erwachsenen zu Wort kommen lassen

Kommentar von Thimo von Radeberg (in Darstellung)

„Zu Pfingsten traten wir, die Mark Meißen, im Museumsdorf Düppel auf. Dieses mal, anders als in unserem letzten Lager, hatten wir uns wieder vorgenommen, ein Rollenspiel durchzuführen. Mir lag die Rolle des Knappen des Burggrafens inne. Da wir auf die Reise zum Hoftag keine Pagen mitgenommen hatten, oblag es diesmal mir, dem Burggrafen, seiner Frau und den Gästen an der Hohen Tafel das Essen zu servieren. Dazu erledigt der Knappe aber auch andere Aufgaben, die ihm sein Ritter gibt. Ich habe dieses Mal zum Beispiel den neuen Schild des Burggrafen bemalt. Warum? Der originale Schild des Burggrafen ist auf der Reise (fiktiv) beschädigt wurden. Da ein Burggraf aber die lange Reise zum Hoftag nicht ohne Wappenschild antreten wird, erhielt ich von meinem Ritter den Auftrag, einen neuen Schild aus einem anderen Lager zu besorgen und sein Wappen, das Geweih eines Hirsches, aufzumalen. Als Erstes fertigte ich also eine Schablone vom Wappen an, um es dann auf das Schild zu übertragen. Danach musste der Schild blau angemalt werden, während das Geweih die weiße Grundierung behielt. Die Farbe mischte ich vor Ort aus blauem Pigment und Eigelb an.

Darüber hinaus gab es Kampftraining. Mein Fokus lag auf dem Schwertkampfunterricht. Ich lernte verschiedene Techniken, die Grundlage für alle sind die Meisterhäue. Man muss natürlich auch ein gewisses Benehmen an den Tag legen. Ein Knappe muss sowohl höflich als auch respektvoll auftreten. Ich soll meinen Ritter dazu noch bei Turnieren unterstützen, indem ich ihm zum Beispiel in die Rüstung helfe und seine Ausrüstung trage.

Es war mein ersten richtiges Rollenspiel und ich war positiv überrascht. Es hat mir viel Spaß gemacht, sowohl das Schwerttraining als auch das Anfertigen des Schildes. Am meisten gefällt mir immer das Schwerttraining, natürlich gibt es manchmal auch Momente, die mir nicht gefallen. Dazu zählen Momente, wenn wir die Zeit von damals getreu nachstellen. Bei Banketten, wo man sich immer an die Etikette halten muss, da man sowas einfach nicht gewöhnt ist. Dennoch ist es immer eine tolle Erfahrung und ich bin froh, dass ich in dem Verein bin und mich als Mitglied zählen darf.“

Ein Kommentar von Elisabeth (in Darstellung)  – unseres Gastes, die mal eine junge Dame darstellen möchte:

„Auch wenn Zelten nicht meine erste Wahl wäre, macht es in einer großen Gruppe und im historischen Stil doch sehr viel Spaß. Aufgebaut wird natürlich so, dass das burggräfliche Paar und deren Einfluss zur Geltung kommt und die große Tafel in der Mitte ist, die Küche am Ende und links und recht hat sich das Gefolge eingefunden.
Angefangen haben die Tage mit dem morgendlichen Weckruf vom burggräflichen Jagdhund (um ca. 3 Uhr morgens), weiter zum späteren Weckruf der (nicht adeligen) Schafe (ca. 5 Uhr morgens) und endete mit dem Klingeln des verzauberten Fernsprechapparates um 7.30 Uhr. Schließlich war für 8 Uhr das gemeinschaftliche Frühstück angesetzt
Nach schwierigen Verhandlungen am Küchentisch konnte ich mir ein paar Schlucke Milch bei der adligen Familie abluchsen, in diesem Sinne: gelobt sei unsere gnädige Herrin die Burggräfin.
An den Museumstagen haben nicht nur die Sonne und die Besucher gestrahlt, sondern auch die Meißner mit Schwert und Gewand. Show-Kämpfe und Kampftechniken kamen gerade bei den jüngeren sehr gut an und es musste kein tapferer Ritter ernster medizinisch versorgt werden (soll auch mal vorkommen), aber auch die Handarbeiten der Damen, mittelalterliche Modenschauen und der Alltag in der Küche lockten die Besucher zahlreich. Gerade die Modenschau lud die Besucher zu Fragen ein. Es wurde eine „altmodische“ Gewandung vorgestellt, die Kleidung des gemeinen Volkes und im Kontrast die Kleidung der Herrschaften, für unterschiedliche Anlässe.
Die Schaukämpfe und das Tanzen waren von vielen O’s und A‘s der Besucher begleitet. Egal ob klein oder groß, bei einem Ritter in glänzender Rüstung können wir alle nicht weggucken. Auch musikalisch hat es uns an nichts gefehlt, zwar war es nicht Tina Schmidt (aka Taylor Swift) die unsere Ohren beglückt hat, jedoch war das Flötensolo vom Burggrafen mindestens genauso beeindruckend, wären wir nicht im Mittelalter gewesen, hätte ich ihm doch fast einen Groschen zugeworfen.
Die Küche hat zum Mittag und zum Abendessen gezaubert und das Lager mit einer reichlich gedeckten Tafel verköstigt (an dieser Stelle: ein Lob an die Küchenfee/n).
Während der privaten Tanzstunden nach Museumsschluss habe ich feststellen müssen, dass ich nicht nur zwei linke Füße habe, sondern auch nur schwer bis 4 zählen kann, aber nachdem die anfängliche Verwirrung nachgelassen hat, funktionierte es dann doch recht passabel und den Füßen meiner Tanzpartner geht es inzwischen auch wieder gut.
Nach der dritten Drohung, dass ich ins Kloster muss, habe ich mich entschieden, die Gesellschaft mit einem Eis (aus dem nicht so weit entfernten Land EDEKA) zu besänftigen und die Zwangseinweisung wurde noch mal vertagt.
Alles in allem war Düppel für mich wieder eine schöne Veranstaltung und ich freue mich jedes Mal, dass ich dabei sein darf. Jeder Tag ohne Kloster ist ein guter Tag.“

Ein Kommentar von Arnold von Radeberg (in Darstellung)

„In einer kleinen Zeremonie wurde ich zum Knappen von Tammo von Schönfeld ernannt. Dazu habe ich einen Schild und einen Dolch bekommen.

Mir selbst hat das Kochen aber mehr gefallen, als das Knappe sein. Beim Kochen habe ich vor allem beim Zutaten schneiden geholfen, das hat sehr viel Spaß gemacht. Mir haben auch die Unterhaltungen mit den Anderen während dem Kochen gefallen.“

Ein Kommentar von Clara (in Darstellung), der sechsjährigen Tochter des Burggrafen.

„Ich fand Düppel cool und ein bisschen doof. Der Burggraf ist der Wichtigste im Lager, und es war cool, dass das mein Papa war. Komisch war, dass meine Mama nicht meine Mama gespielt hat, aber schön war das Adelheid meine Mama gespielt hat. Ich finde es richtig toll im Mittelalter. ich habe meinen neuen Surcot bekommen und den Saum fast alleine genäht. Und ich hätte mir noch mehr Besucher gewünscht.“

Und die Kleinsten mit 3 – 4 Jahren? Die spielen mit der Holzburg und den Stoff- und Tonfiguren, besonders gern wird aber an der Tafel geholfen oder auch mit dem Holzschwert geübt oder beim Bogenschießen. Also alles was die „Großen“ auch machen.

Die Autoren, dieses Mal im Castrum Turgelowe fotografiert.
die Autoren, dieses Mal im Castrum Turgelowe fotografiert.

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